04.07.2011, 11:55 Uhr

Kaufmann (64) steht als Kunstfälscher vor Gericht „Falschen” Picasso für Millionen angeboten

28 Original-Kunstwerke von Malern wie Picasso, Dali, Gauguin und anderen bot ein Kaufmann aus Riedering Interessierten für rund 2,4 Millionen Euro an. Laut Gutachtern waren sie alle falsch. Jetzt hat das geplatzte Geschäft ein Nachspiel vor Gericht.

TRAUNSTEIN/RIEDERING Für drei Jahre hinter Gitter schickte das Schöffengericht Rosenheim vor etwa einem Jahr den inzwischen 64 Jahre alten Kaufmann Simon F. aus Riedering - weil er Kunstfälschungen als Originale mit Millionenwert offeriert haben sollte. Das Gericht sprach den Kunstsammler aus dem Landkreis Rosenheim, der sich auch als Kunsthändler betätigte, nach mehr als 20 Verhandlungstagen wegen versuchten Betrugs in fünf Fällen sowie wegen dreifacher Urkundenfälschung schuldig.

Ab Freitag dieser Woche muss die Siebte Strafkammer am Landgericht Traunstein den spektakulären Berufungsfall gänzlich von vorne aufrollen. Bislang hat Vorsitzender Richter Volker Ziegler bis Mitte September 16 Prozesstermine terminiert. Ob sie ausreichen, ist offen. Die Kunstwelt europaweit interessierte sich für den Prozess, der sich vor dem Amtsgericht Rosenheim mehr als ein Jahr hinzog. Der Grund: Eines der 28 Bilder aus dem Fundus des Angeklagten sollte nach Spekulationen eines Experten möglicherweise ein echter Picasso sein.

Maya Picasso, die Tochter des Maler-Genies,  ordnete das Bild jedoch im Laufe der Verhandlung als Fälschung ein. Die in Paris lebende 75-Jährige versagte das Echtheitsprädikat - wegen Stil- und Motivfehlern. Gleichzeitig stellte ein Papiersachverständiger fest, dass das besagte Blatt synthetische Stoffe beinhaltete, die zum angegebenen Entstehungsdatum noch nicht üblich waren. Darüber hinaus waren die angewendeten Fertigungstechniken für das Papier noch nicht verfügbar. Insgesamt 14 Sachverständige, zum Beispiel aus Hamburg, Genf, Paris und Wien, lieferten dem Schöffengericht die notwendigen, durchwegs negativen Expertisen, die zu der Verurteilung des mutmaßlichen Hochstaplers führten.

Das Gericht gelangte zu dem Ergebnis, der Angeklagte habe die insgesamt 28 „Originale“ – auch von Gauguin, Chagall, Matisse, Dali, Schiele, Picasso, Rodin und Manet – in betrügerischer Absicht verkaufen wollen. Sämtliche Bilder, Statuen und Expertisen sollten eingezogen werden.

Die fünf Tatkomplexe umfassende Anklage der Staatsanwaltschaft geht von angestrebten Kunstgeschäften in Millionenumfang aus, beginnend im Jahr 2003 mit einem vorgeblichen Gauguin-Selbstportrait von 1886, das nicht unter 15 Millionen Euro wert sein sollte. Gegenstand der Straftaten sollen verschiedene, Millionen Euro teure Kunstgegenstände gewesen sein – von Skulpturen bis zu Tuschezeichnungen, von Gouachen bis zu Gemälden in Mischtechniken.

Dass die „Kunst“ nicht in Liebhaberkreise gelangte, daran hatte ein verdeckter Ermittler der Kripo wesentlichen Anteil. Er trat im Juni 2008 als Scheinkäufer für Kunstwerke mit einem Finanzumfang von 2,41 Millionen Euro auf. Tatsächlich sollen die „Originale“ lediglich ein paar Hundert Euro wert gewesen sein. Der 64-Jährige wanderte wenige Wochen später in Untersuchungshaft.


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