10.08.2015, 08:50 Uhr

Treffen Landrätin und OB hören sich Sorgen und Nöte der Alleinerziehenden an

Foto: Scheiner/DiakonieFoto: Scheiner/Diakonie

Die "Butter von der Brezn" haben sich weder Landrätin Tanja Schweiger noch Oberbürgermeister Joachim Wolbergs nehmen lassen. Bei einem Frühstücksgespräch der Beratungsstelle für allein erziehende Mütter und Väter im Garten des Wiener-Hauses griffen die beiden "Oberhäupter" trotz morgendlicher Hitze zu dem appetitlichen Laugengebäck.

REGENSBURG Nach der Begrüßung ermunterte Beraterin Agnes Sitzberger die etwa dreißig Besucherinnen zu sagen, "wo der Schuh drückt" und "was die 'Häuptlinge' unbedingt wissen sollten". Warum der neu eingeführte Stadtpass für ärmere Leute nicht für Landkreisbewohner gelte, fragte eine Alleinerziehende und eine andere verwies erbost darauf, dass ihr von einer Wohnungsgenossenschaft leerstehende Wohnungen verschwiegen worden seien. Alleinerziehende seien "grundsätzlich benachteiligt", meinte eine Mutter. Ihre Kinder wollten sich durch Zeitungsaustragen Geld für den Führerschein ansparen. Der Verdienst der Kinder aber "wird aufs Wohngeld angerechnet und ihnen damit wieder genommen", empörte sie sich.

Es sei "unmöglich", stimmten Wolbergs und Schweiger zu, dass ein eigener Zuverdienst von Kindern, die noch nicht volljährig sind, „gleich wieder gekappt“ werde. Allerdings, bedauerten beide Politiker, sei das Angelegenheit des Bundes und die Kommunen müssten lediglich das Gesetz ausführen. Eine Regelung wie der Stadtpass, nahm Schweiger die Frage nach dessen Geltungsbereich auf, sei "bei mir im Amt im Gespräch". Allerdings sei es im Landkreis schwierig, weil das "normalerweise zu den Aufgaben der 41 Kommunen im Landkreis gehört", verwies sie auf Zuständigkeiten.

Bei weiteren Fragen ging es um Betreuungszeiten in Kindertagesstätten, die sich nicht mit Arbeitszeiten vereinbaren lassen. Eine Fragestellerin verwies mit Blick "auf Schichtarbeit und ungünstige Arbeitszeiten, wie bei einer Bäckerin", auf das Modellprojekt einer Berliner Kindertagesstätte, die 24 Stunden geöffnet sei. Darüber könne man nachdenken, meinte OB Wolbergs und Schweiger stimmte vorsichtig zu. "Das müsste dann aber in der Stadt angesiedelt sein", meinte sie und nannte als Alternativen die Tagesmütter. Da gebe es durchaus "welche, wo Kinder auch übernachten können". Kaum ein gutes Haar ließen die kommunalen Spitzenpolitiker an der staatlichen Bildungspolitik. Es "nervt mich wahnsinnig", geriet Schweiger in Rage. Außerhalb der Schulzeit herrsche "Chaos". Da ist "ein großes Loch", stimmte Wolbergs zu. Seit Jahrzehnten würden Ganztagsschulen von der Regierung als Teufelszeug angesehen und Kinder blieben deshalb oft alleine nach der Schule. Die Kommunen würden "diese Defizite des Staates" mit Ferienbetreuung und anderen Angeboten ausgleichen. Das „ist ein Kraftakt, den viele Kommunen leisten“, weiß auch Schweiger um die Problematik. Deutschland habe einen "Nachholbedarf an Ganztagsschulen wie wenige andere europäische Länder", betont Wolbergs mit Nachdruck – "das ist unsere einzige Chance".

Starre Regelungen und unflexibler Umgang mit Arbeitszeiten wurden von Teilnehmerinnen mehrfach als Hindernis genannt, um eine Arbeit annehmen zu können. Da habe man auch in der Stadtverwaltung noch Defizite, bekannte Wolbergs, und versprach besser zu werden. Was das angehe, "sind wir ein abgrundtief kinderunfreundliches Land", erregte sich der Oberbürgermeister, selbst mehrfacher Vater, über steuerliche Nachteile und oftmals fehlende Unterstützung für die besonderen Schwierigkeiten von allein erziehenden Eltern. Eine Gruppe für "Alleinerziehende mit behinderten Kindern" regte eine Mutter bei Sitzberger an, denn diese hätte andere Probleme. "Die Betreuung ist bei Kindern wie meinem optimal geregelt", meinte sie. Nach einer letzten Fragerunde dankte Sitzberger den beiden "Häuptlingen“" mit einem kleinen Geschenk und lud die anwesenden Mütter und Väter ein im kleinen Kreis weiter zu diskutieren.


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