21.04.2017

Paris (AFP)

Erneuter Anschlag erschüttert Frankreich kurz vor Präsidentschaftswahl

Kurz vor der Präsidentschaftswahl hat ein erneuter Anschlag Frankreich erschüttert. Ein mutmaßlicher Islamist erschoss am Donnerstagabend auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées einen Polizisten und verletzte zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Passantin.
Foto: © 2017 AFP Frankreich vor der Wahl
Kurz vor der Präsidentschaftswahl hat ein erneuter Anschlag Frankreich erschüttert. Ein mutmaßlicher Islamist erschoss am Donnerstag auf den Pariser Champs-Elysées einen Polizisten und verletzte zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Passantin.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl hat ein erneuter Anschlag Frankreich erschüttert. Ein mutmaßlicher Islamist erschoss am Donnerstagabend auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées einen Polizisten und verletzte zwei weitere Beamte sowie eine deutsche Passantin. Er wurde schließlich von Sicherheitskräften erschossen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte für sich den Anschlag, der vor der Präsidentschaftswahl eine neue Debatte über den Anti-Terror-Kampf auslöste.

Der Schütze eröffnete gegen 21.00 Uhr mit einer Schnellfeuerwaffe das Feuer auf einen Polizeiwagen auf den Champs-Elysées. Er tötete einen Beamten und verletzte zwei weitere, einen davon schwer. Eine Deutsche wurde am Fuß verletzt. Auf dem bei Touristen beliebten Prachtboulevard brach Panik aus.

Der Angreifer, ein vorbestrafter 39-jähriger Franzose namens Karim Cheurfi, wurde schließlich erschossen. In seinem Auto fanden Ermittler eine Pumpgun und zwei große Messer.

Staatschef François Hollande sprach schnell von einem "terroristischen Hintergrund" der Tat. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Der IS reklamiert die Attacke noch in der Nacht für sich: "Der Angreifer von den Champs-Elysées im Zentrum von Paris ist Abu Yussef der Belgier, und er ist einer der Kämpfer des Islamischen Staates", erklärte das IS-Propagandasprachrohr Amaq.

Allerdings scheint diese Identität nicht auf den erschossenen Angreifer zuzutreffen, der Franzose und kein Belgier war. Bei dem Mann wurde aber ein Schreiben gefunden, in dem der IS verteidigt wird, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

Als radikaler Islamist war Cheurfi bislang nicht aufgefallen. Er war aber 2005 wegen mehrfachen versuchten Mordes - unter anderem an einem Polizisten und an einem Polizeischüler - zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Vor zwei Monaten wurde er erneut festgenommen, weil er Polizistenmorde geplant haben soll. Aus Mangel an Beweisen kam er allerdings wieder frei.

Der Anschlag drei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl erschütterte Frankreich schwer - und löste eine heftige politische Debatte aus. Die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen warf den Regierungen der vergangenen zehn Jahre vor, "alles getan" zu haben, um den "Krieg" gegen den Terrorismus zu verlieren. Der sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve warf ihr deswegen vor, "die Angst und die Aufregung schamlos für rein politische Zwecke auszunutzen".

Die Attacke schürte auch Sorgen vor weiteren Angriffen während der Wahl. Mehr als 50.000 Polizisten und tausende Soldaten sollen die erste Wahlrunde am Sonntag sichern. Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt. In Frankreich sind seit Anfang 2015 bei islamischen Anschlägen 239 Menschen getötet worden.

Die Attacke vom Donnerstagabend löste international Reaktionen zahlreiche aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ via Twitter mitteilen: "Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien."

Auch US-Präsident Donald Trump sprach den Franzosen sein Mitgefühl aus. "Es endet einfach nie", sagte er in Washington zur anhaltenden Terrorgefahr. Auf Twitter schrieb er außerdem, der Anschlag werde "große" Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich haben. "Das französische Volk wird das nicht viel länger hinnehmen."

Beobachter fragen sich, ob von dem Anschlag die Rechtspopulistin Le Pen profitieren könnte, die einen sehr harten sicherheitspolitischen Kurs fährt. Umfragen sagten ihr zuletzt voraus, in der ersten Wahlrunde auf dem zweiten Platz zu landen und es damit in die Stichwahl zu schaffen. Dort dürfte sie den letzten Umfragen zufolge aber unterliegen.

Als Favorit gilt der Mitte-Kandidat Emmanuel Macron. Chancen auf die Stichwahl haben auch der Konservative François Fillon und der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon.

Autor: Paris (AFP)

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