12.04.2017, 16:01 Uhr

Die etwas andere Kolumne von Mike Schmitzer Der Marder greift an

Foto: 123rf (Foto:Schmid)Foto: 123rf (Foto:Schmid)

Bin ich zwischen die Fronten zweier konkurrierender Marder geraten?

Es ist kurz vor Mitternacht, ich sitze in meinem Auto und betätige den Anlasser. Statt des erhofften Geräuschs eines startenden Motors macht es nur „Klack“. Im nächsten Augenblick leuchten sämtliche Kontrolllampen gleichzeitig auf - wie bei einem bunten Christbaum.

„Habt ihr vielleicht einen Marder“, frage ich meinen Freund, den ich an diesem Abend in Burghausen besucht habe. „Marder? Neiiiin! Wir haben unsere Autos immer unter einem Carport stehen, und da war noch nie ein Marder dran.“ „Dann muss es irgendetwas mit der Elektronik sein“, vermute ich. „Die wird ja immer komplizierter in den Kisten.“

Mit einem geliehenen Auto trete ich den Heimweg an. Als ich am nächsten Morgen in meiner Werkstatt anrufe, vermutet der Meister sofort einen Marderbiss. „Der muss nicht viel erwischen und das Auto springt nicht mehr an.“

Als ich etwas später die Motorhaube geöffnet habe, ist mir sofort das angeknabberte Kabel ins Auge gesprungen. Der ADAC-Pannendienst hat mir die zwei Drähte geflickt und seither läuft wieder alles.

Ende gut alles gut? Von wegen. Natürlich muss das geflickte Kabel (wahrscheinlich inklusive Kabelbaum) für eine ordentliche Summe ersetzt werden.

Das wäre ja im Einzelfall zu verschmerzen, aber die Frage ist doch: Wann schlägt der Marder erneut zu? Und warum war ausgerechnet mein Auto betroffen und nicht eines der vielen anderen abgestellten Autos?

Möglicherweise bin ich zwischen die Fronten zweier konkurrierender Marder geraten. Nach Expertenmeinung flippen Marder nur aus, wenn sie die Duftmarke eines Konkurrenten wahrnehmen. Das würde bedeuten, dass ich einen „freundlichen“ Marder bei mir daheim habe, der mein Auto markiert hat. Mit dieser Duftmarke bin ich in das Territorium eines anderen Marders eingedrungen. Das fand der Burghauser Marder offensichtlich nicht besonders prickelnd und er machte sich über meine leckeren Kabel her, um den Geruch des anderen Nagers wegzubeißen.

Die Frage, die mir nach dieser Erkenntnis durch den Kopf ging, war: „Wie reagiert wohl mein freundlicher Hausmarder auf den Duft des marodierenden Burghauser Kollegen? Verdammter Mist!“

Im Internet habe ich ziemlich verzweifelt nach Möglichkeiten zur Marderabwehr gesucht. Es gibt da eine Reihe von Hausmittelchen, beispielsweise Hundehaare. Ich hätte zufälligerweise sogar einen kleineren Hund daheim, habe aber die Idee gleich wieder verworfen, denn meine Frau fände es wahrscheinlich weniger gut, wenn dieser die nächsten Wochen im Motorraum nächtigen müsste. Auf den Motor zu pinkeln habe ich noch nicht einmal ernsthaft erwogen. Weder die Abwehrsprays, noch die Ultraschallgeräte versprechen hundertprozentige Sicherheit, wie man einschlägigen Internetforen entnehmen kann.

Also habe ich meine Frau angerufen und ihr mitgeteilt, dass wir leider zum äußersten und allerletzten Mittel greifen müssen: Das Aufräumen der Garage! Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, wann unser Auto das letzte Mal zwischen dem Wahnsinn aus Schachteln, Fahrrädern, Grill-Utensilien, Luftpumpen, Farben und Krimskrams Platz hatte. Aber die Angst vor dem Marderschaden lässt Dich Dinge tun, die Du nicht für möglich gehalten hättest ...

Mike Schmitzer


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