02.07.2012 Chieming/Landkreis Traunstein

Luxemburger Dirk Bockel Sieger - Birnbacher: „Noch nie so fertig!”

Chiemsee Triathlon: Hitzeschlacht vor Traumkulisse


Spannende Duelle, prominente Triathlon-Novizen und eine traumhafte Kulisse machten am Sonntag den 1. Chiemsee Triathlon in Chieming zum echten Erfolg. 300 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Sieger wurde der Wahl-Luxemburger Dirk Bockel und Diana Riesler vom Team TBB.

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Der Luxemburger Dirk Bockel hat am Sonntag bei hochsommerlicher Hitze die Premiere des Chiemsee Triathlons gewonnen. Der Luxemburger vom Leopard-Trek Continental Team brachte die zwei Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer auf dem Rad und 20 Kilometer Laufen in einer Zeit von 3:45:03 hinter sich – und das bei Spitzenwerten um die 30 Grad unter praller Sonne. „Das hier ist eine der schönsten Gegenden in Deutschland, da wollte ich dabei sein“, sagte der Sieger über die AlzChem Mitteldistanz im Ziel. Schnellste Frau war Diana Riesler vom Team TBB. Insgesamt sind mehr als 850 gemeldete Sportler bei dem Wettkampf unter dem frenetischen Applaus der Tausenden Zuschauern zu Höchstleistungen angespornt worden. Rund 660 erreichten schließlich die Finisher-Linie. Im Teilnehmerfeld fanden sich auch die beiden Biathlon-Stars Andi Birnbacher und Simon Schempp.

 

Rund 300 ehrenamtliche Helfer von BRK, Polizei, Feuerwehr und Vereinen sorgten bei der Absicherung der Strecke für einen reibungslosen Ablauf. Für Aufregung sorgten zeitweilig drei Athleten, die wegen eines platten Reifens nicht starten konnten, aber am Sensor der Schwimmstrecke registriert waren. Die Vermissten wurden später wohlauf angetroffen.

 

Nach dem Massenstart am Chieminger Strandbad durchpflügten die Sportler kraulend und in ihren meist schwarzen Neopren-Anzügen die Wellen auf dem Weg Richtung Herreninsel und zurück. Erwartungsgemäß setzten sich die beiden starken Schwimmer James Elvery und Bockel mit ihren pinkfarbenen Badekappen schnell vom Feld ab. Der Neuseeländer Elvery stieg nach 25 Minuten und 14 Sekunden aus dem Wasser – eine knappe Sekunde vor Bockel, der erst zwei Wochen zuvor den Ironman Regensburg gewonnen hatte.

 

Auf ihren Maschinen lieferten sie sich lange ein erbittertes Duell, bis sich Bockel letztlich absetzen konnte. „Ich habe mich gefreut, dass ich mit einem der besten Triathleten der Welt so lange mithalten konnte“, sagte Elvery später, für den das Rennen am Chiemsee erst die zweite Mitteldistanz überhaupt war.

 

„Die letzten Runden waren nur noch Kopfsache!”

 

Auf der Laufstrecke am Chiemsee entlang und unter frenetischem Applaus der Tausenden Zuschauer untermauerte Spitzenreiter Bockel seinen Führungsanspruch. Von hinten heftete sich ihm jedoch Andreas Dreitz aus Bayreuth zunehmend auf die Fersen. Der Wahl-Luxemburger Bockel mobilisierte seine letzten Kräfte und übertrat als erster die Ziellinie. „Ich musste schneller laufen als mir lieb war“, sagte er sichtlich erleichtert im Zielbereich vor der Alpen Klinik. „Schenken wollte ich Dir nix“, sagte Dreitz vom Team Erdinger Alkoholfrei, der mit 3:45:40 Zweiter wurde. Elvery sicherte sich in 3:48:55 den dritten Platz. Danken wird Bockel den Radbastlern von Tour-Me im Austragungsort Chieming. Am Vorabend des Wettkampfs machte ihm Reinhard Schuster noch die Schaltung und die Bremsen fit für den Wettkampf.

 

Einen beachtliches Triathlon-Debüt feierte Biathlon-Star Andi Birnbacher: Bei seinem ersten Triathlon in seiner an Erfolgen ohnehin nicht armen Karriere holte er sich im Gesamtklassement den neunten Platz. In seiner Altersklasse landete er auf Platz 3. „Es hat nicht viele Tage gegeben, an denen ich so fertig war“, sagte der 31-jährige Schlechinger nach dem Zieleinlauf, sichtlich von Krämpfen geplagt. Es habe ihm „narrisch“ gefallen, wobei er es zum Schluss nicht mehr habe genießen können. „Die letzten Runden waren nur noch Kopfsache.“ Seine Kollegen aus dem Biathlon-Zirkus Simon Schempp und Mannschaftsarzt Klaus Marquardt erreichten die Plätze 21 und 110.

 

Bei den Frauen war es für Diana Riesler der Erfolg, den sie sich vor ihrem Start in Kopenhagen im August gewünscht hatte. „Für meine bisherige Saison verlief es spitzenmäßig“, sagte sie. Nach einer Zeit von 4:18:23 überschritt sie die Ziellinie. Als zweite Frau folgte ihr fünf Minuten später Ewa Bugdol von Rafako S.A. vor Jenny Schulz (4:24:40), die für Skills 04 Frankfurt startet. Die Top 3 der Staffeln bildeten AlzChem AG – Triathlon Altenmarkt (3:51:38) vor Pauersche Apotheke Traunstein (4:03:32) und Team Adelholzener (4:13:07).

 

Kulisse und Zuschauerinteresse begeistern Athleten

 

Den Chiemgauer Brauhaus Kurztriathlon entschied Christian Jais vom Team Nutrilite für sich. „Für mich war es ein nahezu perfektes Rennen“, sagte er nach 2:07:00 sichtlich ausgepowert. Die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer im Sattel und 10 Kilometer in den Laufschuhen bewälltigten Martin Kipnick (Triathlon TSV Altenmarkt) und Sebastian Diesenrieder vom Tristar Regensburg nach ihm am schnellsten.

 

Im Frauenfeld war es für Renate Forstner aus Rosenheim nahezu ein Start-Ziel-Sieg. Sie kam als erste im Gesamtfeld aus dem Wasser und konnte ihre Konkurrentinnen in Schach halten. „Ich habe von Anfang an Vollgas gegeben, weil ich wusste, dass die hinter mir stark sind.“ Sie kam auf eine Gesamtzeit von 2:20:12. Nur eine halbe Minute langsamer war Katrin Essfeld von der LG Mettenheim. Dritte wurde Julia Viellehner (2:21:41).

 

Von einer „absolut gelungenen Triathlon-Premiere vor der Traumkulisse des Chiemsees” sprach Pressebetreuer Roland Hindl von der Agentur Wechselszene, die den Triathlon in vierjähriger Vorarbeit organisiert hatte. „Die Resonanz der Athleten war sehr gut, lediglich an einigen Stellen muss noch nachgebessert werden.” Die tolle Resonanz und das Interesse der vielen Zuschauer und Beteiligten aus dem Chiemgau  an dem ersten Triathlon sei „absolut ermutigend” gewesen.  Angesichts der Tatsache, dass kein Startergeld gezahlt wurde, sei auch die Teilnahme von einem knappen Dutzend Profis „absolut erfreulich”. Etwas gelitten habe die Teilnehmerzahl durch die Veranstaltung eines zweiten Mitteldistanz-Triathlons in Ingolstadt. 

Autor: Axel EffnerHindl

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