22.07.2013, 15:37 Uhr

Prozess gegen Eishockey-Crack Joe W. handelte nicht in Tötungsabsicht!

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Mildes Urteil für den ehemaligen Eishockey-Crack Joe W. (re., mit seinem Anwalt Lutz Libbertz). Das Schwurgericht in Landshut nahm den 49-Jährigen ab, dass er seine Freundin nicht töten wollte. Schon in ein paar Monaten könnte er deshalb wieder ein freier Mann sein.

LANDSHUT Der ehemalige Landshuter Eishockeycrack Joe W. (49) habe ehemalige Lebensgefährtin Yvonne B. (43) nicht in Tötungsabsicht gewürgt. Zu diesem Ergebnis kamen alle Beteiligten im Prozess vor der Schwurgerichtskammer beim Landgericht Landshut, wo die ursprüngliche Anklage unter anderem auf versuchten Totschlag gelautet hatte. Entsprechend kam der Rollladenbaumeister wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung mit einer moderaten Freiheitsstrafe von 28 Monaten davon.

Vorsitzende Richterin Gisela Geppert stellte ihm am Ende der Urteilsbegründung zudem in Aussicht, dass er hervorragende Aussichten auf die sogenannte Halbstrafe habe.“ Nachdem der 49-Jährige bereits seit gut neun Monaten in Untersuchungshaft sitzt, würde das bedeuten, dass er in wenigen Monaten wieder auf freiem Fuß ist – natürlich auf Bewährung.

Einer der Gründe für das moderate Urteil war eine spektakuläre Aktion am 2. Verhandlungstag. Der ansonsten eher etwas schwerfällig wirkende Ex-Eishockeycrack entschuldigte sich nicht nur mit Tränen in den Augen bei seiner früheren Lebensgefährtin für die brutalen Übergriffe, sondern ließ auch über seinen Verteidiger Lutz Libbertz noch 5.000 Euro Schmerzensgeld für die 43-jährige Angestellte auf den Richtertisch blättern. Das Geld, so erklärte er, stamme aus dem Verwandtenkreis und natürlich müsse er es zurückzahlen.

Vor den Plädoyers beschäftigte sich die Prozessbeteiligten noch ausführlich mit der ambivalenten Beziehung des 49-Jährigen und seines Opfers, die sich 2009 kennengelernt und sich schon nach zwei Monaten zum ersten Mal getrennt hatten. Der psychiatrische Gutachter Dr. Gregor Groß bescheinigte dem Angeklagten eine Eifersucht, die sich am Tattag aggressiv aufgeladen hätte.

Fast ohne Pause gingen schon am 8. November von den frühen Morgenstunden bis Mitternacht SMS hin und her, wobei sich Joe W. in wüste Beleidigungen hineinsteigerte. Noch am Tattag, am 9. November, ließ der 49-Jährige dann wissen, dass er „Herzschmerzen“ habe und seiner Ex an diesem Tag noch eine „Überraschung“ erleben werde. Seine Ex antwortete ihm, dass sie ihr Ruhe haben und von ihm nichts mehr wissen wollte.

Was dann passierte, fasste Vorsitzende Richterin Geppert in der Urteilsbegründung in wenigen Sätzen zusammen: Als die Angestellte am Nachmittag von einem Spaziergang mit ihren Hunden zurückgekehrt sei, habe sie Joe W. abgepasst, sich gleich hinter ihr Zutritt zu ihrer Wohnung verschafft und ihr einen Faustschlag aufs Auge versetzt, was die Kammer rechtlich als vorsätzliche Körperverletzung einordnete. Danach sei die 43-Jährige zunächst aus der Wohnung geflüchtet, dann aber zurückgekehrt, weil sie keine Schlüssel und kein Handy bei sich hatte.

Noch im Flur habe Joe W. die Angestellte dann massiv und über einen längeren Zeitraum hinweg gewürgt. Das, so die Vorsitzende Richterin, sei eine das Leben gefährdende Behandlung gewesen. „Als er erkannt hat, was er da anrichtet, hat er von seinem Opfer abgelassen“, so die Vorsitzende Richterin. Zu weiteren Würgevorgängen sei es danach noch im Schlafbereich der Wohnung gekommen, allerdings seien die keinesfalls massiv oder gar lebensbedrohlich gewesen. Die gesamten Würgeattacken habe die Kammer als eine „natürliche Handlungseinheit“ und damit als gefährlicher Körperverletzung gewertet.

„Wir haben dem Angeklagten abgenommen, dass er zu keiner Zeit in Tötungsabsicht handelte“, so Geppert. Dazu hätte er jeweils länger zudrücken müssen, die Gelegenheit dazu habe er gehabt. Das moderate Strafmaß begründete die Vorsitzende Richterin mit der Entschuldigung des 49-Jährigen und mit der Schmerzensgeldzahlung, die auch von Reue zeuge: „Ohne sie hätte das Strafmaß erheblich über drei Jahren gelegen.“ Strafmildernd hätten sich auch die Geschehnisse im Vorfeld der Tat niedergeschlagen.

Bereits Staatsanwalt Oliver Dopheide war in seinem Plädoyer vom ursprünglichen Anklagevorwurf des versuchten Totschlags abgerückt und hatte für vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten beantragt.

Anwalt Alexander Stephens, der die als Nebenklägerin auftretende Angestellte vertrat, bekundete ebenfalls, dass auch nach Überzeugung seiner Mandantin ihr Ex-Lebensgefährte keine Tötungsabsicht gehabt habe. Durch die Schmerzensgeldzahlung habe er ihr außerdem einen Zivilprozess erspart.

Star-Anwalt Lutz Libbertz, der den Eishockeycrack vertrat, dankte dem Anklagevertreter und dem Nebenkläger für die fairen Plädoyers. Dass sein Mandant keine Tötungsabsicht gehabt habe, sei selbst vom Opfer bestätigt worden. „Du sollst sehen, wie es ist, wenn man Schmerzen hat“, habe er ihr angekündigt. Die Beziehung habe von Anfang an nicht gepasst. Sämtliche Prozessbeteiligten erklärten Rechtsmittelverzicht, damit ist das Urteil rechtskräftig.


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