Wochenblatt
24.02.2013

Ramallah (AFP)

Palästinenser in israelischer Haft gestorben

Der Tod eines jungen Palästinensers in einem israelischen Gefängnis hat zu einem Aufschrei auf palästinensischer Seite geführt. Der palästinensische Regierungschef Salam Fajjad forderte, die "wirklichen Gründe" für den Tod des Häftlings offenzulegen.
Foto: © 2013 AFP Palästinensischer Regierungschef Fajjad
Der Tod eines jungen Palästinensers in einem israelischen Gefängnis hat zu Empörung auf palästinensischer Seite geführt. Die Umstände seines Todes müssten durch eine internationale Untersuchungskommission geklärt werden.

Der Tod eines jungen Palästinensers in einem israelischen Gefängnis hat zu einem Aufschrei auf palästinensischer Seite geführt. Der palästinensische Regierungschef Salam Fajjad forderte, die "wirklichen Gründe" für den Tod des Häftlings offenzulegen. In Hebron im israelisch besetzten Westjordanland gab es gewalttätige Zusammenstöße zwischen protestierenden Palästinensern und israelischen Soldaten.

Eine Sprecherin der israelischen Gefängnisbehörde sagte, der 30-jährige Familienvater Arafat Dscharadat aus einem Dorf bei Hebron sei im Gefängnis Megiddo in Nordisrael am Samstag "plötzlich" verstorben - "vermutlich an Herzstillstand". Der für Gefangene zuständige palästinensische Minister Issa Karakaa sagte der Nachrichtenagentur AFP, Dscharadat sei seit einigen Tagen inhaftiert gewesen und während der Verhöre "getötet" worden. Die Umstände seines Todes müssten durch eine internationale Untersuchungskommission geklärt werden.

In einer Erklärung des israelischen Inlandsgeheimdiensts Schin Beth hieß es, dem Gefangenen sei nach dem Mittagessen schlecht geworden. Zu Hilfe gerufene Ärzte hätten ihn nicht mehr retten können. Dscharadat sei am Montag festgenommen worden. Grund war demnach seine Beteiligung an Auseinandersetzungen nahe der jüdischen Siedlung Kirjat Arba bei Hebron, bei denen im vergangenen November ein Israeli verletzt worden war.

Fajjad äußerte sich "tief traurig und schockiert" über den Tod des Palästinensers. Er rief die "internationale Gemeinschaft" auf, Israel dazu zu zwingen, sich an das Völkerrecht zu halten und die Frage der palästinensischen Gefangenen zu regeln. Die kranken und hungerstreikenden Häftlinge müssten umgehend freikommen. Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas erklärte, Dscharadat sei wegen der "unmenschlichen Bedingungen in israelischen Gefängnissen" gestorben.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem forderte eine "unabhängige, nachhaltige und transparente Untersuchung", die schnell abgeschlossen werden sollte. Sie müsse sich auch damit befassen, wie die Vernehmungen vor sich gegangen seien und welche Verhörtechniken Schin Beth angewendet habe.

Israelische Medien berichteten unterdessen, die palästinensische Autonomiebehörde sei aufgefordert worden, Vertreter zur Autopsie des gestorbenen Häftlings zu entsenden. Minister Karakaa sagte, ein palästinensischer Arzt und Dscharadats Familienangehörige würden dabei sein.

Die Solidaritätsbewegung für Palästinenser in israelischen Gefängnissen hat seit Beginn des Monats zugenommen. Sie gilt insbesondere vier Palästinensern, die sich seit mehreren Monaten im Hungerstreik befinden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich am Dienstag besorgt über das Schicksal der hungerstreikenden Gefangenen geäußert. Die Häftlinge müssten vor Gericht gestellt oder freigelassen werden, erklärte er.

Die palästinensische Organisation Gefangenenclub mit Sitz in Ramallah teilte unterdessen mit, weitere sieben Häftlinge hätten sich dem Hungerstreik angeschlosssen, darunter die Schwester eines der Hungerstreikenden. Bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften im Westjordanland waren am Freitag rund 100 palästinensische Demonstranten verletzt worden. Sie waren für die Freilassung der hungerstreikenden Gefangenen auf die Straße gegangen.

Autor: Ramallah (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Großaufgebot der Polizei rückte nach Ergolding aus.

Angriff mit Kettensäge

Polizist gibt drei Schüsse auf Angreifer in Ergolding ab

Mit drei Schüssen hat ein Polizist am Montagabend in Ergolding einen Angreifer außer Gefecht gesetzt. Der Täter wurde dabei nicht lebensgefährlich verletzt, heißt es in einer ersten Stellungnahme der Polizei. mehr ...

mehr Bilder ansehen
B20-Umleitungsstrecke

Neue Regelungen ab Dienstag

Nach Unfallserie: Das wird anders auf der B20-Umleitungsstrecke

Nach mehreren Unfällen auf der Umleitungsstrecke haben die Verantwortlichen der Straubinger Polizei, des Landratsamtes und des Straßenbauamtes Passau am Dienstag Maßnahmen für die Sicherheit auf der Umleitungsstrecke beschlossen. mehr ...

Ein 55-Jähriger ging auf die Beamten los.

Neue Details vom Kettensägen-Angriff in Ergolding

Der Polizist hat nur zweimal geschossen

Wie bereits berichtet kam es am Montagabend zu einer Bedrohung von Polizeibeamten durch einen 55-jährigen Mann mit einer Kettensäge. Ein Polizeibeamter schoss dem Mann ins Bein. Insgesamt wurden nur zwei Schüsse abgegeben. mehr ...

Maß Bier

Dultbesucher musste ausgenüchtert werden

19-Jähriger wird mit 4,6 Promille bei der Polizei abgeliefert

Durch Polizeibeamte wurde am Dienstag, 30. August, kurz vor 1 Uhr in der Würzburger Straße ein 19-Jähriger auf der Straße liegend angetroffen. mehr ...

Kreuz Beerdigung Tod

Drama auf der Ferieninsel

Freisinger Familie starb bei schrecklichem Autounfall auf Mallorca

Der lang ersehnte Urlaub einer vierköpfigen Familie aus Freising endete mit einem schrecklichen Unglück: Die Familie kam bei einem Unfall ums Leben mehr ...

Ben Hur 3D

Ben Hur 3D

Ben-Hur und Messala, wachsen zu jener Zeit, zu der auch Jesus Christus lebt, gemeinsam auf. Messala geht eines Tages nach Rom und kommt Jahre später als anderer Mensch zurück, hat nur noch Spott für Judah und dessen Religion übrig. Schon bald intrigiert er gegen seinen einstigen Freund und sorgt dafür, dass dessen Familie im Gefängnis landet und Judah auf ein Sklavenschiff gebracht wird. Ben-Hur rächt sich... mehr ...