11.11.2011, 18:54 Uhr

Nach peinlicher Fehlerserie E.ON entschuldigt sich bei Grünen-Kreisrat

Wenn der Wurm mal drin ist ... Der Vertrieb von E.ON Bayern hat ausgerechnet einen Grünen Stadt- und Kreisrat wie Buchbinder Wanninger dastehen lassen. Richard Zieglmeier hat monatelang versucht, den Stromlieferanten zu wechseln und auch eigenen Strom von der eigenen Photovoltaikanlage einspeisen zu lassen. Jetzt hat sich E.ON entschuldigt.

ABENSBERG Mit einem „Offenen Brief” hat der Abensberger Stadtrat, Umweltreferent und Kelheimer Kreisrat der Grünen, Richard Zieglmeier, seinem Ärger um  E.ON Luft gemacht. Anlass war eine Textanzeige von E.ON, in der mit der Überschrift „Die Anbieter gehen, doch dank E.ON bleibt das Licht stets an” auf die Rolle als Grundversorger hingewiesen wurde. Zieglmeier hatte gewissermaßen das umgekehrte Problem: E.ON ging nicht. Zieglmeier versuchte nach eigenen Angaben ein Jahr lang, seinen Photovoltaikstrom einzuspeisen. Er wandte sich schließlich an E.ON.

Lesen Sie den kompletten Brief an E.ON:

„Sehr geehrter Herr Zisler, als ehrenamtlicher Kommunalpolitker vor Ort setze ich mich seit Jahren für eine nachhaltige Stromversorgung ein. Dies machte ich auch privat durch Installierung von drei Solarstromanlagen auf meinem Wohnhaus und auf vermieteten Gewerbegebäuden, in denen ein Reifenhändler arbeitet.

Wie Sie wissen, will der Gesetzgeber mit dem gültigen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2009 anhand dem § 33 den Eigenverbrauch von Solarstrom beziehungsweise durch Dritte vor Ort fördern. Meine bisherigen Erfahrungen diesbezüglich mit E.ON Bayern:

Diese Zielsetzung als Anbieter beziehungsweise Versorger für meinen Mieter unter Zusatzlieferung durch die Firma Naturstrom verfolgte ich mit der letzten Anlage, die Ende September 2010 auf das Hallendach kam. Dies beantragte ich beim Netzanschlussvertrag. Der benötigte elektronische Überschuss-Zähler konnte erst nach einer Wartezeit am 19. Januar von einer Firma (im Namen der E.ON) montiert werden. Daraufhin kündigte der Reifenhändler seinen bisherigen Stromlieferanten zum 31. März und ich beauftragte die Fa. Naturstrom bei der E.ON Bayern AG, die Verbrauchsstelle Regensburger Str. 39 zum 1. April zu übernehmen. Dies geschah bis zum heutigen Datum nicht, da die E.ON Bayern Vertrieb als Grund- beziehungsweise Ersatzversorger „diese Abnahmestelle in Besitz nahm”! Die letzten Monate gleichen dem Sketch vom Karl Valentins Buchbinder Wanninger: Reklamationen beim Call-Center, Beschwerdebriefe an die Photovoltaik-Abteilung und an E.ON Bayern Vertrieb Landshut; Verweis von einem E.ON Standmitarbeiter beim Energie-Fachforum der Gemeindezeitung an eine Ansprechpartnerin in München bei E.ON Vertrieb; diese meldete sich nach einem Monat (!) mit der Bemerkung, ich sei bei ihr falsch; auf meine Nachfrage, ob ich von ihr nun den richtigen Ansprechpartner haben könnte, erwiderte sie, das dürfe sie nicht. Darum Herr Zisler muss ich in meinem Fall die Anzeigenüberschrift abändern: Gesetzlich gewollte Anbieter wollen vor Ort einspeisen, werden aber von E.ON blockiert. Nachdem die bisherigen E.ON-Mitarbeiter meinen Fall nicht bereinigen konnten, fordere ich Sie auf, dies zur Ihrer Sache zu machen. Ich maile Ihnen gerne die notwendigen Daten und die bisherigen Vorgänge der letzten Monate zu. Mit freundlichem Gruß Richard Zieglmeier.”

Zieglmeier wandte sich an das Wochenblatt und schickte seinen Brief. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, da war die Antwort von E.ON Bayern Vertrieb auch schon bei ihm: „Bitte entschuldigen Sie!” prangt fett ganz oben. „Es tut uns leid, dass Sie und Ihre Mieter Ärger mit uns hatten und der Lieferantenwechsel nicht reibungslos lief. Das hätte nicht passieren dürfen. Entschuldigen Sie bitte.” (…) Für Zieglmeier ist die Sache nun noch in seinem Sinne ausgegangen - und dass sich E.ON doch so schnell so reumütig zeigte, dass ist für einen Grünen-Politiker sicher auch eine lohnenswerte Erfahrung.

Unser Foto zeiogt Richard Zieglmeier mit der E.ON-Textanzeige in der Hand; im Hintergrund die betreffenden Häuser und PV-Dächer.


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