17.02.2017

Madrid (AFP)

Sechs Jahre und drei Monate Haft für Ehemann der Infantin Cristina in Spanien

Die spanische Infantin Cristina ist am Freitag vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen worden, ihr Mann Iñaki Urdangarín dagegen wurde zu einer Haftstrafe von über sechs Jahren sowie einer Geldstrafe von 512.000 Euro verurteilt.
Foto: © 2017 AFP Spaniens Infantin Cristina und ihr Mann Iñaki Urdangarin
Die spanische Prinzessin Cristina ist vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen worden, ihr Mann Iñaki Urdangarín muss dagegen sechs Jahre in Haft. Er soll gemeinnützige Gelder in Millionenhöhe veruntreut haben.

Die spanische Infantin Cristina ist am Freitag vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen worden, ihr Mann Iñaki Urdangarín dagegen wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten sowie einer Geldstrafe von 512.000 Euro verurteilt. Das Gericht in Palma de Mallorca befand den Schwager von König Felipe VI. für schuldig, über seine gemeinnützige Stiftung öffentliche Gelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Urdangarín als Hauptangeklagten 19 Jahre und sechs Monate Gefängnis gefordert. Der 49-Jährige kann gegen das Urteil noch Berufung einlegen. Die Staatsanwaltschaft könnte aber auch Urdangaríns sofortige Inhaftierung fordern. Das schriftliche Urteil erging in Abwesenheit des Paars.

Mit dem Freispruch für Cristina war bereits im Vorfeld gerechnet worden, denn allein die rechtsgerichtete Interessengemeinschaft der Steuerzahler Manos Limpias (Saubere Hände) als Nebenklägerin hatte eine achtjährige Haftstrafe für sie gefordert. Deren Vorsitzender Miguel Bernad wurde inzwischen selbst inhaftiert - er steht im Verdacht, im großen Stil Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen erpresst zu haben.

Cristina wurde lediglich zur Zahlung von 265.000 Euro verurteilt, weil sie von den Machenschaften ihres Mannes profitiert habe. Das Geld war bereits während des Verfahrens zurückerstattet worden.

Der ehemalige Handballnationalspieler Urdangarín und sein damaliger Geschäftspartner sollen zwischen 2004 und 2006 sechs Millionen Euro Spendengelder für die Wohltätigkeitsorganisation Nóos veruntreut haben, deren Vorsitzender er war. Die Stiftung hatte unter anderem von den Regierungen der Balearen und der Region Valencia rund sechs Millionen Euro für die Ausrichtung von Tagungen zu Sport und Tourismus erhalten, deren Kosten sie künstlich aufgeblasen hatte.

Das abgezweigte Geld wurde anschließend unter anderem in einer "Tarnfirma" Urdangaríns gewaschen, an der seine Frau Cristina zur Hälfte beteiligt war. Die inzwischen 51-Jährige argumentierte stets, sie habe ihrem Mann vertraut und sich nie um seine Geschäfte gekümmert.

Cristina und ihr Mann erfuhren nach Angaben der spanischen Medien von dem Urteil in Genf, wo sie seit 2013 mit ihren vier Kindern leben. Der Anwalt der Infantin, Miquel Roca, sagte in Barcelona, sie habe ihren eigenen Freispruch mit "Genugtuung" aufgenommen. Die Verurteilung ihres Mannes hingegen empfinde sie als "ungerecht", da sie ihn für unschuldig halte. Roca fügte gleichzeitig hinzu, das Urteil zeige, dass alle "Bürger vor dem Gesetz gleich sind".

Cristinas Bruder Felipe äußerte sich zunächst nicht. Der Königspalast versicherte lediglich "seine allergrößte Achtung vor der Unabhängigkeit der Justiz". Am Freitagmorgen eröffnete der König eine Kunstausstellung in Madrid.

Cristina war das erste Mitglied der spanischen Königsfamilie, das sich in einem öffentlichen Strafprozess zu verantworten hatte. Der Prozess hatte vor über einem Jahr begonnen, im Juni endeten die Anhörungen. Für das Urteil in dem für die spanische Monarchie heiklen Fall hatte sich das Gericht mehr als sieben Monate Zeit genommen.

Neben Urdangarín und seiner Frau waren 15 weitere Verdächtige angeklagt, darunter der ehemalige konservative Minister und Präsident der Balearen, Jaume Matas. Er gab zu, die Auftragsvergabe an Nóos angeordnet zu haben, da Urdangarín der Schwiegersohn des damaligen Königs Juan Carlos war.

Als der Skandal Ende 2011 öffentlich wurde, durchlebte Spanien gerade eine seiner schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten. Das Land stand unter Schock, das Vertrauen in das Königshaus sank rapide. Im Juni 2014 schließlich dankte König Juan Carlos im Alter von 76 Jahren zugunsten seines Sohns ab, um eine Erneuerung der Monarchie zu ermöglichen.

Seit der Aufdeckung des Skandals spielen Urdangarín und die einstmals äußerst beliebte Infantin keine öffentliche Rolle mehr. Auch der Krönung Felipes blieben beide fern.

Autor: Madrid (AFP)

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