30.04.2014, 14:10 Uhr

Historisches Rettet die alte Stadtbahn – bevor sie ganz verfällt!

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Regensburg ist eine Stadt mit langer Geschichte, nicht selten werden Funde aus der Römerzeit – oder noch älter – gemacht, wenn in Regensburg gegraben wird. Doch auch die jüngere Geschichte verdient Beachtung. Hier hat sich eine Gruppe gefunden, der eine alte Straßenbahn am Herzen liegt.

REGENSBURG Von 1903 bis 1964 gab es in Regensburg eine Straßenbahn, bis in die 1930er Jahre wurde das Streckennetz immer wieder erweitert. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war das Streckennetz immerhin rund zwölf Kilometer lang. Am 1. August 1964 wurde die Stadtbahn stillgelegt. Dieses Jubiläum jährt sich 2014 zum 50. Mal.

Viel ist nicht übrig geblieben von der Stadtbahn. Die Gleise sind verschwunden, der letzte vollständige Zug, bestehend aus zwei Wagen, gammelt auf dem RVB-Betriebsgelände in der Markomannenstraße vor sich hin. Dieser Zug war von 1955 bis 1964 in Regensburg im Einsatz, danach wurde er nach Darmstadt verkauft und war dort bis 1995 im Liniendienst eingesetzt. Danach fanden die beiden Wagen ihren Weg zurück nach Regensburg und sind seitdem im Besitz der Stadt. Ein weiterer Einzelwagen steht in Naumburg. Diese drei Wagen sind die letzten noch existierenden, die jemals Dienst in der Domstadt getan haben.

"Die Linie 10 war die schlimmste!"

Günther Schieferl ist 70 Jahre alt, er war einer der letzten, der als Zugführer mit der Stadtbahn in Regensburg unterwegs war. Eigentlich, so erzählt er im Wochenblatt-Gespräch, war er im Depot als Mechaniker beschäftigt, immer dann, wenn eine Aushilfe gebraucht wurde, dann durfte Schieferl ran. Auch den Nachtdienst hat er oft übernommen. "Die Linie 10 war die schlimmste!", berichtet Schieferl. Beleidigungen und Handgreiflichkeiten sind keine Erscheinungen der letzten Jahre, das gab es auch früher schon. Von 1962 bis zur Stilllegung 1964 war Schieferl so auf den Gleisen unterwegs, "vom Pürkelgut über den Domplatz bis nach Prüfening", berichtet er. Zwölf Züge gab es, alle sechs Minuten wurde einer losgeschickt. Eingleisig war man unterwegs, zwölf Ausweichstellen gab es, wenn der Gegenverkehr kam. Und: "Schwarzfahrer gab es damals nicht", berichtet Schieferl, denn jeder Wagen hatte seinen Schaffner, da wurde kontrolliert.

"Interessengemeinschaft Stadtbahn Regensburg" gegründet

Auch heute hat Schieferl die "Faszination Stadtbahn" nicht losgelassen, in seiner Freizeit sammelt er alles, was mit der Regensburger Bahn zu tun hat, von alten Fahrkarten über Fotos bis hin zu Originalteilen. Und so ist es nur folgerichtig, dass er die "Interessengemeinschaft Stadtbahn Regensburg" mit Rat und Tat unterstützt. Diese wurde von Jan Mascheck aus Maxhütte-Haidhof ins Leben gerufen. Eigentlich stammt Mascheck aus Berlin, seit zehn Jahren lebt er im Landkreis Schwandorf. Straßenbahnen haben ihn schon immer fasziniert – und als er hörte, dass es in Regensburg noch Originalwagen gibt, war sein Tatendrang geweckt.

Mascheck und seine Mitstreiter würden nun gerne in einem ersten Schritt die alten Wagen, die in der Markomannenstraße stehen, restaurieren lassen. Und es muss schnell gehen, denn der Zahn der Zeit, Regen und Schnee, Wind und Wetter nagen an den beiden Wagen. Lange könne man nicht mehr warten, da sind sich Schieferl und Mascheck einig, sonst seien die Wagen für immer verloren. Etwa 200.000 Euro dürfte die Instandsetzung der beiden Wagen kosten. Weitere 100.000 Euro dürften nötig sein, um die Wagen funktionstüchtig zu machen.

Petition im Internet für "ein Stück Stadtgeschichte"

Mascheck sammelt nun im Internet Unterschriften für den Erhalt der Stadtbahn, ebenso informiert er in einer eigenen Facebook-Gruppe über die Bahn. Für Mascheck und Schieferl ist die alte Bahn "ein Stück Stadtgeschichte" – und das wollen sie erhalten. Und das Jahr 2014 sei der ideale Zeitpunkt dafür: "Wenn wir das Jubiläum nicht nutzen, die Bahn zu erhalten, wird sie sehr sicher zum Schrottplatz wandern und der Nachwelt verloren gehen!"

Sollte der Erhalt der Bahn gelingen, so können sich die Regensburger Stadtbahnfreunde auch eine kurze Museumsstrecke vorstellen, auf der die beiden Wagen fahren könnten. Oder ein ein kleines Mini-Museum, das die Geschichte der Bahn erzählt. Ideen gibt es viele – doch nun muss zunächst die alte Bahn vor dem endgültigen Verfall gerettet werden!

Infos gibt es unter der Mailadresse stadtbahnrgbg@gmail.com!

Und hier geht's zum Kommentar:Geschichte endet nicht im Mittelalter


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