04.01.2017, 10:55 Uhr

Finanzen Der Jahn hofft (noch) auf Tretzel

Das neue Jahn-Stadion Foto: ceDas neue Jahn-Stadion Foto: ce

Der SSV Jahn hofft noch auf Mäzen Volker Tretzel - doch der hat auch aus Wut über die Spendenaffäre einen geplanten Kredit über eine halbe Million Euro zurückgezogen. Ein Schreiben belegt nun, dass es ein neues Stadion ohne ihn nicht gäbe.

REGENSBURG Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch im Fußball. Im Hintergrund gibt es nach Informationen ein Tauziehen zwischen den Verantwortlichen beim SSV Jahn einerseits und den Sport-Mäzen Volker Tretzel. Vor allem die Spendenaffäre bringt den Jahn in finanzielle Bedrängnis.

Nach Informationen des Wochenblattes hatte es Anfang des Jahres ein Gespräch zwischen Tretzel und Sportchef Christian Keller gegeben. Tretzel hatte nach eigenen Angaben ein Darlehen über 500.000 Euro in Aussicht gestellt. Es wurde Schriftform vereinbart. Doch zur Unterzeichnung ist es nie gekommen – die Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft kam dazwischen. Jetzt ist der Jahn in doppelter Bredouille: Einerseits hätte man mit dem Kredit eine ganz andere Positionierung in der Dritten Liga bewerkstelligen können. Andererseits steht ein anderer Kredit im Raum, den Tretzel für die Bandenwerbung gegeben hatte: 300.000 Euro, deren erste Rückzahlungsraten im Oktober fällig gewesen wären. Fordert Tretzel das Geld, wird es für den Jahn ungemütlich. Doch auch wenn es dem Jahn-Präsidenten Hans Rothammer gelungen ist, durch eine Verbreiterung des Sponsorings auf derzeit bis zu 3,5 Millionen den Jahn fast unabhängig zu machen von Tretzel: Der BTT-Chef ist mit mehr als sieben Millionen Euro Stammkapital und 90 Prozent der Anteile des Jahns der größte Finanzier, nach wie vor – auch wenn er diese Anteile wohl nicht mehr verkaufen können wird.

Gleichzeitig rückt die sogenannte Spendenaffäre nun aber auch einen ganz anderen Aspekt in den Mittelpunkt. Denn ein dem Wochenblatt vorliegendes Schreiben Tretzels macht deutlich, dass die Regensburger Kommunalpolitiker insgesamt seit mehr als zehn Jahren auf Tretzel in Sachen Jahn setzen. Ohne ihn würde es wohl das neue Stadion, aber auch den Verein, so, wie er heute dasteht, überhaupt nicht mehr geben. Am 8. Oktober 2010 schreibt Tretzel einen Brief an den damaligen Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Die Sponsorengruppe hatte sich getroffen, mit dabei war neben Hans Seidl und Wolfgang Gural auch Christian Schlegl und Norbert Hartl. „Die erste Stunde verging mit Klagen über die chaotischen Verhältnisse beim Jahn“, berichtete Tretzel Schaidinger. „Herr Schlegl meinte noch, dass der Jahn eine ordentliche kaufmännische Leitung bräuchte. Ich habe eingewandt, dass es nichts zu verwalten gibt, wenn kein Geld da ist (...) Ich habe vorgetragen, dass der Verein solange nicht zu Geld kommt, wie er kein besseres Stadion hat, dass aber kein Politiker risikieren kann, dem Jahn ein Stadion zu bauen, wenn ständig die Insolvenz droht.“ Tretzel legte sodann einen Finanzplan vor. So kam es. Heute spielt der Jahn im neuen Stadion.

„Mir liegt der Jahn am Herzen, ich will ihm nicht schaden“, sagt der langjährige Förderer heute. Gleichzeitig kann er nicht verstehen, wie man nun versucht, ihm aus seinem jahrelangen Engagement einen Strick zu drehen.


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