17.02.2017

Berlin (AFP)

SPD setzt nach Schulz-Kür Aufholjagd in Umfragen fort

Der Höhenflug der SPD nach der Nominierung von Kanzlerkandidat Martin Schulz hält an. Im ZDF-"Politbarometer" kommt die SPD jetzt auf 30 Prozent, die Union verliert auf 34 Prozent. Auch die AfD muss Federn lassen.
Foto: © 2017 AFP Die SPD feiert Martin Schulz
Der Höhenflug der SPD nach der Nominierung von Kanzlerkandidat Martin Schulz hält an. Im ZDF-"Politbarometer" kommt die SPD jetzt auf 30 Prozent, die Union verliert auf 34 Prozent. Auch die AfD muss Federn lassen.

Mit Kanzlerkandidat Martin Schulz an der Spitze setzen die Sozialdemokraten ihre Aufholjagd in den Umfragen fort. In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" legte die SPD in der Sonntagsfrage um sechs Punkte auf 30 Prozent zu. Die Union reagierte auf ihren schwindenden Vorsprung mit weiteren Attacken auf Schulz: Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sprach dem SPD-Kandidaten die Eignung fürs Kanzleramt ab.

Laut ZDF war das Ergebnis für die SPD der stärkste Zuwachs, den eine Partei zwischen zwei "Politbarometer"-Befragungen jemals erzielte. Die Union aus CDU und CSU verlor dagegen zwei Prozentpunkte und kam auf 34 Prozent, die Grünen gewannen einen Prozentpunkt auf neun Prozent dazu, die FDP lag unverändert bei sechs Prozent und die AfD sackte um einen Prozentpunkt auf zehn Prozent ab.

Die Linke verliert in der Umfrage drei Punkte und käme nur noch auf sieben Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Derzeit würde es damit laut "Politbarometer" rechnerisch nur für eine große Koalition aus Union und SPD sowie ganz knapp für ein Dreierbündnis aus Union, Grünen und FDP reichen.

Schulz überholte außerdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im direkten Duell um die Wählergunst. 49 Prozent der Befragten hätten demnach lieber den Herausforderer als Regierungschef, Merkel bevorzugen derzeit 38 Prozent. Ende Januar war die Reihenfolge noch umgekehrt: Merkel lag mit 44 Prozent knapp vor Schulz, für den 40 Prozent waren.

Für das aktuelle "Politbarometer" befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag 1231 Wahlberechtigte, die Befragung ist repräsentativ. Der Fehlerbereich liegt bei Prozentwerten von 40 Prozent bei rund drei Prozentpunkten, bei Werten von zehn Prozent bei rund zwei Prozentpunkten. Die Projektionen für das Abschneiden der Parteien können also entsprechend nach oben oder unten abweichen.

"Ein Mann wie Herr Schulz, der im Grunde seines Herzens Schulden vergemeinschaften will, vertritt nicht die Interessen Deutschlands", sagte Kauder dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Jemand, der auch in Europa nicht zuerst die Interessen Deutschlands vertritt, kann nicht deutscher Bundeskanzler werden." Der Unionsfraktionschef warf dem SPD-Politiker zudem vor, zurzeit "eher abgetaucht" zu sein. "Das ist auch kein Wunder für einen Mann ohne jede praktische Regierungserfahrung."

Kauder warnte auch davor, dass die SPD nach der Bundestagswahl ein Bündnis mit Linken und Grünen eingehen könnte. "Wir brauchen nicht über Rot-Rot-Grün zu spekulieren", sagte er dem "Focus". Es reiche ein Blick nach Berlin, wo die drei Parteien seit vergangenem Dezember die Landesregierung bilden. Die Entwicklung der Hauptstadt zeige beispielhaft die Auswirkungen rot-rot-grüner Politik: "Keine Videoüberwachung, keine Abschiebungen, kein Ausbau von Gefängnissen ? das gefährdet die Sicherheit der Bevölkerung."

Kritik an Schulz kam auch von den Grünen, die in den Umfragen derzeit unter ihrem Anspruch eines zweistelligen Ergebnisses liegen. Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte der Zeitung "Welt", Schulz stehe für "die alte Tante SPD". Sie habe vom SPD-Kandidaten bisher "keine innovativen Ideen" gehört. "Und zentrale Fragen spart er aus ? Klimaschutz ist für ihn kein Thema, genausowenig wie die Gleichberechtigung von Frauen oder von Minderheiten."

Autor: Berlin (AFP)

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