25.05.2017, 09:24 Uhr

Brotzeit? Unsitte im Biergarten: Gruppe von 30 Leuten kommt mit Kaffee und Kuchen

In nur wenigen Biergärten darf man noch siene eigene Brotzeit mitbringen. Doch eine bayerische Brotzeit besteht nicht aus einer Pizza oder gar einem ganzen Buffet, findet (nicht nur) der Wirt vom Prüfeninger Schlossgarten. Foto: Urheber: kzenon / 123RF Lizenzfreie Bilder (Foto:Schmid)In nur wenigen Biergärten darf man noch siene eigene Brotzeit mitbringen. Doch eine bayerische Brotzeit besteht nicht aus einer Pizza oder gar einem ganzen Buffet, findet (nicht nur) der Wirt vom Prüfeninger Schlossgarten. Foto: Urheber: kzenon / 123RF Lizenzfreie Bilder (Foto:Schmid)

Schlossgarten-Wirt Axel Franke hat echt Berliner Humor – aber das war zuviel: Gäste, die sich auf das Recht der mitgebrachten Brotzeit beriefen, fuhren mit dem Auto in den Biergarten, um ein Buffet aufzubauen.

REGENSBURG Ja, Axel Franke hat wirklich viel Humor. Der aus Berlin stammende Pächter des Schlossgartens in Prüfening ist seit 40 Jahren in der Gastronomie. „Ich habe Koch gelernt, ich lebe das“, sagt Franke zum Wochenblatt. Aber da blieb selbst dem herzlichen Wirt mit liebevoller Berliner Schnauze die Spucke weg: „Am Sonntag kamen welche, die haben unsere Fahrradständer weggetragen“, schildert Franke, noch immer ungläubig, „damit sie mit dem Auto in den Biergarten fahren und dort ihr Buffet aufbauen konnten!“

Das Unfassbare hat den Hintergrund, der eigentlich so lange eine schöne, bayerische Tradition war: Anders als in den meisten Regensburger Biergärten bietet Franke einen separaten Bereich, in dem Gäste ihre Brotzeit mitbringen können. Doch offenbar haben die Gäste am Sonntag da etwas falsch verstanden: „Ich bin da hingegangen und habe ihnen das erklärt – so kann das doch nicht sein!“, meint Franke, noch heute einigermaßen baff über so viel Frechheit.

Doch der Wirt weiß auch: „Als Gastwirt zieht man da immer den Kürzeren.“ Martin Sperger von der zuständigen Brauerei Kneitinger räumt ein, „dass wir das gerne machen, weil es eben in Bayern Tradition ist, dass die Biergarten-Gäste noch ihre Brotzeit mitbringen können.“ Doch langsam erreiche das Ausmaße, dass sich auch Kneitinger überlegen muss, ob das in Zukunft noch ein gangbarer Weg für den Prüfeninger Schlossgarten ist. „Unter einer bayerischen Brotzeit verstehe ich einen Radi und eine Scheibe Brot dazu. Wenn jemand noch einen Schinken drauflegt: Sei‘s drum“, so Sperger. Aber Buffets? Auch Sperger fasst es nicht. Für Wirt Franke ist es oft ein Problem, „wenn ganze Horden anrücken, die ihr Essen selbst dabei haben“. Er könne es verstehen, wenn man zu fünft, vielleicht sogar zu zehnt Rad fährt und dabei etwas mitnimmt. „Aber ich hatte schon Gruppen mit 30 Leuten!“

„Eine Facebook-Party gab es noch nicht hier“

Erlebt hat Franke im Prüfeninger Schlossgarten übrigens schon alles. „Pizzas im Pappkarton, die Kartons blieben natürlich liegen, die konnten wir wegräumen. Ich hatte sogar mal eine Gruppe, die hatte ihren Kuchen und sogar den Kaffee mitgebracht – denen musste ich leider sagen, dass es sich bei Kaffee um ein Getränk und keine Speise handelt“, so Franke.

Beiden, Sperger und Franke, ist deutlich anzumerken, dass es ihnen wirklich um eine liebevolle Tradition geht, die sie beibehalten sollen. „Aber ich stelle auch fest, dass mir die anderen Gäste sauer werden, wenn die merken, dass ganze Gruppen kommen, die sich selbst versorgen und den Biergarten eigentlich nur für ihr Picknick nutzen“, so der Wirt. Andererseits: Eine Erfahrung hatte er noch nicht gemacht. In München haben sich hunderte Leute über Facebook verabredet, um sich gemeinsam im Biergarten zu treffen. Natürlich hatte jeder etwas zu Essen dabei ...


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