09.01.2013, 11:45 Uhr

Riesenärger um Innstadt-Bauprojekt Passauer Studi-Wohnungen zerstören römisches Stadterbe

Stadt Passau hat ein Bußgeldverfahren im fünfstelligen Bereich eingeleitet.

PASSAU Riesenärger um ein Bauprojekt in der Passauer Innstadt: Archäologische Auflagen wurden laut Auskunft der Stadt „vorsätzlich missachtet”. Historische Zeugnisse aus der Römerzeit sind somit unwiederbringlich zerstört worden. Die Stadt Passau hat ein Bußgeldverfahren im fünfstelligen Bereich eingeleitet.

Der Bereich in der Kapuzinerstraße ist historisches Areal: Vor fast 2000 Jahren war dort die römische Siedlung Boiodurum. Wer dort tiefer gräbt, muss zwangsläufig damit rechnen, auf archäologische Funde zu stoßen. Davon konnte auch der Bauherr ausgehen, der an der Stelle, wo früher u.a. ein Fahrradgeschäft war, ein Gebäude mit Wohnungen für Studenten errichtet.

Die Baugenehmigung für das sensible Areal wurde von der Stadt Passau im vergangenen Jahr erteilt – allerdings eben mit diversen Auflagen, um das archäologische Erbe der Stadt dokumentieren zu können: Demnach hätte der Beginn der Bauarbeiten bei der Stadt gemeldet werden müssen, um sicherzustellen, dass bei den Grabungsarbeiten ein fachkundiger Mitarbeiter der Stadtarchäologie vor Ort anwesend ist.

Außerdem wurde von der Stadt festgelegt, dass im Falle von archäologischen Funden der Bauherr den Archäologen genügend Zeit einräumen muss, um die Funde in einer Grabung wissenschaftlich dokumentieren zu können. Dies geschah alles nicht. Die Stadt Passau wurde nicht verständigt und die Aushubarbeiten ohne Begleitung durch die Stadtarchäologie durchgeführt.

„Aufgrund der eindeutigen Vorgaben ist festzustellen, dass der Bauherr bzw. der beauftragte Architekt diese Auflagen vorsätzlich missachtet hat”, teilte OB-Büroleiter Herbert Zillinger auf PaWo-Anfrage mit. Er wird noch deutlicher: „Damit wurde ein bedeutender Teil des römischen Erbes unserer Stadt zerstört. Viele historische Fundstücke der römischen Zivilsiedlung Boiodurum des 2. und 3. Jhd. n. Chr. sind damit unwiederbringlich verloren gegangen.”

Was weg ist, ist weg. Die Stadt kündigte an, ein Bußgeld im fünfstelligen Bereich zu verhängen.  

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