10.03.2017, 17:14 Uhr

Neugestaltung Nach der Flut: Städteplaner stellen Ideen vor

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Die Experten stellten im Lokschuppen die verschiedenen Varianten und Möglichkeiten für eine Neugestaltung Simbachs vor.

SIMBACH AM INN Nach der Jahrtausendflut am 1. Juni 2016 hat sich das Stadtbild von Simbach radikal verändert. Große Teile der Stadt versanken an diesem Tag in den Fluten, rund 1000 Personen verloren innerhalb von wenigen Minuten ihr ganzes Hab und Gut. Zudem gab es in der Innstadt fünf Todesopfer zu beklagen. Kürzlich fand nun im Lokschuppen unter der Leitungen von Städteplaner Erwin Wenzl aus Passau ein Infoabend unter dem Titel "Städtereparatur - Teilhabe und Wertschöpfung" statt. Ziel des Abends war die Präsentation seiner Arbeit zusammen mit Landschafts- und Verkehrsplaner.

Letztlich handelte es sich aber nur um Vorschläge, Arbeitsgrundlagen und Überlegungen, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden und um keine endgültigen Planungen. "Am Ende soll ein Ergebnis herauskommen, mit dem wir alle sehr gut leben und das uns künftig vor dem Hochwasser schützen soll", betonte Bürgermeister Klaus Schmid. Hier gab Schmid schon mal die Richtung vor. Demnach sollen die Maßnahmen zum Hochwasserschutz einem hundertjährigen Hochwasser plus dem Faktor x künftig standhalten.

In erster Linie müssen nun laut Wenzl jetzt nicht nur die Häuser wieder aufgebaut werden, sondern im Zuge dieser Maßnahmen auch eine Koordination mit Verkehrsplanern, Wirtschaftsgeografen und Landschaftsplanern erfolgen. Als einmalige Chance sich neu aufzustellen bezeichnete Landschaftarchitektin Andrea Gebhard die jetzige Situation in der Innstadt. "Demnach könnte man jetzt in Simbach eine grüne Mitte mit großen Freiräumen und Retentionräume für das Wasser erfinden", erklärte sie. Durch das gesamte Stadtgebiet würden sich dann verschiedene Landschaftsparks und Bachlandschaften ziehen, der durch einen Rad- und Fußweg zu erreichen wären. Angesprochen wurde hier auch der Verkehr in die Nachbarstadt Braunau. Hier wäre ein eigener Sicherheitsbereich für Fußgänger und Radfahrer auch Bestandteil der Diskussion, über den dieses Gebiet zu erreichen wäre.

Ausgearbeitet wurden bereits vier Varianten, wie künftig der Verkehr durch die Innstadt fließen könnte. Als Zielvorgabe galten bei allen Varianten die gute städtische Verbindung zwischen West und Ost und ein maximaler Durchlass des Simbachs. Veranschaulicht wurden nun verschiedene Einbahnlösungen auf der Inn- und Bachstraße, allerdings auch radikale Lösung. So wäre etwa die Innstraße am Ende nach den Umbaumaßnahmen nur noch für den Zielverkehr befahrbar. "Damit würde man eine deutliche Aufwertung für die Fußgänger und Radfahrer schaffen", erklärte Wenzl. Allerdings würde hier die Bachstraße dann mit wesentlich mehr Verkehr belastet werden.

Wie in Zukunft der Verkehr in Simbach fließen könnte und welche Kontenpunkte, Ampelanlagen und Kreisanlangen sinnvoll wären, erläuterte Verkehrsplaner Ulrich Glöckl aus München. "Hierzu werden Ende März Anlagen zur Verkehrszählung aufgestellt, damit wir wissen woher der Verkehr kommt und wohin er geht" so Glöckl. Nach der letzten Verkehrszählung aus dem Jahr 2010 passierten rund 16.000 Fahrzeuge die Innstraße. Erst wenn die diese Zahlen vorliegen, werde man detailliert an die Arbeit gehen und nach Lösungsvorschlägen suchen.

Professor Dr. Werner Gamerith von der Uni Passau erläuterte die bauliche Nutzung und die neuen Möglichkeiten, die entstandenen Wunden in der Stadt sinnvoll zu schließen. Hierbei werde man einen besonderen Blick auf den Einzelhandel und das Gewerbe werfen. Als Ziel nannte Gamerith eine Wiederbelebung der öffentlichen Plätze und eine Stärkung des Stadtraums. Hierzu sollen in den nächsten Monaten Interviews mit den Eigentümern, Vermietern und Mietern der Innstraße geführt werden. Die Ergebnisse sollen im Herbst dann vorgelegt werden.

Gefragt sind aber auch die Meinungen und Ideen der Simbacher Bürger, die am Ende in die Entscheidungen der Fachleute mit einfließen sollen. Aus diesem Grund gibt es Workshops, in denen sich die Interessenten für eine neues Simbach einbringen können, so Wenzl. Los gehen soll es im Mai. Wer Interesse hat, kann sich bei der Stadtverwaltung unter Tel. 08571/606-11 bei Marianne Huber oder im Bauamt unter Tel. 08571/606-50 anmelden.


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