20.03.2017

Berlin (AFP)

Jugendhilfe kritisiert zu geringe Flüchtlingskinderquote in Kitas

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe hat die geringe Quote von Flüchtlingskindern in Kindertagesstätten kritisiert. "Mit jedem Kind, das seine Kitachance verpasst, ist auch eine wertvolle Integrationschance vertan", befand der Verband.
Foto: © 2017 AFP Flüchtlingskinder besuchen oft keine Kita
Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe hat die geringe Quote von Flüchtlingskindern in Kindertagesstätten kritisiert. "Mit jedem Kind, das seine Kitachance verpasst, ist auch eine wertvolle Integrationschance vertan", befand der Verband.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) hat die geringe Quote von Flüchtlingskindern in Kindertagesstätten kritisiert. "Mit jedem Kind, das seine Kitachance verpasst, ist auch eine wertvolle Integrationschance vertan", erklärte Verbandschefin Karin Böllert am Montag in Berlin. Ziel müsse es sein, möglichst viele der etwa 120.000 Flüchtlingskinder unter sechs Jahren in einer Kindertageseinrichtung zu betreuen.

Die meisten Flüchtlingsfamilien wüssten aber gar nicht, dass ihre Kinder ein Recht auf einen Kitaplatz hätten. Die Familien müssten offensiv in ihrer Heimatsprache darüber informiert werden. "Das Lernen der Sprache und damit ein wichtiger Schritt in unsere Gesellschaft fängt nicht erst mit der Schulpflicht in der Schule an", erklärte Böllert.

Rund eine Woche vor Beginn des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetags in Düsseldorf stellte die Arbeitsgemeinschaft ihren Bericht zur Situation der Unter-27-Jährigen in Deutschland vor. Rund 3,7 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen null und 18 Jahren haben demnach immer noch schlechte Startchancen und gehören zu den "Verlierern der jungen Generation".

"Sie sind sozial abgehängt ? durch Eltern ohne Berufsausbildung, ohne Job", warnte Böllert. Oder sie lebten in von Armut bedrohten Elternhäusern. Die AGJ forderte daher eine Neujustierung des Kindergelds. Eltern mit geringem oder keinem Einkommen müssten besser gefördert werden. "Armut darf nicht länger vererbt werden."

Wichtig für die Startchancen seien auch die Kitas. Die Arbeitsgemeinschaft drängt auf eine "Qualitätsoffensive" in den Einrichtungen und vor allem auf eine Verbesserung des Betreuungsverhältnisses zwischen Erziehern und Kindern. Für Zwei- und Dreijährige sei es ideal, wenn sich eine Erzieherin lediglich um vier Kinder kümmere. In der Realität seien die meisten Gruppen aber viel größer.

Kritik äußerten die Jugendhilfeexperten auch an den Ganztagsschulen. "Beim Ziel, Kindern hier gleiche Startchancen zu geben, ist die Ganztagsschule gescheitert", erklärte Böllert. Sie seien nicht in der Lage, das oft starke Niveaugefälle, das durch drastische Bildungsunterschiede in den Elternhäusern herrühre, auszugleichen.

Die Arbeitsgemeinschaft forderte eine Abkehr vom "08/15-Stundenplan" und zu starren Lernkonzepten hin zu mehr lebensnahen Angeboten. Dazu gehörten ein Programm wie der Internetführerschein ebenso wie eine gezielte Berufsberatung oder ökonomische Erfahrungen etwa durch die Mitbegründung von Schülerfirmen.

Autor: Berlin (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Vater von Malina

"Grausamkeit beenden"

Emotionaler Appell: Malinas Vater wendet sich übers Fernsehen an einen möglichen Entführer

Die Suche nach Malina (20) geht weiter. Ihr Vater hat am Mittwoch, 29. März, einen emotionalen Appell an einen möglichen Entführer gerichtet. mehr ...

Liebesbotschaften

Liebe

Liebesbotschaften auf Pizzakartons: Das ist die Glückliche

Das Rätsel um die Liebesbotschaften in Altötting ist gelöst. Wir zeigen euch, wer dahinter steckt. mehr ...

Janina und Simone Fust

Trauer

Tochter mit 16 Jahren gestorben: Zurück bleiben Tränen und die Leere

Janina Fust durfte nur 16 Jahre auf dieser Welt bleiben. Wie geht ihre Mutter damit um? mehr ...

Facebook

Flüsterpost

Facebook-Post zu angeblichem Vorfall bei einem Kindergarten erhitzt die Gemüter

"Gerade höre ich, dass jetzt auch in Regensburg im Kindergarten Sallerner Berg versucht wurde, ein Kind zu klauen", so ein Facebook-Post, der am Donnerstagmorgen, 30. März, die Gemüter in der Domstadt erhitzte. mehr ...

Angriff in Regensburg

23-jähriger Syrer attackiert 28-Jährigen mit einem Messer und verletzt ihn schwer

Die Ermittlungen zu einem tätlichen Angriff in der Regensburger Innenstadt am Mittwoch, 29. März, laufen auf Hochtouren. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf

Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf

Das "Verlorene Dorf" ist in Gefahr! Und Schlumpfine ist die einzige, der die Not bewusst ist. Anhand einer Karte muss sie sich mit Schlaubi, Hefti und Co. durch den "Verbotenen Wald" kämpfen. Der steckt voller magischer Wesen. Ihnen auf den Fersen ist natürlich der Zauberer Gargamel, der es ebenfalls auf das Dorf abgesehen hat. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, und auch für die Schlümpfe selber soll am Ende eine große Entdeckung stehen. mehr ...