11.01.2019, 13:30 Uhr

Athen (AFP) Merkel: Deutschland ist sich Verantwortung für NS-Verbrechen in Griechenland bewusst


Athen fordert immer wieder Entschädigungszahlungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bei ihrem Besuch in Athen zur Verantwortung Deutschlands für die Nazi-Verbrechen in Griechenland bekannt. "Wir wissen, wie viel Leid Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus über Griechenland gebracht hat", sagte die Kanzlerin am Freitag in Athen. Deutschland sei sich seiner historischen Verantwortung bewusst.

Als Lehre daraus tue Deutschland alles, um gute Beziehungen zu Griechenland zu unterhalten und sich gegenseitig im Interesse beider Staaten zu unterstützen, sagte Merkel weiter. Die Kanzlerin traf am Freitag in Athen unter anderen den griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos zu einem Gespräch. Am Grabmal des unbekannten Soldaten in Athen legte sie einen Kranz nieder.

In Griechenland waren in den vergangenen Jahren immer wieder Forderungen nach deutschen Entschädigungszahlungen für die Verbrechen während der Besatzung durch die Nazis (1941-1944) erhoben worden. Durch die Schuldenkrise Griechenlands, welche die deutsch-griechischen Beziehungen auf die Probe stellte, wurden diese Forderungen befeuert. Der griechische Rechnungshof bezifferte die Reparationsforderungen in der Vergangenheit auf 162 Milliarden Euro.

Im Gegensatz zu Griechenland sieht Deutschland die Forderung nach Entschädigungszahlungen durch ein Abkommen von 1960 und durch das Zwei-plus-Vier-Abkommen von 1990 als rechtlich abgegolten an. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hatte sich 2014 bei einem Besuch in Griechenland für deutsche Kriegsverbrechen entschuldigt.

Während der Besatzung durch Hitler-Deutschland von April 1941 bis September 1944 kamen rund 300.000 Griechen ums Leben. Die Nazis verübten zahlreiche Massaker. Außerdem nahm die Besatzungsmacht 1942 bei der griechischen Zentralbank einen Zwangskredit auf, der damals auf knapp 500 Millionen Reichsmark beziffert wurde.

Griechenlands Schuldenberg hatte die deutsch-griechischen Beziehungen in den vergangenen Jahren auf eine harte Probe gestellt. Die von den internationalen Gläubigern auferlegten Kürzungsprogramme im Gegenzug für drei Kreditpakete stürzten Griechenland in eine Krise. Viele Griechen sahen Merkel als eine Hauptverantwortliche für die strengen Sparauflagen.

Anders als bei früheren Besuchen kam es diesmal zwar nicht zu großen Demonstrationen gegen die Kanzlerin. Am Donnerstagabend gab es in Athen aber gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten bei Protesten gegen den Merkel-Besuch. In einem Gespräch mit dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras lobte Merkel am Donnerstagabend die Opfer, die die Griechen während der Finanzkrise erbracht hätten.

FDP-Chef Christian Lindner warnte derweil vor weiteren Finanzhilfen für Athen. Solidarität solle "strikt an Gegenleistungen gebunden bleiben", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Bei der Privatisierung und Marktöffnung habe Griechenland erneut ein Jahr verloren, die zugesagte Angleichung der Mehrwertsteuer auf EU-Niveau sei abgesagt worden.


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