03.04.2013, 18:47 Uhr

Glauben Opfer der Pfadfinder: „Man wollte mir den Teufel austreiben“

Die Wallfahrtskiche Maria Schnee in Aufhausen Foto: Christian EcklDie Wallfahrtskiche Maria Schnee in Aufhausen Foto: Christian Eckl

Eine junge Frau aus dem Landkreis ging durch die Hölle bei der dubiosen KPE, Ihr Vater verfolgt sie, ihre neuen Adressdaten werden weitergegeben. Eine Beschwerde ihres Anwaltes beantwortet der Bürgermeister der Gemeinde, über die sie klagte. Die KPE gibt sich als Unschuldslamm.

REGENSBURG Sarah K. (Name geändert, der Redaktion bekannt) ist durch die Hölle gegangen. Und dabei waren ihre Peiniger, allen voran ihr Vater und dubiose Geistliche, im Auftrag des Glaubens unterwegs. Heute versteckt sich die 20-Jährige, sie hat Angst. Nur ihr Ehemann (24) weiß, wie sehr sie die Vergangenheit verfolgt. Wie sie manchmal nachts aufwacht und von ihrer Zeit bei der Katholischen Pfadfinderschaft Europas träumt. Die junge Frau ist sich heute sicher: „Das ist eine Psycho-Sekte!“

Doch von vorne. Mit zehn Jahren kommt Sarah in eine KPE-Gruppe in Laberweinting. „Wir mussten in einem offenen Raum beichten, damit man uns besser beeinflussen konnte“, erzählt die junge Frau. Auch „Handauflegen war gang und gäbe, um uns das Böse aus dem Körper zu ziehen.“ Während man bei der KPE in Aufhausen keine Mädchen aufnimmt, werden in Laberweinting auch junge Mädchen davon überzeugt, dass man vor der Ehe keinen Jungen küssen darf.

Sarahs Martyrium wird schlimmer, als sie sich von ihrem ersten Freund trennt. Ihr Vater, ein ehemaliger Manager und Unternehmer aus dem Landkreis, akzeptiert die Trennung zunächst nicht. „Als ich dann meinen zweiten Freund und heutigen Ehemann kennen lernte, wurde es unerträglich“, erzählt die junge Frau. Sie wirft auch Ordensgeistlichen aus Aufhausen vor, ihren Vater gegen sie aufgehetzt zu haben. „Ich wurde mit Weihwasser bespritzt, um mir den Teufel auszutreiben“, erzählt die junge Frau. Doch ihr junger Freund, der nur vier Jahre älter als sie ist, hält zu ihr. Beide flüchten, heiraten. Sarah und ihr Ehemann wägen sich in Sicherheit vor der Psycho-Sekte und ihrem eigenen Vater.

Bürgermeister schreibt die Antwort selbst Doch der findet die Adresse heraus. Wie, das wissen beide bis heute nicht. Sie haben einen Verdacht: Trotz Sperrvermerks, den sie auf Rat eines Rechtsanwaltes beantragen, muss er über die Gemeinde an die neuen Daten gekommen sein.

Der Rechtsanwalt reicht Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landratsamt gegen die Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes ein. Zudem schreibt er an das Landratsamt, dass der Bürgermeister des Landkreis-Ortes, wo sie herkommt, bestens mit ihrem Vater befreundet sei. Die Antwort empfindet sie noch heute als Schlag in die Magengrube. Denn die schreibt – ausgerechnet besagter Bürgermeister! Der ist gleichzeitig Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft, er ist für Dienstaufsichtsbeschwerden zuständig. Eine weitere Stilblüte der Bayerischen Gemeindeordnung, die zum Himmel schreit. Der Bürgermeister jedenfalls streitet ab, die Daten weiter gegeben zu haben. Er droht der 20-Jährigen mit rechtlichen Schritten, statt zu helfen. „Wohin sollten wir uns schon wenden?“, fragt die junge Frau heute. Sie und ihr Ehemann mussten wieder umziehen. Diesmal hat sie ihr Vater noch nicht gefunden.

Die KPE ist nirgendwo kirchlich anerkannt, außer in Augsburg, wo ein früherer Bischof die Pfadfinderschaft zuließ. In einem internen Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz, das ein Jahr alt ist, wird weiterhin bezweifelt, dass es sich bei der KPE um eine demokratisch verfasste Pfadfinderschaft handelt, die im Sinne der Kirche handelt. Offiziell aber will man bei der Deutschen Bischofskonferenz keine Stellung zu dem Thema beziehen. Auch aus dem Bistum Regensburg heißt es bislang nur, man „beobachte.“

Das Wochenblatt hatte bereits letzte Woche versucht, die KPE in Aufhausen zu kontaktieren und fuhr in die Straße, wo sie laut eigener Homepage ansässig ist. Doch dort ist nur eine Computerfirma, deren Chef den Namen KPE „noch nie gehört hat.“

Eine Tarnadresse?

Zwischenzeitlich hat auch die KPE Stellung bezogen. Hier der Brief an die Redaktion:

Zum Artikel „Im Land der Katholiban: Dorf im Landkreis fürchtet Extremisten“ erreichte uns diese Stellungnahme der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE):

„Wir verstehen nicht, warum unser Jugendverband als dubiose Pfadfinderschaft bezeichnet wird. Unsere Verbandsstruktur ist transparent, die pädagogischen Leitlinien der KPE sind öffentlich einsehbar, die Vorsitzenden werden demokratisch gewählt – alles kann auf unserer Homepage nachgelesen werden. Die Grundlage unsere Jugendarbeit ist die Pfadfinderidee nach Baden Powell und der katholische Glaube. Jeder kann unsere Arbeit gerne persönlich kennenlernen. Wir sind vom Europarat offiziell anerkannt, ebenso von der Kirche (vom Päpstlichen Rat für die Laien). Erst im Febr. 2013 hat Weihbischof Florian Wörner das offene und gute Miteinander mit der KPE, die er sehr schätze, gelobt (siehe Bericht in der Augsburger Allgemeinen).

Die KPE hat nichts mit dem mysteriösen Verschwinden von Frau Baumer zu tun. Die besagte Frau ist uns gänzlich unbekannt. Wir wissen nicht, warum hier eine Verbindung zur KPE suggeriert wird.

„Keine Verbindung zum Engelwerk“

Zwischen KPE und Engelwerk gibt es keine Zusammenarbeit. Dieses Gerücht stammt aus den 90er Jahren. Eine solche Verbindung gibt es nicht. Dies wurde bereits 1996 vom Landgericht Stuttgart bestätigt.

Last but not least, der Artikel wurde verfasst, ohne dass der Autor jemals Kontakt mit der KPE aufgenommen hat. Gleiches gilt auch für Reinhold Perlak. Ein direktes Gespräch hätte die Missverständnisse leicht ausräumen können. Wir haben uns zu diesem Leserbrief entschlossen, um das ehrenamtliche Engagement unserer jungen Gruppenleiter zu schützen. Wer sich aufrichtig für uns interessiert, ist herzlich willkommen, unsere Arbeit vor Ort näher kennenzulernen. Auch ein Treffen zur Klärung von eventuell noch offenen Fragen ist jederzeit möglich.“

Für die KPE Bayern, Dr. Martin Stumpf, Landesfeldmeister Dr. Markus Christoph, Landeskurat


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