13.03.2017, 14:14 Uhr

Prof. Dr. Klaus Meisel hielt launige Festrede: Die vhs-Traunstein feierte ihr 70. Jubiläum

Foto: Günter ButhkeFoto: Günter Buthke

Mit einem glanzvollen Festabend, der von „Bob Sattle & Hot Hoagascht“ musikalisch gestaltet wurde, feierte die Volkshochschule (vhs) Traunstein ihr 70-jähriges Bestehen. Festredner war Prof. Dr. Klaus Meisel, Vorsitzender des bayerisches Volkshochschulverbands.

TRAUNSTEIN In seinem launigen Vortrag machte er eindrucksvoll deutlich, wie viel und wie sehr die Gesellschaft die Volkshochschulen braucht.

Früher sei das lebenslange Lernen nur eine Thema von Sonntagsreden gewesen, meinte Meisel. Inzwischen hätten die Menschen aber verstanden, dass sie ohne lebenslanges Lernen den Anschluss verlören. Deshalb brauche man öffentliche Bildungseinrichtungen für die Erwachsenenbildung, die dezentral zugänglich seien und auch nicht renditeorientierte Themen aufgriffen. Die 200 Volkshochschule in Bayern erreichten rund drei Millionen Menschen.

Im öffentlichen Diskurs haben der Begriff „Volkshochschule“ sehr oft etwas Despektierliches, obwohl die Volkshochschulen bei allen Qualitätsuntersuchungen der Stiftung Warentest sehr gut abschnitten. So seien die Volkshochschulen etwa die größten Sprachschulen der Republik und trügen damit zur Weltoffenheit bei. Ebenso könne IT-Kompetenz erworben werden. Meisel nannte dies ein gigantisches Wirtschaftsförderungsprogramm. Als weiteren Gesichtspunkt zählte er die präventive Gesundheitsbildung auf.

Durch die demografische Entwicklung stünden die Volkshochschulen vor einer großen Herausforderung. Das Altersbild habe sich nämlich geändert. Das Leben nach der Erwerbstätigkeit seien heute Jahrzehnte voller Gesundheit und Teilhabe. Die vhs-Traunstein sei auch in der berufliches Bildung etabliert. Ferner leiste sie Integrationsarbeit nach innen und außen. Deutschland brauche einen positiven Einwanderungssaldo von rund 500 000 Menschen im Jahr. Die Integrationsarbeit sei daher eine Daueraufgabe. In der Bayerischen Verfassung hätten die Volkshochschule Verfassungsrang als demokratiefördernde Einrichtung. Einrichtungen, die für alle da seien. Solche Orte müsse man gemeinsam stärken.

Der Vorsitzende der vhs-Traunstein, Altoberbürgermeister Fritz Stahl, erklärte, die vhs-Traunstein wolle mit diesem Abend dreierlei: bei der Stadt Traunstein und allen Gemeinden danke sagen, allen Mitarbeitern ein Treffen und Kennenlernen bieten sowie die Bedeutung der Jugend- und Erwachsenenbildung herausstellen und dafür werben. Seit 1947 ergänze die vhs-Traunstein nicht nur die Arbeit der Schulen. Sie fördere die berufliche und persönliche Bildung, biete Gemeinschaft und lasse Kreativität wachsen. Aber dies sei nicht alles, denn Bildung solle insbesondere auch die Persönlichkeit stärken und Lebensfreude fördern.

Die vhs-Traunstein erfahre von der Stadt, den Gemeinden und vom Staat Unterstützung, sonst könnte Bildung für alle so nicht angeboten werden. Stahl dankte allen, die in den vergangenen sieben Jahrzehnten für die vhs-Traunstein gearbeitet sowie ihr Sympathie, Achtung und Wohlwollen entgegen gebracht haben. Nur so habe sie die Aufgabe bewältigen können.

Der Mensch sei nie zu alt, um zu lernen, meinte Oberbürgermeister Christian Kegel. Möglichkeiten für lebenslanges Lernen, zur persönlichen Weiterentwicklung und zur sinnvollen Freizeitgestaltung zu bieten, das sei Aufgabe der Volkshochschulen. Als eine von insgesamt 30 Bildungseinrichtungen sei die vhs-Traunstein von besonderer Bedeutung für die Große Kreisstadt. Sie ergänze nämlich das Bildungsangebot um ein umfangreiches und vielfältiges Kursangebot, das auf die Bedürfnisse und Anforderungen von Erwachsenen ausgerichtet sei. Die vhs-Traunstein habe sich in 70 Jahren zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Als die vhs-Traunstein 1947 ihr erstes Kursprogramm veröffentlicht habe, seien 34 Angebote zur Auswahl gestanden. Heute seien es über 800 Kurse und Seminare.

Die Bedeutung der vhs-Traunstein machte Kegel an ihrem Standort fest. Seit 1997 habe sie direkt neben dem Rathaus ihre Heimat. 2012 sei sie um eine repräsentatives, rund 600 Quadratmeter großes Seminarzentrum mit modernen Büro-, EDV- und Seminarräumen erweitert worden. Die vhs-Traunstein mit ihren elf Außenstellen sei heute die Anlaufstelle Nummer eins bei der Erwachsenenbildung in Traunstein und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Jahr für Jahr nutzten rund 10 000 Menschen ihre Angebote, bei denen sie immer wider auf aktuelle Entwicklungen und Trends reagiere. Zudem leiste die vhs-Traunstein einen sozial-integrativen Beitrag, etwa durch Integrations- und Sprachförderkurse für Menschen mit Migrationshintergrund und für Flüchtlinge.

Die Stadt Traunstein wisse um die Bedeutung dieser Bildungseinrichtung und fördere sie deshalb nach Kräften. Sie sei in städtischen Immobilien untergebracht und erhalte einen jährliche Zuschuss in beträchtlicher Höhe.

Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte auch der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser. Das Wirken der vhs-Traunstein in den zurück liegenden 70 Jahren habe die Stadt und den Landkreis Traunstein bereichert und uns heute wie selbstverständlich eine Institution gegeben, die aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken sei. Die vhs-Traunstein leiste einen wertvollen Beitrag für die hohe Bildungsqualität im Landkreis. Als Teil eines flächendeckenden und engmaschigen Netzes von Volkshochschulen in ganz Bayern erreiche sie ihre Teilnehmer unmittelbar vor Ort und bilde eine tragende Säule der Erwachsenenbildung. Die vhs-Traunstein mache Bildungsangebote zu Kultur, Gesellschaft, Gesundheit und Sprache.

Käthe Ludwig, die bis 1995 25 Jahre die Geschäftsleitung der vhs-Traunstein inne hatte, blickte auf eine bewegte Zeit zurück. Die Entwicklung der vhs-Traunstein verglich sie bildlich treffend „von der Würtstlbude zum 4-Sterne-Hotel“. Mit der Eröffnung von Außenstellen in Ruhpolding, Reit im Winkel, Fridolfing, Siegsdorf und Grassau weitete die vhs-Traunstein ihre Aktivitäten auf den Landkreis aus. Es gab Lehrgänge zu verschiedenen Berufen. 1976 sei der Kulturbereich hinzu gekommen, so Ludwig. Mit dem Jugendtheater, das zehn Jahre von Jutta Bräutigam geführt wurde, habe man eine Idee verfolgt, die nichts mit der Erwachsenenbildung zu tun gehabt habe. Angebote habe man auch klassisches Ballett und Orphsche musikalische Früherziehung. Mundpropaganda und neues Interessenpotenzial habe die vhs-Traunstein weiter vorwärts gebracht. Mit Günter Scholz als Geschäftsführer habe die vhs-Traunstein ein neues Gesicht bekommen. Aus einer guten Startposition habe er Enormes geleistet. Traunstein könne stolz auf ihre Volkshochschule sein, betonte Ludwig.

Geschäftsführer Scholz erklärte, er habe sich 1995 auf den Aufbau des EDV-Schulungsangebots sowie die interne EDV-Umstellung konzentriert. Der Umzug der vhs-Verwaltung vom Kulturzentrum an den Stadtplatz erfolgte 1999. Die Eingliederungs- und Vermittlungsagentur (EVA) wurde 2006 eröffnet. Seit 2006 ist die vhs-Traunstein eine zertifizierte Bildungseinrichtung.

Nicht nur organisatorisch und räumlich habe sich etwas getan, sagte Scholz. Die klassischen sechs Programmbereiche Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen, Beruf und Grundbildung seien immer auch ein Spielgel aktueller gesellschaftlicher und sozialpolitischer Themen gewesen. Mit der Ausstattung der EDV-Räume konnte die vhs-Traunstein einen wesentlichen Beitrag zur EDV-Grundbildung leisten. Ab1999 wurden Aufträge des damaligen Arbeitsamts, des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Staatsministeriums für Arbeit, Familie und Soziales durchgeführt. Seit 2012 nutzten rund 250 Teilnehmer online-Seminare, durch die die vhs-Traunstein hochwertige Kurse anbieten kann, für die sonst nur in Ballungsräumen genügend Teilnehmer vorhanden wären. Seit 2015 hat die vhs-Traunstein eine Kooperationsvereinbarung mit dem italienischen Bildungsträger „Consorzio per la Formazione, i'Innovazione e la Qualita“ (CFIQ) aus Traunsteins Partnerstadt Pinerolo abgeschlossen. Scholz begrüßte bei der Jubiläumsfeier eine Delegation von auf Italienisch.

Zum Schluss ehrte Scholz langjährige Mitglieder im Gesamtvorstand, Dozenten, Lehrkräfte sowie Mitarbeiter. Aus dem Gesamtvorstand waren dies Dr. Jürgen Eminger, Christiane Giesen und Karl Irber. Die geehrten Dozenten, Lehrkräfte usw. waren Kurt Bauer, Gabriele Fahrner, Peter Frey, Elisabeth Grünaug, Gerlinde Hinterschnaiter, August Koch, Monika Ries, Robert Schmidtmeier, Beate Selig, Reinhild Stiegler, Klaus Weitemeyer, Marianne Wimmer, Hildegard Wernicke, Elisabeth Wülfing, Erika Vitztum und Martina Zecher.


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