08.11.2019, 12:31 Uhr

Wolfauslasser-Spektakel auf „D‘Kejbruck“


Strenges Sicherheitskonzept.

BODENMAIS Wolfauslasser und Martiniläuter sind in diesen Tagen nicht nur in Rinchnach unterwegs. Nach dem schon weit legendären Treffen in „Klousta“ wird sich am 10. und 11. November der Markt Bodenmais zu einer zweiten Hochburg verwandeln, zu einem Ort eben, in dem verschiedene Gruppen diese Tradition pflegen und erhalten: Dafür stehen die 1. Bodenmaiser Wolfauslasser, die „Heuern“ und die „Hewerler“, mittlerweile sind auch die „Federler“ dazugekommen – und es ist wieder mit lautstarker Unterstützung durch die „Wölfe“ aus dem Zellertal zu rechnen. Höhepunkt des Spektakels ist das große „Zusammenläuten“ der Gruppen am Sonntagabend gegen 22 Uhr auf der Kuhbrücke in Bodenmais. Mehr als 1000 Zuschauer verfolgten in den vergangenen Jahren das Geschehen der meist rund 400 Wolfauslasser. Bereits am Sonntagabend wird auch schon lautstark und peitschenknallend durch Bodenmais marschiert. Und doch wird heuer etwas anders sein: Beim „Zusammenläuten“ am Montagabend auf der „Kejbruck“ herrscht ein großes Sicherheitskonzept vor.

„Es gab eine Sicherheitsbesprechung“, hatte dazu Bürgermeister Joachim Haller bereits auf Anfrage in der Vereinsvertreterversammlung mitgeteilt und fügte an: „Wir müssen das organisatorisch auf die Reihe bringen“. Im letzten Jahr nämlich war das Traditions-Spektakel von einem Polizeieinsatz überschattet, was eine stille Alarmierung der Feuerwehr zu Folge hatte. „Diese Aktion hat die friedliche Brauchtumsveranstaltung gecrashed“, meinte damals Christian Haller von der Wolfauslasser-Gruppe „D`Heuern“. Im vergangenen Jahr hatte bei besagtem „Zusammenläuten“ ein Polizist dem Bürgermeister seine Ängste zum Ausdruck gebracht, die vorrangig auf Absperrmaßnahmen und Organisation der Veranstaltung beruhten. Die Polizei war stets vor Ort, griff aber nie ein. 2018 erstmals: Sie bat die Feuerwehr um Amtshilfe – etliche wolfauslassende Feuerwehrler rückten daher zügig ins Gerätehaus ein, letztlich grundlos! Das diesjährige aufgelegte Sicherheitskonzept beinhaltet unter anderen strenge Absperrmaßnahmen, die Bodenmaiser Einsatzkräfte sollen von Nachbarwehren unterstützt werden.

Sind jetzt die Gruppen fest etabliert, so gründeten die 1. Bodenmaiser Wolfauslasser e. V. schon am 27. September 1979 einen eigenen Verein. „Die Mitglieder haben sich dem Brauchtum verschrieben“, heißt es in den Statuten dieser Gemeinschaft, die sich zu einem ansehnlichen Traditionsverein des Ortes entwickelte. Längst davor waren die „Heuern“ schon in aller Munde. Der bereits verstorbene Siegi Haller hob die Gruppe bereits 1974 mit weiteren Initiatoren aus der Taufe, wie sein Cousin Christian Haller erzählt. Daraus ist im Laufe der Jahre eine starke Gruppe entstanden, die Bodenständigkeit liegt ihnen im Gemüt. Christian Haller ist es in den vergangenen Jahren bestens gelungen, die Gruppen wieder aneinander zu führen, er ist Moto und animiert das ganze Jahr über, diese Tradition zu pflegen. Früher kam es schon des Öfteren zu Raufereien unter den Wolfauslassern, jetzt geht es manierlich zu. Zusammenhalt und Gemeinschaft sind vorrangig. Kein Wolfauslassen in Bodenmais ohne die „Hewerler“ zu vergessen, die mit den „Federlern“ auch eine Säule des Traditionsbewusstseins bilden. Viel Geld wird jährlich aufgewendet, was dem Brauchtum dienlich ist – von allen Gruppen! Das Brauchtum zieht vor allem natürlich Männer, aber auch Burschen, Mädels und selbst Kinder in seinen Bann.

Das Wolfauslassen stammt aus einer Zeit, als die Hirten das Vieh auf den Bergweiden und Wiesen des Bayerischen Waldes von Bären und Wölfen schützen mussten. Das ist der eigentliche Ursprung dieses Brauchtums, das alljährlich Zuschauer aus nah und fern anzieht – und das meistens bei Minusgraden. Außerdem hat der Hirte in zeitlichen Abständen mit der „Goaßl“ geschnalzen, um damit die Raubtiere abzuschrecken. Im Spätherbst wurden die Kühe von den Almen in die heimischen Stallungen ins Tal getrieben. Michael Saller, Vorsitzender der 1. Bodenmaiser Wolfauslasser e. V., führt mit dem Verein die Erinnerung an die „gute alte Zeit“ fort. Er ist froh darüber, dass auch aus den jüngeren Reihen traditionsbewusster Nachwuchs kommt und freut sich auch über die vor einigen Jahren gelungene Initiative seines Bruders Josef Saller, dem „Peterbauern-Joe“, der aus dem Wolfauslasser-Verein heraus eine separate Dreschergruppe ins Leben rief, die sich auch schon einen Namen gemacht hat. Unverzichtbar sind die Auftritte der Wolfauslasser und Goaßlschnalzer und auch den Dreschern bei den Bodenmaiser Heimatabenden geworden. Für Martini 2019 liefen die Vorbereitungen auf vollen Touren, jetzt geht’s in die Endphase. Und alle Beteiligten und Zuschauer dürfen gespannt sein, wenn es aus Hirters Munde am Montag, auf der Bodenmaiser Kuhbrücke wieder heißt: „Buam seid`s olle do?“. In der Martini-Nacht wird dann in den Unterkünften beieinander gesessen, die beim Auftritt schwitzenden Wolfauslasser entlohnt so manche Maß Gerstensaft für den guten Durst und eine schmackhafte Brotzeit für knurrenden Mägen. Eines ist aber dann schon sicher: die Vorfreude auf das Wolfauslassen und Martiniläuten 2020.


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