23.01.2013, 00:00 Uhr

Da hilft nur Handarbeit Wenn’s dem Pferd im Rücken zwickt

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Die Tierchiropraktikerin Dr. Susanne Neukirch hilft Pferden, wenn der Tierarzt nicht mehr weiter weiß.

LANDSHUT "Der ist ein ganz Lieber und der kennt das Ganze auch schon“, meint Dr. Susanne Neukirch, als der Patient für die Bahandlung aus seiner Box geholt wird. Der Patient heißt Fabri, ist elf Jahre alt und hatte zuletzt mit Blockaden in der Lendenwirbelsäule zu tun. „Wenn ein Pferd steif ist und sich nicht mehr richtig biegen lässt, sind das oft Anzeichen für Blockaden. Das sind funktionelle Fehlstellungen eines Wirbels oder die Blockade seiner Wirbelgelenke“, erklärt die 29-jährige Tiermedizinerin, die sich im letzten Jahr mit einer mobilen Pferdepraxis selbstständig gemacht hat.

Doch die gebürtige Niederviehbacherin ist keine gewöhnliche Tierärztin. In einer mehrmonatigen Ausbildung zur Tierchiropraktikerin an der „International Academy of Veterinary Chiropractic“ lernte sie das Handwerk rund um die Pferde-Wirbelsäule. Dabei ist sie alles andere als eine „Knochenbrecherin“, wie diese Berufsgruppe auch häufig genannt wird. Mit gekonnten Handgriffen tastet sie Wirbel für Wirbel an Fabris Rücken ab. Immer wieder gibt sie einen sogenannten Impuls, dabei drückt sie kurz und kräftig und in einem bestimmten Winkel auf den betreffenden Wirbel. Dadurch wird eine Fehlstellung des Wirbels korrigiert. Der elfjährige Wallach nimmt’s gelassen und interessiert sich eigentlich mehr für die surrende Wochenblatt-Kamera vor seiner Nase.

Dann sind auch schon die Halswirbel an der Reihe. Wieder gibt die junge Tiermedizinerin einige Impulse und testet dann die Beweglichkeit von Fabris Kopf nach links und rechts. „Es kommt darauf an, dass er den Kopf auf beide Seiten gleich weit drehen kann“. Fabri sieht das etwas anders und sein Blick sagt: „Was soll das denn?“ Ein „normaler“ Tierarzt könne in vielen Fällen nur die Symptome mit schmerzlindernden Medikamenten behandeln, so Neukirch. „Chiropraktik behandelt dagegen nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache von Rückenproblemen bei Pferden“, erklärt sie. Ziel sei es, das Tier ganzheitlich zu behandeln, um das Wohlbefinden des Pferdes zu fördern, was sich wiederum positiv auf die Rittigkeit und die Leistungsbereitschaft des Tieres auswirke. Das zweite Spezialgebiet von Susanne Neukirch bekommt der Wallach an diesem Tag nicht zu spüren: Bei der Zahnkontrolle war Fabri erst vor Kurzem. „Pferdezähne werden oft vernachlässigt, dabei können scharfe Kanten im Pferdemaul zum großen Problem werden“, weißt die Zahnexpertin. Durch unregelmäßiges Kauen könnten sich Muskelverspannungen bis zur Wirbelsäule ausbreiten und dem Tier starke Schmerzen bereiten. Mit speziellem Werkzeug lasse sich auch ambulant ein Großteil der Zahnerkrankungen gut behandeln, erklärt Neukirch, die in den vergangenen drei Jahren als Assistenzärztin in Schierling und in Vilsbiburg Erfahrungen sammeln konnte.

Als Chiropraktikerin genießt die 29-Jährige es jetzt vor allem, für ihre Patienten mehr Zeit zu haben und deren Besitzer etwas besser kennenzulernen: „Bei einem normalen Tierarzt hätte während der Behandlung bestimmt dreimal das Telefon wegen eines Notfalls geklingelt und ich hätte weg müssen.“ Oft erfahre sie in einem längeren Gespräch dann eher durch Zufall, was die Ursache für die Blockaden gewesen sein könnte, etwa ein neuer Sattel, ein anderer Hufbeschlag oder Bewegungsmangel. Weitere Informationen unter www.wirbelzahn.de oder unter (0176) 32 41 39 56.


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