12.09.2017

Paris (AFP)

Hunderttausende Franzosen demonstrieren gegen Macrons Arbeitsmarktreform

Hunderttausende Menschen haben in Frankreich am Dienstag gegen die geplante Arbeitsmarktreform von Präsident Macron demonstriert. Das Innenministerium sprach am Abend von 223.000 Teilnehmern landesweit, die Organisatoren der Gewerkschaft CGT sprachen von 400.000 Teilnehmern.
Foto: © 2017 AFP Kundgebung gegen Macrons Reformen in Lille
Hunderttausende Menschen haben in Frankreich gegen die Arbeitsmarktreform von Präsident Macron demonstriert. Der erste landesweite Protesttag gegen seine Arbeitsmarktreform war ein wichtiger Stimmungstest für den Präsidenten.

Hunderttausende Menschen in Frankreich sind am Dienstag gegen die geplante Arbeitsmarktreform von Präsident Emmanuel Macron auf die Straße gegangen. Das Innenministerium sprach am Abend von 223.000 Teilnehmern landesweit, die Organisatoren der Gewerkschaft CGT gingen von 400.000 Teilnehmern aus. Der erste landesweite Protesttag gegen seine Arbeitsmarktreform war ein wichtiges Stimmungsbild für Macron, der trotz sinkender Umfragewerte an seinem Reformkurs festhält.

Die weit links stehende CGT hatte für Dienstag fast 200 Protestkundgebungen im ganzen Land angekündigt. Demonstriert wurde in den Großstädten Paris, Marseille und Lyon sowie in den südfranzösischen Städten Toulouse, Bordeaux und Nizza, im bretonischen Rennes und in der Hafenstadt Le Havre. Streiks unter anderem bei der Staatsbahn SNCF hatten nur begrenzte Auswirkungen.

CGT-Chef Philippe Martinez sprach von einer "sehr starken Mobilisierung" und einem "gelungenen" ersten Protesttag. An den Demonstrationen nahmen auch eine Reihe von Politikern teil, unter ihnen die bei der Präsidentschaftswahl gescheiterten linken Politiker Jean-Luc Mélenchon und Benoît Hamon.

Die Demonstranten skandierten unter anderem "Macron, du bist erledigt, die Faulenzer sind in den Straßen" und hielten Schilder mit Aufschriften wie "Faulenzer aller Länder, vereinigt euch" oder "Faulenzerin im Ruhestand" hoch. Sie spielten damit auf eine Äußerung des sozialliberalen Staatschefs an, der Gegner seiner Reformpolitik kürzlich als "Faulenzer" bezeichnet hatte.

Bei den Protesten gab es vereinzelte Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten. In Paris bewarfen Demonstranten die Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen, die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein. Das Innenministeriums sprach abends von 13 vorläufigen Festnahmen.

Im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich will Macron Unternehmen mehr Spielraum und Sicherheit geben. Unter anderem sollen Kündigungen erleichtert und Abfindungen gedeckelt, Arbeitnehmervertretungen zusammengelegt und Betriebsvereinbarungen gestärkt werden. Während Arbeitgeberverbände die Reform begrüßen, kritisieren die Gewerkschaften das Vorhaben als "sozialen Rückschritt".

"Das ist ein Gesetz, das den Arbeitgebern Vollmachten gibt", sagte CGT-Chef Martinez. Zwar kritisieren alle Gewerkschaften das Reformvorhaben; in der Frage des Umgangs mit den Regierungsplänen sind sie allerdings gespalten.

So riefen die Spitzen der einflussreichen Gewerkschaften Force Ouvrière (FO) und CFDT ihre Mitglieder nicht zur Teilnahme an den Protesten auf. CFDT-Chef Laurent Berger sagte dem Sender France Info, er halte Demonstrationen derzeit nicht für den richtigen Weg, es drohe eine "Demonstration der Schwäche". Vielmehr wolle seine Gewerkschaft auf die Dekrete zur Umsetzung der Reform Einfluss nehmen.

Für Macron lieferte der Protesttag Hinweise darauf, wie groß der Widerstand gegen seine Reformpolitik ist. Nach dem Arbeitsrecht will der sozialliberale Staatschef die Arbeitslosenversicherung, die Berufsbildung und das Rentensystem reformieren. In Umfragen befindet sich der 39-Jährige, der bei der Präsidentschaftswahl im Mai die Rechtspopulistin Marine Le Pen klar besiegt hatte, seit Wochen im freien Fall.

Die Gegner von Macrons Arbeitsmarktreform haben bereits für den 21. und 23. September zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Am 22. September sollen die Verordnungen für die Arbeitsmarktreform im Kabinett beschlossen werden. Sie können bald darauf in Kraft treten.

Autor: Paris (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Polizei Straubing

40-Jähriger flippt im Rausch völlig aus

Axt-Angriff auf Straubinger Polizeiinspektion

Nach einem Strei mit seiner Ehefrau war ein Mann aus dem Landkreis derart in Rage, dass er mit einer Axt zur Straubinger Polizei fuhr und dort zu randalieren begann. mehr ...

Polizei, Polizist

10-Jährige schlägt die Türe zu und rennt weg

Autofahrer fordert Mädchen zum Einsteigen auf

Aus einem Auto heraus wurde bereits am Freitagnachmittag, 22. September, in Aunkirchen bei Vilshofen ein 10-jähriges Mädchen angesprochen und von dem unbekannten Autofahrer zum Einsteigen aufgefordert. Das Mädchen lief davon. mehr ...

Handgranate Straubing

Fundort wurde abgesperrt

Handgranate auf dem Laga-Gelände in Straubing entdeckt

Auf dem Laga-Gelände in Straubing ist eine Handgranate entdeckt worden. mehr ...

Paar, Senioren, Ehepaar

Wahre Liebe

Ehepaar stirbt nach 75 Jahren am gleichen Tag

Nach 75 gemeinsamen Ehejahren ist ein Paar am gleichen Tag aus dem Leben geschieden. Nur wenige Stunden nach dem Tod der Frau, verstarb auch plötzlich ihr Ehemann. mehr ...

Polizei Festnahme Zelle Hinter Gittern

Somalier außer Rand und Band

Nur ein Tag in Freiheit: Raus aus dem Knast, rein in den Knast

Nur kurz konnte sich ein 25-jähriger Somalier über seine Freiheit freuen. Stunden nach seiner Haftentlassung aus der JVA landete er wieder hinter Gitter. mehr ...

Es

Es

Sieben Kinder führen ein tristes Leben in der Kleinstadt Derry. Sie nennen sich "Klub der Verlierer". Als es unter den Kindern der Stadt zu Todesfällen kommt, suchen Sie nach dem Schuldigen. Die Freunde finden heraus, dass ein Monster sein Unwesen treibt. Dieses kann unterschiedliche Gestalten annehmen - meist die eines Clowns mit Krallen und Reißzähnen. Die Heranwachsenden nehmen den Kampf mit der Bestie auf. mehr ...