15.12.2016, 12:52 Uhr

Partnerstadt Weihnachtspäckchenaktion von Round Table beschert leuchtende Kinderaugen in Odessa

Foto: Round Table 32 RegensburgFoto: Round Table 32 Regensburg

Der traditionelle Weihnachtspäckchenkonvoi von Round Table machte sich in diesem Jahr mit 106.000 Weihnachtspäckchen auf in die Ukraine, nach Moldawien, Bulgarien und Rumänien. Regensburger Tabler beschenkten Kinder in der Partnerstadt Odessa.

REGENSBURG/ODESSA Pure Freude erfüllt nach der Bescherung den Klassenraum. An Unterricht ist zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Kinder laufen wie wild durcheinander, der Inhalt der Päckchen wird stolz präsentiert, die darin enthaltenen Süßigkeiten sofort genascht. Nur eines unterscheidet die Szenerie entscheidend von dem üblichen Chaos, wenn Kinder Geschenke auspacken: Es herrscht bedrückende Stille. Denn es handelt sich um eine Gehörlosenschule. Trotzdem erfüllt Freude und Stolz den Klassenraum. Stolz und Freude empfinden neben den Kindern auch zwei der zahlreichen Helferinnen und Helfer, die die Geschenke aus über 2.000 Kilometern Entfernung zu den Kindern in der Ukraine gebracht haben, denn gerade wird ein Päckchen aus Ihrer Heimatstadt Regensburg ausgepackt.

Sinan Kavi und Dr. Holger Gößmann haben den Weihnachtspäckchenkonvoi des Round Table in die Regensburger Partnerstadt Odessa begleitet. Der Round Table ist ein Serviceclub von Männern unter 40, die sich in ihrer Freizeit sozialen Projekten widmen. Dabei gibt es regionale und überregionale Projekte – das Größte davon ist der Weihnachtspäckchenkonvoi, der seit 2001 Päckchen für bedürftige Kinder nach Rumänien, Moldawien, Bulgarien und in die Ukraine bringt. Dieses Jahr waren es sage und schreibe 106.000 Päckchen, die von 178 freiwilligen Helferinnen und Helfern mit 32 Trucks und Bussen zu den Kindern gebracht wurden. Mit dabei erstmalig auch 90 Päckchen aus Regensburg. Der Weihnachtspäckchenkonvoi von Round Table ist somit der größte Hilfskonvoi dieser Art in ganz Deutschland. Da das ukrainische Ziel des Konvois die Regensburger Partnerstadt Odessa ist, ist eine Beteiligung für die Regensburger Tabler eine Herzensangelegenheit.

"Das Schöne am Weihnachtspäckchenkonvoi ist, dass wirklich das gesamte Spendenaufkommen zu 100 Prozent Eigenleistung ist. Die einzelnen Tische (Anmerkung: Der Round Table organisiert sich in örtlichen Clubs in sog. Tischen, von den es circa. 220 gibt) sammeln die Päckchen lokal in Schulen und Kindergärten, sowie Privatpersonen ein, bringen sie nach Hanau, wo die Päckchen sortiert und auf die durch Firmen gesponserten Lkw verladen werden und schließlich von den freiwilligen Helfern in die Zielregionen gebracht und verteilt werden. Auch die Finanzierung des Konvois wird durch Spenden der Tische und Unternehmen abgedeckt", erklärt Sinan Kavi, der zum ersten Mal beim Transport dabei ist.

"Die Situation in Odessa hat sich leider im Vergleich zu letztem Jahr nicht verbessert, im Gegenteil. Der anhaltende Bürgerkrieg im Osten, die daraus resultierende Flüchtlingskrise innerhalb des Landes und die hohe Staatsverschuldung führen letztlich zu einem massiven Währungsverfall des ukrainischen Hrywnja. Als wir 2015 in die Ukraine gefahren sind, war der Umtauschkurs gegenüber dem Euro 1:19. Heute steht er bei 1:28. Natürlich können die Gehälter nicht in gleichem Maße angepasst werden. Ein Lehrer beispielsweise verdient hier im Monat umgerechnet lediglich 100 Euro. Bei dieser Armut werden gerade behinderte und schwer erziehbare Kinder leider häufig zu einer finanziellen Belastung und dadurch in die sozialen Einrichtungen abgegeben. Dass die öffentliche Hand unter diesen Umständen natürlich auch nicht über ausreichende Mittel verfügt, ist logisch. Wir sind froh, dass wir mit unseren Päckchen ein strahlen in die Kinderaugen zaubern können. Dafür lohnt sich auch die körperliche Anstrengung: 50 Stunden im Bus nach Odessa zu fahren, ist wirklich kein Spaß", schildert der Regensburger Tabler und Oberarzt der Universitätsklinik, Dr. Holger Gößmann, die Lage.

Wenn man dann aber die Kinder sieht und die Freude und das Strahlen in ihren Augen, sei "die ganze Belastung vergessen". Schöne und bewegende Momente seien auf dieser Fahrt so nah beieinander, dass man diese Eindrücke ein Leben lang nicht vergisst. Das Highlight für die beiden Regensburger Tabler war schließlich, unter all den strahlenden Kinderaugen plötzlich ein kleines Mädchen zu erblicken, dass eine Ansichtskarte von Regensburg stolz hochhält, die diese gerade aus ihrem Geschenkpäckchen geholt hatte. Ein schöneres Geschenk hätte sie wohl auch den beiden Regensburgern nicht machen können. 


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