13.06.2018, 13:32 Uhr

Vorträge, Ausstellungen 300 Besucher beim 20. Deggendorfer Hygienetag

Referenten und Veranstalter des 20. Deggendorfer Hygienetags. (Foto: Donauisar Klinikum)Referenten und Veranstalter des 20. Deggendorfer Hygienetags. (Foto: Donauisar Klinikum)

Zum bereits 20. Mal hat der Deggendorfer Hygienetag stattgefunden.

DEGGENDORF Der ärztliche Direktor und hygieneverantwortliche Arzt des Donauisar Klinikum Deggendorf-Dingolfing-Landau, Dr. Josef Huber, und die Organisatorin der Veranstaltung, Rita Reimprecht von der Stabsstelle Hygiene, begrüßten knapp 300 Besucher in der Stadthalle Deggendorf. Die Besucher hörten nicht nur hochinteressante Vorträge, sie konnten sich auch bei 18 verschiedenen Industrieausstellern über aktuelle Hygieneprodukte informieren: beispielsweise Hände- und Flächendesinfektionsmittel, Wasserfilter und Sicherheitskanülen.

Nebenwirkungen einer Isolation

Die Krankenhaushygienikerin Claudia Schwarzkopf zeigte anhand von Beispielen unterschiedliche Isolierungsvorgaben auf. Patienten waren bei der Untersuchung befragt worden, wie sie sich während Isolationsmaßnahmen behandelt fühlten. Es wurde verdeutlicht, dass die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes für Isolationen eingehalten werden müssten, Isolierungsmaßnahmen gleichzeitig für Patienten jedoch eine erhebliche Belastung darstellten. Sie könnten u. a. zu Depression, Ängstlichkeit, Aggressivität und Verlust von sozialen Kontakten führen. Eine Hygienefachkraft des Donauisar Klinikum kam auf Bitte der Referentin in kompletter Schutzkleidung (Schutzkittel, Haube und Mundschutz) auf die Bühne. Den Teilnehmern wurde anhand der Demonstration vor Augen geführt, wie schwierig es für den Patienten sei, die Person zu erkennen bzw. einer Berufsgruppe zuzuordnen. Guter Informationsfluss zum Patienten sei bei Isolierungsmaßnahmen also eine wesentliche Voraussetzung.

Mit Bakterien gut alt werden

Im Anschluss referierte Dr. Andreas Schwarzkopf über das Thema „Mikroben und Alter“. Der erfahrene Krankenhaushygieniker und Sachverständige für Krankenhaushygiene sprach über Mikroorganismen im menschlichen Organismus. Der Mensch werde bereits während der Geburt auf natürliche Weise mit Keimen besiedelt. Die verschieden Regionen des menschlichen Körpers weisen eine unterschiedliche physiologische Keimbesiedelung auf und dienen an den entsprechenden Körperregionen dem Schutz des Menschen. Im Verlauf des Menschenlebens veränderten sich die Zusammensetzung und Anzahl der Keime. Alte Menschen bewegten sich seltener, litten häufiger an entzündlichen Erkrankungen und seien häufiger auf Medikamente angewiesen. Abwechslungsreiche Ernährung und probiotische Produkte könnten eine gesunde Darmflora unterstützen, somit das Immunsystem stimulieren und entsprechend die Infektanfälligkeit verringern.

Keime bekämpfen und Zeit sparen

Georg Niederalt, Leiter der pflegerischen Intensivstation am Klinikum der Universität Regensburg, gab einen sehr praxisnahen Einblick in seine Erfahrungen mit präventivem Waschen mit Octenidin. Auf seiner Intensivstation würden Patienten mit diesen Waschhandschuhen auf Basis von antimikrobiellen Inhaltsstoffen gewaschen. Durch diese Maßnahme werde eine deutlich geringere Keimlast erzielt und Infektionen beim Patienten vorgebeugt. Die Maßnahme wird sowohl von Patienten als auch vom Personal sehr gut aufgenommen. Der Zeitaufwand für das Pflegepersonal reduziert sich, da keine Waschschüsseln vor- und nachbereitet werden müssen. Um die Waschung für den Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten, werden die Tücher vor der Anwendung in einem Wärmeschrank erwärmt. Andererseits empfinden im Sommer manche Patienten die Waschung ohne Erwärmung als angenehm kühlend. Mittlerweile wird in vielen Kliniken auf den Intensivstationen die Waschung mit Octenidin durchgeführt, so auch am Donauisar Klinikum Deggendorf.

Silber mehr als Schmuck

„Silber in der Wunde – Schmuck oder doch sinnvoll“? Diese Frage stellte Dr. Matthias Hallhuber in seinem Vortrag und erläuterte den Besuchern im Vorfeld die geschichtlichen Hintergründe zu Silber als Arzneimittel. Bereits in vorchristlicher Zeit seien durch Ärzte silberhaltige Materialien auf Wunden aufgebracht worden. Bei Silber handele es sich um ein Edelmetall, welche zu den Schwermetallen gehört. Silber wird in unterschiedlicher Form angewendet, z. B. als Nanosilber (elementares Silber), als anorganische Verbindung (Silberoxid, Silberchlorid) oder als organischer Komplex (Silberalginat). Silberionen töteten auf verschiedene Weise Bakterien und andere Mikroorganismen ab oder hemmten ihr Wachstum. Allerdings gibt es auch Nachteile und Gegenanzeigen für die Anwendung von Silber in der Wunde, z. B. Silberallergie. Auch von einem Einsatz in der Schwangerschaft werde abgeraten. Außerdem könne es vorübergehend zu Schwarzfärbung der Wunde kommen.

Antibiotika in Theorie und Bakterien mit Humor

Im letzten Vortrag referierte die Krankenhaushygienikerin der Klinik der Universität München, Dr. Beatrice Grabein, zum Thema Antibiotikaresistenz. Antibiotika haben aufgrund zunehmender Multiresistenz mittlerweile ein schlechtes Image. Sie beleuchtete den wissenschaftlichen Hintergrund und wies auch auf den unkritischen Einsatz dieser Medikamente hin. Aus der zunehmenden Resistenzentwicklung müssen dringend geeignete Vermeidungsstrategien abgeleitet werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Besucher mit einem kurzen Sketch überrascht. Die Hygienefachkräfte des Donauisar Klinikums, Milada Zitzelsberger und Daniel Kabisch, waren in die Rolle von Keimen geschlüpft. Dabei trafen sich zwei Bakterien namens Staphylococcus aureus und Escherichia coli. Sie unterhielten sich darüber, wie man am besten am und im Menschen überleben kann und wie man die Medizinfachleute austricksen kann. Schließlich geht es ja ums eigene Bakterienüberleben: Antibiotika darf man da keinesfalls an sich ranlassen. Am besten teilt man sich so oft wie möglich und sorgt so für reichlich eigenen Nachwuchs. Die beiden Keime tauschten rege ihre bisherigen Überlebensstrategien aus und beschlossen, sich von nun an gegenseitig über ihre neue Erfahrungen zu informieren. Anschließend hatten sich die beiden pflichtbewusst geteilt, indem sie ihre Nachkommen in Form von Plüschkeimen im Publikum verteilten.


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