04.07.2011, 12:25 Uhr

Schweizer Wissenschaftsautor analysiert gesellschaftliche Kontroverse Klimapolitik in der Sackgasse?

Eine auf Wachstum hin orientierte Wirtschaft und eine Verzicht predigende Klimapolitik: Geht das zusammen? Der preisgekrönte Schweizer Wissenschaftsjournalist Marcel Hänggi unterzieht die Zusammenhänge am 12. Juli im Trostberger Postsaal einer kritischen Analyse.

TROSTBERG „Eine wirksame Klimapolitik würde zuallererst bedeuten, dem Wachsen der Standards nicht noch Vorschub zu leisten: keine neuen Straßen, keine größeren Flughäfen, keine neuen Bauzonen.“ Der Züricher Wissenschaftsjournalist und Buchautor Marcel Hänggi analysiert die wissenschaftlichen Grundlagen der Klimapolitik, er diskutiert Sinn und Unsinn von Strategien gegen den Klimawandel, vom Emissionsrechtehandel über Agrartreibstoffe bis zur Umwelttechnik. Dabei kommt er teils auf völlig andere Ergebnisse als Politiker und Wirtschaftslenker. Darüber und über sein Buch „Wir Schwätzer im Treibhaus“ spricht Hänggi am Dienstag, 12. Juli, ab 20 Uhr auf Einladung des Vereins Energie-Wende im Trostberger Postsaal. Der Eintritt ist frei.

„Es ist kein Menschenrecht, winters im T-Shirt in der Wohnung zu sitzen und im Sommer nicht zu schwitzen. Es gibt ein menschenwürdiges Leben ohne Flugreisen und elektrische Wäschetrockner. Und niemand braucht Hundert-und-mehr-PS-Fahrzeuge zum Glücklichsein. Doch unsere Standards steigen: Die Wohnfläche pro Person nimmt zu, die Zahl elektronischer Geräte pro Haushalt steigt, die Arbeitswege werden länger.“ Man könne natürlich moralisierend den Zeigefinger erheben und an die Bürger appellieren, sie sollten sparen. Nur sei das wenig sinnvoll, wenn gleichzeitig gefordert wird, die Wirtschaft müsse wachsen, und solange jemand die Güter und Dienstleistungen, die eine wachsende Wirtschaft hervorbringt, auch konsumieren muss.

Hänggi hat sich die Bemühungen gegen den Klimawandel genau angesehen – und er stellt die Frage: Warum versagt die Klimapolitik? Die ökonomischen Theorien, mit denen sich der bisherige Misserfolg erklären lässt, seien vorhanden. „Sie müssen aber zur Kenntnis genommen werden.“ Schlagworte wie Energieeffizienz, Emissionshandel, erneuerbare Energien zerlegt er fein säuberlich, schält sie aus ihren wohlklingenden Hülsen.

Der 1969 geborene Hänggi wuchs im Züricher Unterland auf und studierte an der Universität Zürich Geschichte und Germanistik. Seit 1996 ist er Journalist, seit 2003 mit Schwerpunkt auf Wissenschaft und wissenschaftsnahen Themen sowie Umwelt und Geschichte. Er schrieb die Bücher „Wir Schwätzer im Treibhaus. Warum Klimapolitik versagt“ und „Ausgepowert. Das Ende des Ölzeitalters als Chance?“.

Hänggi unterrichtet als Gastdozent im Nachdiplomkurs Wissenschaftsjournalismus am Medienausbildungszentrum in Luzern. Von 2006 bis 2010 war er Mitglied im Vorstand des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalismus. 2007 wurde Hänggi für seinen in der „WOZ“ erschienenen Text „Berufsrevolutionär“ mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet.


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