17.05.2017, 13:47 Uhr

Prozess wegen Überfall auf Spielothek Raubüberfall mit 194 Euro Beute

Foto: Monika Kretzmer-Diepold (Foto:Schmid)Foto: Monika Kretzmer-Diepold (Foto:Schmid)

Zwei 20 und 30 Jahre alte Männer sollen eine Spielothek in Neuötting überfallen haben

NEUÖTTING/TRAUNSTEIN Weil zwei Männer kein Geld hatten, beschlossen sie, in Neuötting eine Spielothek zu überfallen. Ein 20-Jähriger kundschaftete die Lage aus. Später betrat der zweite Täter, in dem zwei Frauen waren, das Casino. Der maskierte 30-Jährige stürmte rein, bedrohte eine Angestellte und einen weiblichen Gast mit einer Pistole. Die Beute betrug knapp 200 Euro. Die Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann arbeitet den Fall derzeit juristisch auf. Mit dem Urteil wird am Donnerstag, 18. Mai, gerechnet.

Die Angeklagten behaupteten am Mittwoch vor Gericht, am Abend des 13. Dezember 2015 jede Menge Alkohol, vor allem Whiskey, getrunken zu haben. Der 30-Jährige berichtete zudem von jeweils „drei Streifen Kokain“, die man geschnupft habe. Für mehr „Koks“ habe man kein Geld gehabt. Der 20-Jährige verneinte jeglichen Rauschgiftkonsum. Wer dann die Idee mit dem Überfall auf die Spielothek „Fiddlers Green“, in der sie schon früher als Gäste waren, hatte – darüber gingen die Aussagen ebenfalls auseinander. Die Männer belasteten sich gegenseitig.

Laut Anklage von Staatsanwalt Christopher Lang steckte der 30-Jährige in der Wohnung seiner Freundin eine weiße Kindermaske und eine Pistole ein. Wie gemeinsam geplant, ging der 20-Jährige gemäß Anklage zunächst gegen 2.38 Uhr in das Casino, um die Lage zu erkunden. Er spielte kurz an einem Automaten und bestellte zwei Bier zum Mitnehmen. Fünf Minuten später verließ er das Lokal und informierte den 30-Jährigen, lediglich zwei Frauen seien in der Spielothek.

Gegen 2.48 Uhr vermummte sich der 30-Jährige mit der Kindermaske und betrat die Spielhalle. Folgt man dem Staatsanwalt, hielt der Täter im Eingangsbereich einer der Frauen die Pistole an die Schläfe und warf sie zu Boden. Der 30-Jährige forderte Geld von der Bedienung und drückte der anderen Frau, Gast in der Spielhalle, wieder die Waffe gegen den Kopf, dieses Mal ins Genick. Daraufhin warf die Angestellte ihren Bedienungsgeldbeutel mit etwa 194 Euro Bargeld über die Theke. Der 30-Jährige flüchtete durch den Haupteingang – in die Richtung, in die sich der 20-Jährige schon vorher entfernt hatte. In der Wohnung erhielt der Jüngere 50 Euro von der Beute. Den Rest kassierte nach Überzeugung des Anklägers der ältere Täter. In einigen Punkten widersprachen sich die Angeklagten gestern. Den Kern der Anklage räumten sie ein.

Der Sachbearbeiter der Kripo Mühldorf informierte über Aufzeichnungen von Videokameras in und vor dem Lokal. Zu sehen sei auch der 20-jährige Ausspäher an einem Spielautomaten, später bei einem Schwätzchen mit den Damen.

Die Frauen hätten die Polizei angerufen, der Kriminaldauerdienst Traunstein sei angerückt, die Kripo Mühldorf eingeschaltet worden. Der ganze Überfall habe gerade mal 20 Sekunden gedauert. Aufwändige Ermittlungen hätten letztlich auf die Spur der Angeklagten geführt. Ein Jahr nach dem Überfall wurden beide Tatverdächtigen in Altötting beziehungsweise in Ulm vorläufig festgenommen.

Der 20-Jährige, so der Kriminaloberkommissar weiter, habe zunächst eine andere Geschichte geliefert. So wollte er den vor der Spielhalle wartenden Komplizen nicht gekannt haben. Er korrigierte die Aussage jedoch und schilderte den Tatablauf, der schließlich Basis der Anklageschrift wurde. Bei den überfallenen Frauen hat er sich zwischenzeitlich entschuldigt. Gegen Auflagen wurde sein Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Der 30-Jährige blieb bis dato in Untersuchungshaft. Einige Details konnte die Kripo Mühldorf bei ihren Ermittlungen nicht klären, etwa Art und Verbleib der schwarzen Waffe. Sie wurde nach Aussage des 20-Jährigen zerstört, die Teile von einem Balkon geworfen. Der 30-Jährige wollte die „Gaspistole, wie man sie an Silvester verwendet“, in einen Kanal zwischen Alt- und Neuötting geworfen haben.

In dem Casino war damals eine 53-jährige Frau aus Neuötting zu Gast. Sie sah den 20-jährigen Angeklagten an der Bar sitzen. Kurz nachdem er weg war, befand sie sich am Eingang, um eine Zigarette zu rauchen und unterhielt sich mit der Bedienung, die am Tresen war. Plötzlich stand ein Maskierter vor ihr. Ob er „hinlegen“ zu ihr sagte, wusste die Zeugin gestern nicht mehr. Sie spürte damals etwas am Kopf, ging zu Boden und merkte etwas am Nacken. Ein „schepperndes Geräusch“ stammte wohl von dem auf die Theke geschleuderten Geldbeutel. Hinterher – die Kellnerin hatte schon gesagt „Die sind jetzt weg.“ - blieb die 53-Jährige vorsichtshalber noch einige Zeit am Boden gekauert. Hinsichtlich Alkohol fiel der Frau bei beiden Männern nichts Besonderes auf, wie sie gestern betonte. Körperlich passierte ihr nichts bei dem Überfall.

Die psychischen Folgen waren nicht schwerwiegend, halten aber bis heute an: „Ich gehe nachts nicht mehr allein aus.“ Im Alltag komme sie klar, bestätigte sie die Frage des Vorsitzenden Richters. Der 20-Jährige bat um Entschuldigung: „Es ist schwer zu verzeihen. Es war Scheiße.“ Ähnlich reuig äußerte sich der 30-Jährige. „Was soll ich dazu sagen? Ich weiß nicht, ob sie es nochmal machen“, reagierte die 53-Jährige. Dazu der Vorsitzende Richter: „Sie müssen eine Entschuldigung nicht annehmen.“ Die Zeugin erwiderte: „Es passt schon.“ 


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