08.03.2017, 15:40 Uhr

Brettspieletests der anderen Art 51st State: Das Master-Set - Das Spiel, das ein kleines Wunder auslöste

Die Auslage des Spiels Foto: Schmitzer (Foto:Schmid)Die Auslage des Spiels Foto: Schmitzer (Foto:Schmid)

In der ersten Ausgabe unserer Brettspieletests werfen wir einen Blick auf 51st State Master Set von Portal Games

Vorwort: Es ist mir ein Bedürfnis, meine Faszination für Brettspiele auch an andere weiterzugeben, deshalb werde ich hier regelmäßig ausgewählte Titel vorstellen. Ich würde mir wünschen, dass sich wieder mehr Menschen leibhaftig an einen Tisch setzen und zusammen Spaß haben. Ich denke, das Problem ist, dass viele Leute das Spielen von Brettspielen für "kindisch" halten und zudem aus der eigenen Kindheit nur die üblichen Spielesammlungen kennen, vielleicht noch Monopoly oder Risiko. In der heutigen Zeit gibt es ein großes Angebot an unheimlich tollen und pfiffigen Spielen mit ausgefeilten Mechanismen. Ich konnte schon viele Nichtspieler zu diesem Hobby "bekehren". Es muss nicht immer alles digital stattfinden - und das sage ich als größter Technik-Freak.

Ich werde mich bei meinen regelmäßigen Brettspieletests kurz fassen und auch keine Spielregeln herunterleiern. Ich versuche es so zu erklären, dass auch Noch-Nicht-Spieler verstehen, worum es geht. Ich denke die meisten von euch interessiert das Spielgefühl und ob das Spiel gefällt oder nicht - was natürlich immer subjektiv ist.

51st State: Das Master-Set

Das Aufbauspiel ist thematisch in einer düsteren postapokalyptischen Zukunft angesiedelt. Der Spieler versucht mithilfe von Karten eine neue Zivilisation aus den Trümmern aufzubauen.

Die Karten können ausgespielt oder abgelegt werden, um Ressourcen und Arbeiter zu erhalten. Damit ist es dann wieder möglich, noch mächtigere Karten in seine ständig wachsende Auslage (sprich Zivilisation) zu legen. Der Aufbau der Karten ist klar und übersichtlich und der ganze Spielmechanismus sehr clever. Ich mag es, ein und dieselbe Karte auf verschiedene Art und Weise einsetzen zu können, je nachdem, was taktisch sinnvoll erscheint und das ist hier gegeben.

2 bis 4 Spieler kämpfen darum, eine feste Anzahl von Siegpunkten zu erreichen (25). Wer es als erster schafft, beendet das Spiel. Es gibt auch eine Solovariante die sehr gelobt wird, aber ich konnte sie noch nicht ausprobieren. Ich finde es ehrlich gesagt, ein wenig "strange", alleine mit sich im Keller ein Brettspiel zu spielen, weiß aber, dass sehr viele das gerne machen.

Wenn euch der Spielmechanismus irgendwie bekannt vorkommt, dann habt ihr völlig recht: ist ein "Re-Theme" von "Imperial Settlers". Man muss aber auch dazu sagen, dass letzteres wiederum eine überarbeitete Version des original 51st State ist, welches aber recht sperrig und schwer zugänglich war und daher nicht den Erfolg einheimsen konnte, den es verdiente.51st State: Das Master-Set

Was euch am meisten interessiert, ist vermutlich ob das Spiel Spaß macht. Tut es. Sehr sogar. Ich habe in meine persönlichen Top 10 eingeordnet. Aber dazu gibt es auch noch eine kleine Geschichte: Meine Ehefrau ist, sehr zu meinem Leidwesen, an Brettspielen äußerst desinteressiert. Ich konnte sie zwar gelegentlich nötigen, ein Spiel mit mir zu spielen, aber danach bekam ich auf die Frage: "Na wie war´s" bestenfalls ein "Geht schon" zu hören. Das Hypespiel "Villen des Wahnsinns 2" fand sie sogar öde.51st State: Das Master-Set

Nachdem ich schon etliche Partien mit auf dem Buckel hatte, habe ich meine Frau überredet, eine Partie mit mir zu spielen. Schon nach der ersten Runde hatte sie den Aufbau der Karten und die Spielmechanik verstanden und in Runde 2 entwickelte sie einen Ehrgeiz, den ich von ihr sonst bei Brettspielen nicht kannte.51st State: Das Master-Set

Dieses Aufbauen einer Siedlung, dieses Handeln mit Ressourcen (die übrigens aus Holz sind und ganz toll, so wie die gesamte Ausstattung des Spiels), das sinnvolle Ersetzen von Gebäuden und letzlich das Generieren von Siegpunkten über spezielle Karten, machte ihr offensichtlich einen Mordsspaß. Und gewonnen hat sie auch noch ...

Nach dem ersten Spiel kam dann von ihr der Satz, auf den ich eigentlich nicht mehr zu hoffen gewagt hatte: "Das gefällt mir, das spielen wir bald nochmal, ok?"

Interessanterweise gefällt meiner Frau das besser als das sehr ähnliche "Imperial Settlers", obwohl das eigentlich die etwas "frauengerechtere" knuffige Grafik hätte.51st State: Das Master-Set

Ich persönlich finde auch den Aufbau der Karten und die Endzeitgrafiken bei etwas ansprechender. Ebenso den Wettrennencharakter bezüglich der Siegpunkte, denn Imperial Settlers läuft stattdessen über eine fixe Anzahl von Runden.51st State: Das Master-Set

Mein persönliches Fazit:

ist ein tolles Spiel mit einer sehr geringen Einstiegshürde, das immer wieder Spaß macht und durch zwei bereits enthaltene Erweiterungen auch sehr lange Abwechslung bietet. Weitere Kartenerweiterungen sind bereits angekündigt. Für mich eines der Top-Spiele aus dem Bereich "Tableau-Building". Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.51st State: Das Master-Set

9/10 Punkten


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