06.12.2011, 14:58 Uhr

„Der Natur ein Stück zurückgeben” Bei Igelmama Gabriele Reisinger überwintern 200 Igel

Reinhard Hauff vom Tierschutzverein in Bad Reichenhall besucht die Igelstation am Mondsee.

BAD REICHENHALL/ST. LORENZ Der erste Igel sitzt auf der Gartenpforte. Es ist natürlich einer aus Metall. Wer dann den Weg durch den verwunschen wirkenden Garten am Fuße der Drachenwand findet und das Haus betritt, ist erst einmal überwältigt. Drei Zimmer sind bis auf den letzten Platz bis oben hin mit Kartons gefüllt, aus denen ein leises Schnarchen, Kratzen und Rascheln ertönt. Die pensionierte Lehrerin Gabriele Reisinger führt in ihrem Haus in St. Lorenz am Mondsee eine Igelstation und im Moment herrscht Hochbetrieb. Über 200 Igel pflegt sie dort im Moment und Rechtsanwalt Reinhard Hauff von der Vorstandschaft des Bad Reichenhaller Tierschutzvereines bringt gerade zwei neue Igel.

Im Gegensatz zu Bayern gilt der Igel in Österreich als gefährdetes Wildtier, weshalb er auf der roten Liste der streng geschützten Tiere steht. Deshalb gibt es die „Igelhilfe Österreich” und die Igelstation von Gabriele Reisinger (www.igelhilfe.at.tc). Zwischen 14 und 17 Stunden täglich ist die 61-Jährige momentan mit der Pflege ihrer Schützlinge beschäftigt. Sie tut dies seit elf Jahren mit großer Leidenschaft, ein Tierarzt unterstützt sie dabei und sie steht in engem Kontakt mit dem Verein „Pro Igel” in Neumünster (www.pro-igel.de).

„Im vergangenen Frühjahr konnte ich der Natur 185 gesunde Igel zurückgeben, das ist für mich das Schönste – schöner als es jede Auszeichnung sein könnte”, sagt sie. Sie hat sogar eine CD mit Igelgeräuschen aufgenommen. Reinhard Hauff ist beeindruckt: „Mir fehlen die Worte, ich bin völlig begeistert und erstaunt über dieses unglaubliche Engagement. Frau Reisinger ist ein Tierfreund, wie man ihn nur selten trifft im Leben.”

Gerade hält die Frau einen besonders kleinen Igel in der Hand. Er wurde vor wenigen Stunden in einem sehr schwachen Zustand bei ihr abgegeben, inzwischen ist er zumindest stabil. „Bei mir wird nicht gestorben”, flüstert sie dem Tier aufmunternd zu und setzt ihn wieder in sein Handtuch-Nest unter die wärmende Lampe. Täglich benötigt sie Berge von Zeitungen für die Igel-Behausungen in den Kartons. Auch alte Handtücher braucht sie jede Menge. Heuer sind es aufgrund des warmen Herbstes besonders viele Igel, die abgegeben werden, berichtet Gabriele Reisinger.

Aber wann muss einem Igel überhaupt geholfen werden? „Verwaiste Igelbabys, verletzte Igel und jene, die noch zu klein für den Winterschlaf sind”, erklärt dazu die Igelspezialistin. 800 Gramm sollte ein Igel haben, damit er im Winterschlaf über die Runden kommt. Auch ist der Lebensraum für den Igel durch die verbreitet gepflegten Gärten geschrumpft. „Igel brauchen Natur: Laub, Naturwiesen, g’schlamperte Gärten mit Brettern, Höhlen, Reisighaufen, wo sie sich verstecken können”, so Reisinger.

Sie steht auch gerne Personen zur Seite, die es sich zutrauen, einen Igel bei sich zuhause aufzupäppeln, zu überwintern und dann auszuwildern. Letzteres ist für sie unabdingbar: „Ein Igel ist ein Wildtier, er gehört in die Natur.” So ist sie auch jedes Frühjahr auf die Unterstützung von Menschen angewiesen, die Igel bei sich auswildern.

Pro Saison kostet das Aufpäppeln und Überwintern eines Igels in der Station zwischen 120 und 150 Euro. Gabriele Reisinger leistet ihre Arbeit ehrenamtlich. „Das ist mein Beitrag für die Natur”, erklärt die pensionierte Grundschullehrerin dazu, der viel daran liegt, Aufklärungsarbeit in Schulen zu leisten und Kinder für Igel zu begeistern.


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