04.08.2017, 16:12 Uhr

Wolfssichtung! Es werden immer mehr... Landesamt für Umwelt: Erster Nachweis von Jungwölfen im Bayerischen Wald

Foto: hecke / 123RF Lizenzfreie Bilder (Foto:Schmid)Foto: hecke / 123RF Lizenzfreie Bilder (Foto:Schmid)

Bei der aktuellen routinemäßigen Auswertung einer Fotofalle im Nationalpark Bayerischer Wald wurden drei Jungtiere bestätigt.

BAYERN Die Aufnahme stammt vom 28. Juli. Es handelt sich damit um den ersten Nachweis von Jungwölfen bei freilebenden Tieren in Bayern seit rund 150 Jahren. Die Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern vor Ort wurden informiert. 

Seit 2006 werden in Bayern immer wieder einzelne Wölfe nachgewiesen. Es handelt sich in der Regel um durchziehende Jungtiere, die entweder aus der südwestlichen Alpenpopulation oder nordosteuropäischen Tieflandpopulation stammen. Standorttreue Wölfe, d. h. Wölfe, die länger als ein halbes Jahr in einer Region nachgewiesen werden können, gibt es derzeit im Nationalpark Bayerischer Wald und auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Dort wurde seit Ende 2016 jeweils ein Wolfs-Paar bestätigt.

Grundsätzlich wird Nutztierhaltern in Gebieten mit dauerhafter Wolf-Anwesenheit vorsorglich empfohlen, ihre Tiere wenn möglich in der Nacht einzustallen bzw. die Weidefläche mit Elektrozäunen von mindestens 90 cm Höhe zu schützen. Auch der Einsatz von Herdenschutzhunden kann eine geeignete Vorsorgemaßnahme sein.

Der LBV begrüßt erste bayerische Jungwölfe:

Der LBV begrüßt den Nachweis des ersten Wolfsnachwuchses in Bayern seit rund 150 Jahren. Nachdem im Laufe dieses Jahres bekannt geworden war, dass sich im Freistaat mindestens zwei Wolfspärchen angesiedelt hatten, war es für den LBV nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Jungwölfe gesichtet würden. Nach den gesicherten Erkenntnissen des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) ist dies nun im Bayerischen Wald mit der Hilfe von Wildtierkameras gelungen. Der LBV freut sich über die eigenständige Wiederbesiedelung des Wolfs, denn er gehört zu Bayerns faszinierender Natur. „Doch wir haben auch Verständnis für die Bedenken der Nutztier- und Gatterwildhalter“, so der LBV-Artenschutzreferent Dr. Andreas von Lindeiner. „Deshalb benötigen wir schleunigst ein staatliches Instrument, um wirkungsvolle und auf die jeweilige lokale Situation angepasste Präventionsmaßnahmen fördern zu können.“

Der Nachweis der ersten Jungwölfe ist damit auch der Nachweis eines Rudels und somit einer „etablierten Population mit Reproduktion“. Fachlich ist das die Grundvoraussetzung für die 3. Stufe des Managementplans für den Wolf. „Die Blockadehaltung einiger Nutzerverbände gegen die Weiterentwicklung des bayerischen Wolfsmanagements muss deshalb jetzt enden“, mahnt der LBV- Wolfsexperte. Dazu fordert der LBV eine professionelle und flächendeckende Beratung für Tierhalter durch die Ämter für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten.

Der Wolf genießt in Europa und damit auch in Bayern einen strengen Schutzstatus und ist durch das europäische Naturschutzrecht geschützt. „Jegliche illegalen Nachstellungen werden wie auch beim Luchs streng bestraft“, erklärt von Lindeiner. Der LBV rechnet damit, dass ausgehend vom ersten bayerischen Rudel im Bayerischen Wald in den nächsten Jahren weitere Rudelansiedlungen in angrenzenden Gebieten zu erwarten sind.

Hintergrund zu Wildtiermanagment: Das Wildtiermanagement umfasst alle Maßnahmen und Aktivitäten für den Umgang mit Interessenskonflikten, die durch Wildtiere verursacht sind. Dabei sind die speziellen Ansprüche der Menschen und Wildtiere, die in der Region leben, zu berücksichtigen.


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