13.03.2017, 00:00 Uhr

Schul-Vortrag Richtiges Schreiben muss gelernt werden

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Ein Arbeitskreis organisierte an der Grundschule eine Veranstaltung über richtiges Schreiben.

PFARRKIRCHEN Warum gelingt immer mehr Kindern der Schreibvorgang nicht mehr? Die Thematik beschäftigt sowohl Kindergärten als auch Grundschulen im Landkreis Rottal-Inn. Um diese Frage klären zu können, wurde Stephanie Müller, Kunst- und Mediapädagogin und eine erfahrene Referentin im Bereich der Sprachentwicklung, in die Grundschule Pfarrkirchen eingeladen.

Organisator der Veranstaltung war der Arbeitskreis „Kooperation Kindertagesstätten/Grundschulen“ im Landkreis unter der Federführung von Monika Gemander, Kooperationsbeauftragte des Staatlichen Schulamtes Rottal-Inn und Sabine Hirler, Fachpädagogin vom Landratsamt Rottal-Inn.

Begrüßt wurden die rund 60 Teilnehmer, darunter Lehrkräfte von Grundschulen sowie Erzieherinnen von Kindertageseinrichtungen, von Monika Gemander, die zu Beginn auf das Thema einstimmte: „Warum tun sich Kinder in der Grundschule immer schwerer, das Schreiben zu lernen?“ Die Handschrift ist laut Müller eine hochkomplexe Thematik der Feinmotorik des Menschen. Es ist mittlerweile neurophysiologisch nachgewiesen, dass die feinmotorischen Verknüpfungen in Gehirn die Basis für kognitives Lernen sind. „Schreiben fängt nicht erst am ersten Schultag an.“, gibt die Referentin klar zu verstehen.

Stephanie Müller hat eigens eine Studie durchgeführt um herauszufinden, ob Lehrer in den Klassen überhaupt Kinder haben, die mit einer falschen Stifthaltung zu kämpfen haben. Das Ergebnis ist alarmierend: 68% der Eingangsstufenschüler hatten nicht die korrekte Stifthaltung, Tendenz steigend. Im Fortgang erklärte Müller, was eine „richtige“ Stifthaltung auszeichne. Der „Dreifingergriff“ mit Daumen und Zeigefinger am Stift, die anderen drei Finger als Unterlage ist die ergonomisch sinnvollste Form, einen Stift zu halten. Aber auch zum Schleifenbinden, Knöpfe und Flaschen öffnen und schließen, zum Umblättern von Büchern, Zeitungen etc. ist der Dreifingergriff notwendig.

Dabei weist sie ausdrücklich darauf hin, dass Schreiben eine Kulturtechnik sei und weder angeboren noch evolutionär vorgegeben ist. „Die Schriftsprache ist erst seit ca. 200 Jahren in der Fläche verankert und auch heute ist es teilweise noch ein Privileg, Schreiben lernen und lehren zu dürfen.“ Somit steht fest, dass der Dreifingergriff sich nicht automatisch entwickelt, sondern gelernt und trainiert werden muss. „Die Hauptpflicht liegt bei den Eltern“, stellt Müller klar, trotzdem müssen auch Erzieherinnen und Erzieher darauf achten, dass Kinder spätestens mit vier Jahren mit Übungen beginnen müssen.

„Eine Hand hat ca. 39 Muskeln und 36 Gelenke“, so die Fachreferentin, deshalb sind motorische Übungen im Unterricht zum Trainieren der Muskeln sehr wichtig und schon im Vorschulbereich essentiell. Ein Kind müsste zu Beginn der Grundschule eigentlich motorisch ausgereift sein. Kinder, die motorisch auffällig sind, haben oft auch sprachliche Defizite, was den Zusammenhang zwischen Ergotherapie und Logotherapie erklärt. Und noch eine wichtige Erkenntnis gab Müller den Teilnehmern mit auf den Weg: „ Wer schreiben kann, kann auch lesen – wer lesen kann, der kann noch lange nicht schreiben.“

Eine Antwort gab es auch auf die Frage, ob in Zeiten der Digitalisierung Handschrift überhaupt noch notwendig ist. „Ob ein Kind mit dem Stift oder einem Touch-Pen auf einem Tablet schreibt, macht keinen Unterschied, aber das Tippen auf einer Tastatur verhindert das Abspeichern der feinmotorischen Bewegungen und mindert somit die Merkleistung des Gehirns.“, so Müller:

„Bis Ende Grundschule heißt es daher Schreiben lernen mit der Hand.“ Grundsätzlich steht Stephanie Müller der Digitalisierung aber positiv gegenüber, auch im Einsatz mit Kindern und Jugendlichen. „Digitale Medien ja, aber die Dosis ist wichtig.“

Die Rückmeldungen der Teilnehmer auf den sehr kurzweiligen Vortrag waren durchwegs sehr positiv. Frau Müller endete ihren Vortrag mit den Worten: „Bildung muss Basis haben, nicht nur kognitives Wissen“.


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