20.04.2017

Caracas (AFP)

Nach tödlicher Gewalt in Venezuela wächst Sorge vor weiterer Eskalation

Der venezolanische Präsident hat nach eigenen Angaben den "Plan Zamora" aktiviert, der militärische, politische und zivile Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Sicherheit vorsieht. Der Präsident kündigte die Stationierung von Soldaten im ganzen Land sowie die Stärkung regierungstreuer Milizen an.
Foto: © 2017 AFP Venezuelas Staatschef Maduro
Nach den gewaltsamen Protesten mit drei Toten wollen die Regierungsgegner in Venezuela heute erneut ihre Anhänger mobilisieren. Oppositionsführer Capriles rief zu neuen Massenprotesten gegen Präsident Maduro auf. Die EU äußerte sich besorgt.

Nach den tödlichen Schüssen bei Massenprotesten in Venezuela wächst international die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Machtkampfs zwischen Regierung und Opposition. Die EU verurteilte die Gewalt am Donnerstag und rief zur Mäßigung auf. Auch die USA und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äußerten sich besorgt. Bei den Kundgebungen am Mittwoch waren drei Menschen erschossen worden. Die Opposition rief für Donnerstag zu neuen Demonstrationen auf.

Aus Protest gegen den sozialistischen Staatschef Nicolás Maduro waren am Mittwoch in der Hauptstadt Caracas und anderen Landesteilen hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Nach Angaben von Rettungskräften und Behörden wurden ein Jugendlicher in Caracas und eine Frau im westlichen San Cristóbal durch Kopfschüsse getötet.

Das Regierungslager warf den Oppositionellen vor, nahe der Hauptstadt einen Soldaten erschossen zu haben. Auch in der Nacht zum Donnerstag gab es in Caracas vereinzelte Zusammenstöße, zudem wurden mehrere Bäckereien und Supermärkte geplündert.

Die EU verurteilte die Gewalttaten. Die Sicherheitskräfte hätten die Verantwortung, "in vollem Einklang mit der Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten" zu handeln, erklärte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Sie forderte die Konfliktparteien auf, die Lage zu beruhigen und "demokratische Lösungen" zu finden.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte in Washington, er sei "besorgt, dass die Regierung von Maduro ihre eigene Verfassung verletzt und es der Opposition nicht erlaubt, dass ihre Stimme gehört wird".

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte vor einem Teufelskreis aus "Gewalt und Repression", der die Sicherheit der Menschen in Venezuela bedrohe. Auch Argentiniens Präsident Mauricio Macri beklagte die ausufernde Gewalt während der Proteste.

Der Staatsanwaltschaft zufolge gaben vermummte Täter von einem Motorrad aus die Schüsse auf den Jugendlichen und die Frau ab. Augenzeugen machten regierungstreuen Milizen, die nach Oppositionsangaben von der Regierung mit Waffen ausgestattet werden, für beide Taten verantwortlich.

In den vergangenen Wochen waren bei regierungskritischen Protesten nach Behördenangaben bereits fünf Menschen getötet worden, darunter ein 13-jähriger Junge. Hunderte Demonstranten wurden festgenommen.

Für Donnerstag rief das oppositionelle Mitte-Rechts-Bündnis Tisch der Demokratischen Einheit (MUD) zu neuen Protesten auf. "Heute waren wir Millionen und morgen müssen noch mehr Menschen hinausgehen", sagte Oppositionsführer Henrique Capriles am Mittwochabend.

Die Regierungsgegner in dem ölreichen lateinamerikanischen Land machen Maduro für die seit langem andauernde Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für ein Referendum über eine Amtsenthebung des Sozialisten, dessen Präsidentschaft regulär noch bis 2019 dauert. "Wir müssen diese Diktatur beenden. Wir haben es satt", sagte die 54-jährige Sekretärin Ingrid Chacón, die sich am Mittwoch an den Protesten beteiligte.

Einige aufgebrachte Demonstranten warfen Steine auf die Polizei, die wiederum Tränengas einsetzte. Im Zentrum von Caracas versammelten sich zugleich tausende Anhänger Maduros zu einer Gegendemonstration. "Wir stehen fest zu Maduro aus Loyalität zu unserem ewigen Kommandeur", sagte die 50-jährige Lehrerin Nancy Guzmán mit Blick auf Maduros verstorbenen Amtsvorgänger Hugo Chávez.

Maduro sagte, er wolle baldige Wahlen und einen "friedlichen Weg", um "die Verschwörer, Mörder und interventionistischen Rechten auf ihre Plätze" zu verweisen. Der Präsident hatte vor den Protesten am Mittwoch zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zur Abwehr eines angeblichen Putsches angeordnet.

Der in Caracas lebende deutsche Pfarrer Lars Pferdehirt erlebte die Zusammenstöße hautnah mit. "Am Mittag und Nachmittag hörte man Schüsse, man hörte das Donnern und nachher kamen dann die Tränengasschwaden zu uns rüber", sagte er dem SWR. Die Regierungsgegner seien sehr aggressiv gegen die Demonstranten vorgegangen. Die Stimmung nach den Protesten beschrieb Pferdehirt als "gespenstisch".

Maduro wirft den Regierungsgegnern und den USA vor, einen Staatsstreich zu organisieren. Der US-Interimsvertreter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Kevin Sullivan, wies den Vorwurf zurück. "Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein", sagte er.

Autor: Caracas (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Busbahnhof Albertstraße

Einsatz für die Berufsfeuerwehr

Schwerer Unfall in der Albertstraße: Linienbus erfasst 22-Jährigen und schleift ihn mit

Am Dienstagabend, 25. April, wurde bei der ILS folgender Notruf abgegeben: In der Albertstraße-Bushaltestelle sei eine Person unter dem Bus eingeklemmt. mehr ...

Crash

Unfall bei Hemau: Stopp-Schild missachtet, drei Verletzte

Gegen 16.30 Uhr kam es am Mittwoch, 26. April, bei Hemau auf der Kreisstraße R11 im Kreuzungsbereich zur Dietfurterstraße zu einem schweren Verkehrsunfall. mehr ...

mehr Bilder ansehen

Ursache unklar

Pkw geht auf der A3 in Flammen auf

Gegen Mitternacht kam es am Mittwoch, 26. April, auf der Autobahn A3 zwischen der Anschlusstelle Laaber und Nittendorf in Fahrtrichtung Regensburg zu einem Pkw-Brand. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Einbruch, Brechstange, Brecheisen, Einbrecher

Polizei bittet um Hinweise

Einbruch in Einfamilienhaus - Bargeld und Schmuck gestohlen

Diesmal haben Einbrecher in Straßkirchen (Lkr. Straubing-Bogen) zugeschlagen. mehr ...

Polizei

Regensburger Polizei gibt keine Zahlen über Flüchtlings-Kriminalität bekannt

Die Regensburger Polizei weigert sich, nach der Änderung der Statistik beim Bundeskriminalamt Zahlen über die Kriminalitätsrate unter Flüchtlingen zu veröffentlichen. Dass es diese Zahlen gibt, belegt ein sogenanntes Lagebild, das unserer Zeitung vorliegt. mehr ...

Shin Godzilla

Shin Godzilla

Etwas stimmt nicht in der Bucht von Tokio: Seeleute verschwinden spurlos, ein Vulkan scheint unter Wasser auszubrechen. Bald jedoch steht fest: Ein riesiges Monster kommt auf die Stadt zu. Es gibt auch Videos von der Kreatur. Allein ein Wissenschaftler scheint das Vieh ansatzweise zu verstehen. "Godzilla" wütet erbarmungslos in der japanischen Metropole. Gelingt es den Experten eine Waffe gegen das schreckliche Wesen zu entwickeln? mehr ...