12.12.2016, 11:48 Uhr

Fernstudium – ja oder nein?

pixabay.comDas Fernstudium bietet den Vorteil der örtlichen Ungebundenheit. Allerdings sollten Studierende zusätzliche Zeit neben dem Job einplanen. Foto: @ ChellyRika (CC0-Lizenz)pixabay.comDas Fernstudium bietet den Vorteil der örtlichen Ungebundenheit. Allerdings sollten Studierende zusätzliche Zeit neben dem Job einplanen. Foto: @ ChellyRika (CC0-Lizenz)

Studieren stellt heutzutage kein Privileg der Oberklasse dar, insbesondere in Deutschland wurden seit den Bildungsreformen der 1960er-Jahre vielfältige Zugangswege an die Hochschulen eröffnet. Seit Jahren steigen die Erstsemesterzahlen, keine Frage, das Studium stellt im Vergleich zur Berufsausbildung momentan den gesellschaftlichen „Standard“ da.

Nun sind die Wege und die Möglichkeiten innerhalb der Hochschule höchst unterschiedlich – praktisch wurde Hochschulbildung immer stärker zugunsten der Anforderungen verschiedener Studentengruppen organisiert. Einen wesentlichen Grundpfeiler dieses Systems stellt mittlerweile das Fernstudium dar.

In den folgenden Absätzen werden die wesentlichen Charakteristika eines Fernstudiums dargelegt, Pro und Contra verglichen und typische Fragestellungen aus der Praxis behandelt.

Sonderfall: Fernstudium in Deutschland

Studieren ist auf vielfältige Art und Weise möglich, wenngleich das Präsenzstudium den „Regelfall“ in Deutschland darstellt. Diese Organisation des Studiums ist jedoch nicht für jede interessierte Person gleichermaßen geeignet, vor allem Berufstätigen mit dem Ziel der Weiterbildung mangelt es an Partizipationsmöglichkeiten. Gesucht ist also etwas, das im System des Fernstudiums im Grundsatz bereits verankert ist. Im Fernstudium wird ein überwiegender Teil des Studieninhalts durch digitale Prozesse gesteuert, vor allem multimediale Zugangswege sind die Regel. Die Betreuung des Studierenden erfolgt durch speziell hierfür ausgelegte Einsendeaufgaben, die einer Leistungskontrolle entsprechen.

Erforderlich ist es,

  • ausreichend Selbstdisziplin und Eigenkontrolle an den Tag zu legen, um koordiniert zu studieren;
  • seine eigene Arbeitszeit in der Form einzuteilen, dass Beruf und (Teilzeit-)Studium nicht zu kurz kommen;
  • den Kontakt mit Kommilitonen und Dozenten zu halten, um ausreichend Praxisbezug mit einzubringen.

Das Prinzip eines Fernstudiums spricht nicht grundsätzlich gegen ein Erststudium, es setzt in diesem Zuge allerdings eine deutlich sichtbare Selbstdisziplin voraus. Vor allem zu Beginn, in der Eingewöhnungsphase an wissenschaftliche Grundsätze und Arbeitsweisen, ist ein systematisches Arbeiten erforderlich. Tatsächlich kommt ein Fernstudium aber insbesondere als Form des Aufbaustudiums für bereits Berufstätige infrage, überwiegend mit dem Ziel der beruflich orientierten Weiterbildung oder Zusatzqualifikation.

Hinweis: Die Länder, welche im Bereich der Bildung die Kompetenz darstellen, haben teils deutliche Unterschiede in der Regulierung von Hochschulen. Bei Fernhochschulen kommt erschwerend hinzu, dass Lehrinhalte häufig interdisziplinär ausgelegt sind und damit die Vergleichbarkeit mit „normalen“ Studienfächern schwierig bis unmöglich ist. Nähere Auskunft kann die Akkreditierung des Studienfaches geben.

Aufbau und Struktur eines Fernstudiums

Grundsätzlich sei angemerkt, dass die Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen sich von Fernhochschule zu Fernhochschule unterscheiden. Tatsächlich aber nimmt eine jede in schriftlicher Form vorliegende Leistung den Hauptteil des „nachweisbaren“ Studiums ein. Im Folgenden werden die Grundlagen der Studienorganisation dargestellt.

-          Kursinhalte, vor allem Skripte und Literaturverweise, werden in elektronischen Ressourcen abgeheftet. In diesem Punkt gleich vieles der Organisation an Präsenzhochschulen, wenn auch nicht ergänzend, so doch ganzheitlich als Bezugsquelle für sämtliche Studieninhalte.

-          Diskussionen und Frage-Antwort-Runden werden in einer sogenannten „Newsgroup“ geführt. Hier bietet sich eine intensive Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion fachspezifischer Dinge mit anderen Kommilitonen.

-          Hausaufgaben bilden einen wesentlichen Teil der verpflichtenden Studienorganisation. Sie müssen per E-Mail bei dem zuständigen Betreuer eingereicht werden. Zum Teil greift der Betreuer auch aktiv in die Diskussionen ein, die im Rahmen der Newsgroup geführt werden.

-          Je nach Angebot der Fernhochschule ist der Zugang zu Katalogen und Journalen möglich, für welche die Fernhochschule eine Lizenz erworben hat. Notwendig ist dafür ein VPN-Client, womit die eigene IP dem Hochschulnetzwerk zugeordnet wird, worüber dann die Bezugsberechtigung gegenüber Literaturquellen verbunden ist.

-          Prüfungen finden zumeist zu festen Zeiten in Räumen der Fernhochschule statt. Mittlerweile gibt es laut der IUBH auch Möglichkeiten für Online-Klausuren.

Studieren an einer Fernhochschule – Pro und Contra

Wie eingangs erwähnt, erfordert das Studieren im Rahmen eines Fernstudiums ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstdisziplin. Zusammenfassend lässt sich die Thematik am ehesten in Form einer Gegenüberstellung von Pro und Contra behandeln. Einem jeden Studieninteressierten sei empfohlen, einzelne Punkte entsprechend zu gewichten und ernsthaft zu hinterfragen, wie die Prioritäten gesetzt werden können.

Pro Fernstudium

Contra Fernstudium

  • Zeitlich flexibles Studieren möglich, in Ergänzung zu einer Berufstätigkeit oder einem Auslandsaufenthalt.
  • Persönliche Betreuung, wodurch bei ausreichender Disziplin ein hoher Lernerfolg sichergestellt ist.
  • Berufliche Weiterbildung unabhängig vom Arbeitgeber und ganz nach persönlichen Interessen und Präferenzen.
  • Erwerb von Schlüsselqualifikationen, die für einen schnelleren Schritt auf der Karriereleiter erforderlich sind.
  • Hohes Ansehen bei Vorgesetzten, da die Bürde und Belastung eines Fernstudiums für ein gutes Organisationstalent und Selbstmotivation stehen.

  • Je nach Fernhochschule und Ausgestaltung des Fernstudiums fallen unterschiedlich hohe Kosten an. Mit einzurechnen sind vor allem Reise- und Übernachtungskosten, und damit auch Zeitverlust, die für Präsenzprüfungen aufzubringen sind.
  • Viele Dinge lassen sich nur durch eine tiefergehende Beschäftigung mit einem Thema durchdringen. Freizeit nach der Arbeitszeit ist daher selten und kostbar, auch weil ein Fernstudium vergleichsweise lange dauert.
  • Studium in Teilzeit, also Entbehrungen zeitlicher, finanzieller und anderer privater Natur über einen längeren Zeitraum.
  • Eine studentische Sozialisation, die trotz aller Einschränkungen auch immer mit Vorteilen beim Lernprozess verbunden ist, fehlt oder ist stark abhängig vom Einsatz innerhalb des Newsgroups und anderen Plattformen.

Fächer, die im Fernstudium belegt werden können

Zu den klassischen Fächern, die modular aufgebaut sind und im Rahmen eines Fernstudiums studiert werden können, zählen

-          sämtliche Geisteswissenschaften,

-          Lebens- und Humanwissenschaften,

-          interdisziplinäre Verknüpfungen innerhalb dieser Felder,

-          Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,

-          sowie Teile der Gesundheits- und Rechtswissenschaften.

Einschränkungen finden sich bezüglich solcher Fächer, die mit Staatsexamina oder anderen staatlich geregelten Prüfungen abschließen.

Fazit und abschließende Bemerkungen

Ein Fernstudium eignet sich idealerweise für all jene, die im Rahmen eines Aufbaustudiums den Erwerb von Zusatzqualifikationen anstreben. Aufgrund der teils komplexen Studienstruktur ist es oftmals empfehlenswert, private und berufliche Aspekte ausreichend zu bedenken und die Schwierigkeiten eines Teilzeitstudiums offen zu thematisieren. Zudem empfiehlt sich ein Vergleich ausschließlich zertifizierter Fernstudiengänge, was hinsichtlich der späteren Anerkennung der erworbenen (Fern-) Hochschulabschlüsse Relevanz besitzt. Nur so lässt sich das Fernstudium später auch tatsächlich in beruflichen Erfolg umwandeln.


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