13.03.2017, 10:51 Uhr

Bürger entscheiden sich dagegen Keine Einrichtung des Sozialteams in Neufahrn

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Die Pläne der Investorengruppe um Helmut Spanner in Neufahrn sind teilweise durchkreuzt worden. Den geplanten Hauptmieter, eine sozialtherapeutische Einrichtung für psychisch Kranke, hat die Bevölkerung abgelehnt.

NEUFAHRN Die Kontroverse im Dorf ist endgültig beendet: Beim Bürgerentscheid am Sonntag stimmten 61,72 Prozent der Neufahrner Bürgerinnen und Bürger gegen das Sozialteam. 

Das bedeutet zunächst, dass die Sanierung des Neufahrner Bahnhofs wie geplant durchgeführt wird - nur ohne diese besondere Einrichtung für psychisch Kranke. 

In einer Informationsversanstaltung vor dem Bürgerentscheid am 12. Januar hatte Investoren-Sprecher Helmut Spanner bereits angekündigt, "im Falle eines Negativ-Votums der Bevölkerung Plan B in die Tat umzusetzen". 

Das bedeutet voraussichtlich, dass im dann sanierten Gebäude nur Mietwohnungen entstehen werden und ein Kiosk. 

Im Vorfeld des Bürgerentscheids waren die Emotionen im Dorf rund um dieses Thema hochgekocht.  

Die Bevölkerung zeigte sich tief gespalten in Gegner und Befürworter. Auch eine Flugblatt-Aktion vor dem Entscheid sorgt nochmals für Wirbel. 

Nun muss sich das Sozialteam um Geschäftsführer Peter Weiß beim Bezirk Niederbayern um einen neuen Standort bewerben. 

Zum Ergebnis des Bürgerentscheids hat Peter Weiß vom Sozialteam Niederbayern folgende Stellungnahme veröffentlicht:

Mit Bedauern haben wir das Ergebnis des Bürgerentscheids zur Kenntnis genommen. Selbstverständlich akzeptieren wir das Ergebnis und werden deshalb am Bahnhof Neufahrn keine Wohnstätte für psychisch kranke Menschen errichten.

Wir müssen leider feststellen, dass unsere Argumente nicht ausreichend bei den Neufahrner BürgerInnen ankamen. Dabei entsprechen diese den vielfältigen Erfahrungen, die wir und viele andere in der Versorgung psychisch Kranker Tätiger tagtäglich machen. Wir bedauern auch, dass auf Kosten psychisch kranker Menschen Politik gemacht wurde.

Mit Aussagen zur Gefährlichkeit dieser Minderheit, die so nicht der Realität entsprechen, wurde somit ein weiteres Mal zur Stigmatisierung der Betroffenen beigetragen

Wir danken allen, die uns in den letzten Wochen und Monaten unterstützt und Mut zugesprochen haben.

Dieser Dank gilt vor allem unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Nutzerinnen und Nutzern unserer Soziotherapeutischen Einrichtungen, sowie der Investorengruppe von der living3immo GmbH und dem Bezirk Niederbayern.

Außerdem möchten wir uns herzlich bei den Bürgerinnen und Bürgern von Neufahrn bedanken, die in den letzten Wochen auf uns zugekommen sind und sich für die Wohnstätte in ihrer Gemeinde eingesetzt haben.

Dies ist für uns Anlass und Ansporn, uns weiterhin gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und die Stigmatisierung psychisch und suchtkranker Menschen einsetzen. Wir werden weiterhin für eine Gesellschaft eintreten, die von Idee der gegenseitigen Solidarität getragen ist.

Martin Weiß / Peter Weiß

Geschäftsführer – Sozialteam-Niederbayern


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