23.11.2011, 11:51 Uhr

Innenministerium lenkte ein Etappensieg für Bürgerinitiative: Kein Funkmast in Pfeilstett

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Das endgültige „Aus” für den ­Funkmast in Pfeilstett lässt die Mitglieder der Initiative „Funkbewusstsein Reichertsheim” durchatmen

REICHERTSHEIM Mit gedämpfter Freude nahmen die Mitglieder der Bürgerinitiative „Funk­bewusstsein Reichertsheim” die Nachricht auf, welche der Grundstückseigentümer bekannt gegeben hatte. Der Standort Pfeilstett stehe für die Errichtung eines 43 Meter hohen Tetra-Funk-Sendemastens nicht mehr zur Verfügung. Was war passiert?

Im Frühjahr 2010 wurde bekannt, dass ein Tetra-Funk-Sendemast für den digitalen Bündelfunk von Behörden in Reichertsheim errichtet werden soll. Sofort formierte sich heftigster Widerstand, da befürchtet wurde, dass die Strahlung negative Gesundheitsfolgen für Menschen und Tiere haben könnte. Bei vielen Gegnern des Tetra-Funks herrschte die Meinung: „Wir werden eh schon genug bestrahlt.” Daraufhin bildete sich eine Gruppierung, welche dem Tetra-Funk sehr kritisch gegenüberstand. Als Ziel sollte der Tetra-Funk in der geplanten Form verhindert und auch die Mobilfunkbelastung begrenzt werden. Das war die Geburtsstunde der Bürgerinititative „Funkbewusstsein Reichertsheim”. Von Beginn an ging es der Bürgerinitiative um sachliche und kompetente Aufklärung, so auch am 9. Juni 2010 bei der Info-Veranstaltung in Tiefenstätt mit Funktechniker Ulrich Weiner, welcher als betroffenes Strahlenopfer und Redner eingeladen wurde.

Funktechniker spricht von Dauerstrahlenbelastung

Ein voller Saal bestätigte das rege Interesse der Bevölkerung, als Ulrich Weiner aus seiner Sicht die Schädlichkeit des Tetra-Funks anschaulich erläuterte. Neben den veralteten Techniken zeigte Weiner auch die zukünftigen Kosten für die Gemeinde Reichertsheim auf. Zumal wurde seiner Meinung nach der gut funktionierende Analogfunk, den Rettungsdienste, Feuerwehren und Polizei verwenden, vernachlässigt, um dem Digital-Funk Tür und Tor für eine Dauerstrahlenbelastung über 24 Stunden zu öffnen.

Ebenfalls im Juni 2010 fand in Tiefenstätt eine Informationsveranstaltung seitens des befürwortenden Innenministeriums und der Betreiberfirma statt. Kritische Fragen der Bevölkerung wurden auf dieser Veranstaltung oft nur unzureichend beantwortet und die Befürchtungen bestanden weiter. Bei einem weiteren Treffen in Thambach zum Thema „Sind wir nicht schon genug bestrahlt” zeigte ein betroffener Landwirt schockierende Fotos seiner Ferkel, welche unter zahlreichen Missbildungen leiden, seit vor zwei Jahren in 300 Metern Entfernung ein Mobilfunkmast in Betrieb genommen wurde. Professor Buchner, ehemaliger Bundesvorsitzender der ÖDP, der früher auch von der Harmlosigkeit der Strahlung überzeugt war, verwies mit Nachdruck auf die enormen Einflüsse von Handystrahlung auf die Gesundheit.

Mittlerweile hat sich beim Probebetrieb in München gezeigt, dass der Tetra-Funk in der Praxis nicht funktioniert. Am 24. Februar 2011 wurde der Funk wegen Problemen bei der Entschlüsselung eingestellt und nicht mehr in Betrieb genommen. Vielleicht auch deshalb lenkte zu guter Letzt das Innenministerium ein. Im Bayerischen Landtag wurde am 26. Januar 2011 im Petitionsausschuss das Gesuch gegen den Tetrafunk bearbeitet – mit Ergebnis: Der Standort Pfeilstett sei sehr speziell und werde allem Anschein nach nicht realisiert.

Am Ende lenkte das Innenministerium ein

Seit Oktober 2011 ist es nun amtlich, der Standort steht nicht mehr zur Debatte. Die Erleichterung war groß bei den Nachbarn, welche Milchviehwirtschaft betreiben, da sie nicht mehr um ihre eigene Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere bangen müssen. Nun werden neue Standorte in und um Reichertsheim gesucht. Somit wird die Bürgerinitiative weiterhin wachsam sein und gemeinsam mit der Dachorganisation „Diagnose Funk” und den weit über 100 anderen Bürgerinitiativen zusammenarbeiten. Ziel wird es sein, für einen sinnvollen und kostengünstigen, gut funktionierenden und risikoarmen Rettungs-Funk zu kämpfen, denn darüber sind sich alle Beteiligten einig: Ein flächendeckender Rettungs-Funk ist unverzichtbar. 


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