27.04.2011, 08:59 Uhr

Mobbing im Internet Landshuter Schüler lästern auf isharegossip.com

Rein juristisch gesehen ist „Hasen fresse“, wenn auch falsch geschrieben, eindeutig eine Beleidigung. Konsequenzen hat der Schüler, der seine Lehrerin jetzt so beschimpft hat, so schnell wohl nicht zu befürchten. Und das, obwohl er sogar eine Straftat begangen hat.

LANDSHUT „Wenn wir den Urheber nicht finden, dann können wir auch nicht ermitteln“, so der Sprecher der Landshuter Staatsanwaltschaft, Georg Freutsmiedl. In diesem Fall dürfte sich daran so schnell auch nichts ändern. Ähnlich verhält es sich mit den anderen Mobbing-Attacken auf der Internetklatschseite „isharegossip“, was übersetzt soviel heißt wie: Ich teile meine Klatschgeschichten.

Die Homepage sorgt seit Wochen  für Gesprächsstoff. Vor allem seit es wegen der Mobbereien im Netz zu regelrechten Gewaltausbrüchen unter Schülern in Berlin gekommen ist, wird von Elternverbänden eine Strafverfolgung der Betreiber und eine Sperrung der Seite gefordert. Auf ihr kann jeder gegen jeden lästern ohne Angst haben zu müssen, belangt zu werden. Man muss sich nicht anmelden, angeblich werden auch die IP-Adressen nicht gespeichert. Alles zu 100 Prozent anonym – jedenfalls für den Täter. Einträge, die einen eindeutigen Rechtsverstoß darstellen, werden von den Betreibern nicht gelöscht.

Wer die Verantwortlichen sind, das weiß niemand so genau. Im Impressum ist eine Adresse in Riga (Lettland) angegeben. Dass die tatsächlich richtig ist, darf wohl bezweifelt werden. Zwar liegen bundesweit schon Hunderte von Strafanzeigen gegen die Betreiber der Seite vor, habhaft ist man ihnen allerdings bislang noch nicht geworden. Noch immer können Beleidigungen der übelsten Sorte ungehindert ins Netz gestellt werden.

So muss sich eine namentlich genannte Landshuter Schülerin im Netz weiterhin beschimpfen lassen. Eine andere wiederum kann nachlesen, dass eine Mitschülerin angeblich mit ihrem Freund geschlafen hat.

In den Kommentaren zu den Einträgen gibt es – meist in ziemlich holprigem Deutsch – einen regelrechten Schlagabtausch, Drohungen und noch mehr Beleidigungen der übelsten Sorte.

Was diejenigen, die einen Eintrag ins Netz setzen, aber meist vergessen: Oftmals weiß das Opfer genau, aus welcher Ecke der „Klatsch“ kommt.

Bei einem „entsprechendem Tatverdacht“ und im Fall einer Anzeige wiederum könne man laut Freutsmiedl tätig werden. In Frage käme dann zum Beispiel eine Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen sowie die Sicherstellung seines Computers für die Ermittlungen. Vor allem im Fall von Bedrohungen wäre das möglich.

An einer Landshuter Schule nimmt man die Ermittlungen derweil offensichtlich selbst in die Hand. Kommentar einer Schülerin: „Ihr wisst schon, dass der Herr Meier und co. (Name von der Redaktion geändert) gerne mal Webseiten durchforsten und auch schon des Öfteren Seiten mit Beleidigungen ausgedruckt worden sind. Es braucht ihm nur jemand die Seite zu zeigen und schon werden die Mitschüler befragt. Ich weiß es, weil es bei mir auch so war.“


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