04.09.2017, 00:00 Uhr

Wieso wurde die Leiche der jungen Mutter erst so spät gefunden? Erste Details und Zeugenaussagen zur Mordnacht im Fall Dominik R.

Foto: Fuller Elisabeth (Foto:Schmid)Foto: Fuller Elisabeth (Foto:Schmid)

Auch am zweiten Prozesstag am Montag, 4. September, schwieg der Angeklagte Dominik R. zu der Mordnacht im Oktober vergangenen Jahres.

PASSAU Gegen 14.15 Uhr eröffnete Richter Hainzlmayr den 2. Prozesstag und befragte fünf geladene Zeugen im Passauer Landgerichtssaal. Der 23-jährige Tatverdächtige soll seine ehemalige Freundin Lisa H. in der gemeinsamen Wohnung in Freyung brutal niedergestochen haben. Auch am zweiten Prozesstag war der Zuschauerraum rappelvoll. Als Nebenkläger war der Vater von Lisa H. mit den Anwälten der Nebenkläger vor Ort. Doch die Frage, auf die Richter Hainzlmayr immer wieder zu sprechen kam, war: Warum wurde die Leiche der jungen Mutter so lange nicht gefunden?

Dazu waren drei Polizeibeamte aus Freyung zur Zeugenaussage geladen, die das Ganze aus ihrer Sicht schildern sollten. Die besorgte Mutter von Lisa hatte schon mehrmals versucht, Kontakt zu ihrer Tochter aufzunehmen und schickte ihr eine Nachricht über WhatsApp: „Lisa, bitte melde dich dringend.“, woraufhin sie auch am selben Tag noch eine Antwort mit „Ja mache ich dann“ bekam. Ob die Antwort von ihrem Killer verfasst wurde, ist noch unklar.

Nach weiteren Tagen der Ungewissheit verständigte Frau H. in Sorge um ihre geliebte Tochter die Polizei. Die Beamten konnten nur durch gewaltsames Aufbrechen der Tür mit Mutter H. in die Wohnung gelangen. Das erste Mal durchsuchten die Beamten mit der Mutter der Toten die gesamte Wohnung, stellten aber nur einen penetranten Geruch von Katzenstreu fest und verließen die Wohnung wieder, mit der Vermutung, dass Lisa H. sich vielleicht im Urlaub mit Sohn Luca und Dominik R. befand. Doch der war längst auf der Flucht nach Spanien mit dem kleinen Sohnemann im Schlepptau.

Als der Hausmeister am nächsten Tag das neue Schloss anbringen wollte und Lisas Mutter in einer Nische der Abstellkammer neben dem Ofen aufräumte, machte sie den grauenvollen Fund: Ihre tote Tochter in einem blauen Plastiksack, überstreut mit Katzenstreu (was den unangenehmen Geruch erklärte – Strategie des Täters? Anm. d. Red.). Sofort alarmierte sie die Polizei Freyung, die zur Hilfe eilte. Ein Beamter sagte aus: „Ich habe die Mutter auf der Treppe hysterisch schreiend aufgefunden und bin sofort in die Wohnung. Hinter den Kartonagen, die wir am Vortag auch gesehen hatten, aber nichts dahinter vermutet haben, sah ich den blauen Sack. Ich zog ihn heraus und riss einen Spalt auf und sah die Hand der Getöteten.“ Ein Bild, das sich auch in das Gedächtnis des sichtlich mitgenommenen Beamten einbrannte. "Es ging mir durch und durch“, erinnerte sich eine Polizeibeamtin, die am Tatort war.

Makabere Tattoos an Wade und Oberarm

Neben dem Hausmeister, der beim Leichenfund dabei war, wurde auch eine Tätowiererin von Dominik R. befragt. Fragen um ein Tattoo an Dominiks Wade, auf dem „Die Wahrheit schweigt, wenn der PARA spricht“, das die Passauer Tätowiererin dem 23-Jährigen machte, und andere Tattoos, auf denen: „Fick den Richter“ und „Nur Gott kann mich richten“, die aber nicht von ihr waren, wurden gezeigt.

Außerdem wurde bekannt, dass Dominik R. die gemeinsame Waschmaschine und den Trockner einige Tage nach dem vermeintlichen Tod von Lisa H. verkaufte. Der Käufer war ebenfalls im Zeugenstand und sagte aus, dass der Angeklagte ihm erzählte, dass er nach Berlin ziehen wolle, weil er sich in der Trennung mit seiner Freundin Lisa H. befinde.

Rätsel über Rätsel, wie der Anwalt der Nebenkläger Armin Dersch sagt: „Natürlich war der zweite Prozesstag aufschlussreich, da erste Details zum Paar Lisa H. und Dominik R. bekannt wurden. Dennoch stellen wir uns die Frage, ob der Angeklagte wohl die Tat so gut geplant hatte und mit einem wahnsinnigen Kalkül handelte. Er lebte wohl vermutlich noch einige Tage mit Sohn Luca in der Wohnung, in der Mama Lisa tot im Plastiksack lag. Die Tatsache mit dem Verkauf der Waschmaschine und des Trockners erklären wir uns wohl so, dass Dominik R. sich Geld für seine Flucht beschaffen wollte, können das aber natürlich noch nicht beweisen.“ Schon öfter hätten wohl Nachbarn über Lärmbelästigungen aufgrund von Streit geklagt, aber Dominik R. kam allen „ganz normal und höflich vor“.

An diesem Prozesstag wirkte auch der Angeklagte emotionaler als beim Prozessauftakt. Er war sichtlich errötet und wirkte beteiligter. Nächsten Freitag, 15. September, ist nun der nächste Prozesstag vor der Großen Strafkammer im Passauer Landgericht angesetzt. Nächstes Mal, so Anwältin der Nebenklage Petra Hödl, sollen wohl Sachverständige sowie die Kripo und der Kriminaldauerdienst vor Gericht aussagen. Da das gesamte Umfeld von Dominik R. schweigt, muss das Gericht nun die zeitliche Abfolge, den Sachverhalt und den Charakter von Dominik R. Stück für Stück aufbröseln und ermitteln.

Mehr zum Mord im Fall Dominik R. lesen Sie online unter: http://www.wochenblatt.de/Tote-Freyung./


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