16.03.2017 Bayern

Dieselverbot

Endet die Ära der Diesel-Autos? Fahrverbot für Innenstädte droht

Benzin
Foto: 123rf
Soll ich noch einen Diesel kaufen? Wie realistisch ist das Verbot? Fragen an den ADAC

Am 1. März hat der Bayerische Verwaltungsgerichthof einem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in Städten juristisch den Weg bereitet. In München könnte es schon ab 2018 greifen. Grund dafür ist der Stickoxid-Ausstoß. Betroffen sind nicht nur Alt-Modelle, sondern auch neuere Fahrzeuge, die bis August 2015 zugelassen worden sind. Was bedeutet das für die Besitzer? Wir sprachen mit dem Pressesprecher des ADAC Südbayern, Stefan Dorner.

Wie konkret ist die Gefahr, dass Dieselfahrer in Innenstädten das Auto stehen lassen müssen?
Die Gefahr ist konkreter denn je, denn im Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs kommt zum ersten Mal der Begriff Fahrverbot zur Verbesserung der Luftqualität vor. Somit ist es rein rechtlich notwendig, dies bei Grenzwert-Überschreitungen als Maßnahme zu verhängen. In München könnte es im Rahmen des festgeschriebenen Luftreinehalteplans bereits ab 2018 so weit sein.


Wie würde das in der Praxis ablaufen?
Es sind verschiedene Szenarien denkbar: Sie gehen von tageweisen Verboten, z.B. für die Umweltzonen oder die komplette Innenstadt, und theoretisch bis zur Sperrung von einzelnen, besonders belasteten Streckenabschnitten. Es ginge aber auch, dass zum Beispiel Autos, die bestimmte Abgaswerte überschreiten und Euro-Normen nicht erfüllen, ganzjährig ausgeschlossen werden.


Welche Fahrzeuge wären denn konkret betroffen?
Nach aktuellem Stand wären Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 6 nicht betroffen, die mit Euro 5 aber schon. Bei Euro 5 reden wir nicht von „alten Stinkern“, sondern von Autos mit einer Erstzulassung bis zum 31. August 2015.


Das wäre natürlich ein herber Schlag für die Besitzer!
So ist es. Nur, weil das Gesetz verschärft worden ist, haben diese Käufer ein Auto daheim stehen, das sie in gutem Glauben vor Kurzem als Neuwagen erworben haben. Versäumnisse von Politik und Autoindustrie werden auf dem Rücken der Autofahrer ausgetragen.

 

Stefan Dorner ADAC
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Stefan Dorner, Sprecher des ADAC Südbayern

Wir haben bisher nur von München geredet. Könnte das Fahrverbot auch ein Thema für andere bayerische Städte werden wie Passau, Regensburg oder Landshut?
Die Diskussionen und die Problematik fokussieren sich momentan auf die großen Metropolen wie München oder Stuttgart. Passau, Regensburg oder Landshut zählen aktuell nicht dazu. Man weiß aber nicht, ob sich die Sache ausweitet wie bei einem Dominoeffekt.

Wie steht der ADAC zum Fahrverbot?
Wichtig ist vor allem ein Punkt: Der ADAC ist natürlich auch dafür, dass die Luft besser wird. Aber wir setzen uns als Verbraucherschützer für unsere 19,6 Millionen Mitglieder und alle Autofahrer ein, die einen Wertverlust hinnehmen müssen, für den sie nichts können, oder die in ihrer Mobilität beschnitten werden. Uns wäre lieber, es gäbe konstruktive Lösungen für das Problem statt Verbote.

Wie könnten diese Lösungen aussehen?
Es wäre viel besser, in einem gemeinsamen Kraftakt zwischen Politik, Wirtschaft und gerne auch Interessensvertretern wie dem ADAC ein Umdenken bei der Mobilität zu erreichen. Damit meinen wir den Ausbau und die Förderung neuer Antriebstechniken wie Strom, Erdgas oder Wasserstoff und die Stärkung des ÖPNV. Ein Thema in München wäre auch ein besseres Verkehrsleitsystem wie Grüne Wellen und ein leistungsfähigeres Park & Ride-System, die Staus verhindern oder auflösen und für bessere Luft sorgen könnten.

Trotzdem: Hat der Diesel noch eine Zukunft?
Der Diesel ist viel besser als- sein momentaner Ruf. Die neuen Modelle mit SCR-Katalysator, besser bekannt unter Adblue-Technologie auf Harnstoffbasis, sind außerdem wegen ihres niedrigen Verbrauchs beim CO2-Ausstoß viel besser als ein Benziner. Das wird total vergessen. Der Diesel wird auch in Zukunft seinen Platz haben, wenn auch vermutlich nicht mehr so dominant wie jetzt. Wir brauchen einen Mix aus Benzin, Diesel, Gas, Elektro und Wasserstoff.

Würden Sie aktuell noch zum Kauf eines Diesels raten?
Wie gesagt: Bei den jetzigen Grenzwerten wären die Euro-5-Modelle schon von einem Fahrverbot betroffen. Für neuere Diesel gibt es im Moment kein Problem. Aber Sie wissen ja nicht, wie sich die Vorschriften entwickeln. Der ADAC rät deshalb beim Neukauf dazu, schon sehr genau zu überlegen, wie das eigene Nutzungsverhalten ist und ob ein Diesel wirklich Sinn macht. Bei einem gebrauchten Diesel ohne Euro 6-Norm raten wir definitiv zur Vorsicht. Es könnte sein, dass Sie nächstes Jahr damit schon nicht mehr in die Münchner Innenstadt reinkommen. Auf dem Land hingegen wird das Thema auch in Zukunft wohl kein Problem sein.

Autor: Mike Schmitzer

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