10.05.2017, 17:11 Uhr

Das Buchner-Haus erzählt Stadtgeschichte Als in Passau der Wein aus der unterirdischen Leitung sprudelte…

Das Haus Stadt Wien nach dem Umbau 1936. Foto: Archiv Franz Hartl (Foto:Schmid)Das Haus Stadt Wien nach dem Umbau 1936. Foto: Archiv Franz Hartl (Foto:Schmid)

Der Abriss-Plan des Buchner-Hauses weckt Erinnerungen an dortige historische Ereignisse - Franz Hartl hat geforscht

PASSAU Schon im August 2016 berichtete die PaWo, dass das Buchner-Haus, das den Passauer Ludwigsplatz dominiert, abgerissen wird und dort in der exponierten City-Lage ein das historische Gebäude aufgreifender Neubau in Abstimmung mit der Stadt Passau errichtet werden soll.

Vor gut einer Woche hat der neue Besitzer des prominenten Gebäudes den Abriss endgültig beschlossen. Dass sich mit dem Abriss und geplanten Neuaufbau des Buchner-Hauses historische Passauer Ereignisse verbinden, zeigt jetzt der Grubweger Hobby-Historiker Franz Hartl auf. Wie er schon beim Abriss der Nibelungenhalle dem Passauer Wahrzeichen in Buchform ein Denkmal setzte, weiß der 84-Jährige auch über das Buchner-Haus historische Ereignisse und persönliche Erlebnisse zu berichten.

Vor allem ältere Passauer werden sich noch erinnern, dass das Buchner-Haus einst „Haus Stadt Wien“ hieß und das dortige „Café Wien“ (heute McDonalds) ab den 1930er Jahren nach einem grundlegenden Umbau ein beliebter Treffpunkt der Passauer Gesellschaft war. „Nach einem Kino-Besuch oder einem Konzert traf man sich dort auf einen Plausch bei einem Glas Wein im oberen Stockwerk des Hauses“, erzählt Franz Hartl. Und speziell zur Faschingszeit wurden im „Café Stadt Wien“ legendäre Kostüm- und Maskenfeste gefeiert.

Die edlen Tropfen dazu – vornehmlich aus Österreich, Ungarn und Südtirol – lieferte die Weinkellerei Brüder Buchner, die im „Haus Stadt Wien“ ansässig war. Was wohl die wenigsten wissen, weiß Franz Hartl: „Der riesige Weinkeller der Firma Gebrüder Buchner mit seinen meterhohen Eichenfässern befand sich neben der Nibelungenhalle unter einer vier Meter dicken Erdschicht.“ Bis in die 1960er Jahre musste der Wein in kleine Fässer gepumpt von diesem Keller zum Abfüllraum im „Haus Stadt Wien“ transportiert werden. Zehn bis 20 Mal täglich fuhr ein Lieferwagen die kurze Strecke über den belebten Ludwigsplatz, um genügend Wein zum Abfüllen herbeizuschaffen.

„Nachdem im Sommer 1966 unter dem Ludwigsplatz städtische Kabel verlegt wurden, hat man auch eine Idee verwirklicht, die man ursprünglich für einen Scherz gehalten hat“, berichtet Franz Hartl: Der Plan für die erste Passauer Weinleitung ließ sich realisieren. Man verlegte ein 300 Meter langes Kunststoffrohr von der Heuwieserstraße unter der Zentralgarage und dem Ludwigsplatz zum „Haus Stadt Wien“. Von da an flossen durch eine sechs Zentimeter dicke, in einen Metallmantel geschützte Kunststoffleitung stündlich 5 000 Liter Wein vom Weinkeller neben der Nibelungenhalle zum Abfüllraum im Buchner-Haus bei der heutigen Diskothek Camera. Gewerblich nutzte das Traditionshaus Brüder Buchner den Weinkeller mit der unterirdischen Leitung noch bis zur Betriebsverlagerung 1969 nach Heining. Der riesige Weinkeller wurde zugeschüttet, ist ein Teil Passauer Geschichte.

Ganz persönliche Erinnerungen verbindet Franz Hartl mit dem Buchner-Weinkeller in der Heuwieserstraße mit dem Ende des 2. Weltkriegs, als im Mai 1945 die US-Panzer auf dem Exerzierplatz standen und die Amerikaner im „Haus Stadt Wien“ das Rote Kreuz einrichteten. Wie viele Passauer war auch der damals 12-jährige Franz Hartl als „Plünderer“ unterwegs. Diese Plünderer suchten auch den Weinkeller heim: Sie schossen Löcher in die großen Eichenfässer, dass der Wein nur so sprudelte und die Kellerräume knöcheltief überflutete.

Franz Hartl war dabei, als sich die Passauer dort bedienten und ihre rasch herbeigeschaffenen Eimer mit Wein und Slibowitz füllten – bis die Amerikaner nach einigen Verhaftungen die kostenlose Zapfstelle dicht machten.

Franz Hartl hatte damals ebenfalls einen Eimer Slibowitz mit nach Hause gebracht. „Die Amis kamen dann oft zu uns auf ein Stamperl“, schmunzelt Franz Hartl heute noch.

Der Papa bekam dafür Zigaretten – der kleine Franz Drops und Kaugummi…


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