13.03.2018, 18:00 Uhr

Schleierfahnder feiern große Erfolge Nobelkarossen, Goldschmuck, Drogen und Falschgeld aus dem Verkehr gezogen

Versteck  im doppelten Boden unter dem Beifahrersitz. (Foto: Polizei)Versteck im doppelten Boden unter dem Beifahrersitz. (Foto: Polizei)

Stolze Jahresbilanz: Die bayerischen Schleierfahnder der PI Fahndung Rosenheim haben Fahndungserfolge auf allen Gebieten der grenzüberschreitenden Kriminalität zu bieten.

ROSENHEIM. „Wir bieten auf allen Feldern der grenzüberschreitenden Kriminalität Paroli. Besonders stolz sind wir auf unsere Erfolge im Bereich der Geldabschöpfung und Täteridentifizierung bei schweren Straftaten. „ Mit diesem Resümee schaut Polizeidirektor Herbert Baumann als Dienststellenleiter der PI Fahndung Rosenheim auf das abgelaufene Jahr zurück und betont: „Trotz weiter zunehmendem Straßenverkehrs gelingt es meiner Mannschaft nach wie vor, die Richtigen herauszufischen.“ Das Rezept sei, so Baumann, einfach: „Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf unser Klientel, analysieren die neuesten Entwicklungen und passen unser Fahndungsraster sofort an.“ So gelangen auch 2017 spektakuläre Fahndungserfolge.

Seit Jahren führend in Bayern ist die Rosenheimer Schleierfahndung mit ihren Aufgriffen im Gebiet der Rauschgiftfahndung.

So konnte im Dezember ein 48-jähriger Serbe auf der Autobahn A 8 gestoppt werden, der angeblich nur seine Mutter besuchen wollte. Tatsächlich versteckten sich im doppelten Wagenboden seines Autos 20 Kilo Marihuana und 1 Kilo Kokain, aufwendig eingebaut und verschweißt.

Elf Kilo Kokain fanden die Fahndungsspezialisten bei einem 58-jährigen Rumänen, der mit einem Pkw, Skoda, unterwegs war. Auch hier entging den Schleierfahndern nicht, dass im Kofferraum ein Geheimfach, gefüllt mit 11 Rauschgiftpaketen, eingebaut war. Dienststellenleiter Baumann: „Schmuggelverstecke von solcher Professionalität lassen sich nur mit gut motiviertem Personal und durch viel Fachwissen erkennen.“

Falschgeld entdeckten die Schleierfahnder bei einem 20-jährigen Italiener, den sie im Nachtzug von Rom nach München kontrollierten. Der junge Mann befand sich auf der Zugfahrt von Neapel zu seinem Wohnort in Amberg. Verborgen in seinem Rucksack fand sich ein Geldbündel, bestehend aus 20 und 50 Euro-Scheinen. Von den über 100 Geldscheinen war kein einziger echt. Er wollte sie mutmaßlich in Deutschland unter die Leute bringen.

Einer von mehreren Falschgeldaufgriffen im Berichtsjahr wie Baumann bestätigte: „Bei allen Personen, die wir kontrollieren, prüfen wir auch das mitgeführte Geld auf Echtheit und werden immer wieder fündig.“

Fündig werden die Schleierfahnder auch bei den Ausländerämtern, Zulassungsstellen und Meldeämtern ihres Dienstbereiches. In enger Zusammenarbeit prüfen sie in regelmäßigen Abständen die dort vorgelegten Urkunden. So konnten sie unter anderem bei 26 vorgelegten Tazkiras, also afghanischen Personalausweisen, Fälschungen erkennen.

Ein besonderes Steckenpferd der Rosenheimer Schleierfahnder ist seit jeher die Bekämpfung der internationalen Kfz-Verschiebung. So kaufte ein 30-jähriger österreichischer Kfz-Händler auf einer Internetplattform ein Schnäppchen. Für einen Range Rover Vogue zahlte er statt rund 70.000 nur 45.000 Euro. Dafür musste er jedoch die Nobelkarosse in Hamburg abholen -- und letztendlich in Rosenheim bei der Polizei wieder abgeben. Tatsächlich wurde der Pkw in Marbella/Spanien gestohlen, mit gefälschten Dokumenten und Fahrgestellnummer in Hamburg zugelassen.

Ihr Spezialwissen setzen die Schleierfahnder auch bei „virtuellen Streifenfahrten“ ein. Bei Durchsicht entsprechender Internetportale recherchieren sie nach Unfallfahrzeugen, die nur noch Schrottwert haben, aber teuer angeboten werden. So wurde in einem solchen Portal ein Hyundai ix35 angeboten, der bei einem Unfall in Großkarolinenfeld völlig zerstört wurde. Kurz danach ließ man exakt diesen Pkw in neuwertigem (!) Zustand in Polen zu. Auf Hinweis der Schleierfahnder stellte die polnische Kriminalpolizei den Pkw sicher. Baumann: „Tatsächlich handelte es sich um ein in Deutschland gestohlenes Auto, das auf die Daten des Schrottfahrzeuges umfrisiert worden war.“

Ein besonderer Erfolg gelang den Rosenheimer Schleierfahndern bei der Bekämpfung von Wohnungs- und Geschäftseinbruchdiebstählen. Am Irschenberg stoppten sie nachts um 03.00 Uhr einen Pkw, besetzt mit vier Rumänen. Die intensive Durchsuchung des Gepäcks brachte große Mengen an Goldschmuck, teuren Zigarren und elektronischem Gerät zum Vorschein. Wegen Verdachts der Hehlerei wurden bei allen ED-Behandlungen (Abnahme von Fingerabdrücken und DNA-Proben) vorgenommen. Aufgrund dessen konnten den Männern mehrere Wohnungseinbruchserien in mehreren deutschen Bundesländern, der Schweiz und Österreich zugeordnet werden. In einem anderen Fall ließen sich bei zwei Serben mit totalgefälschten kroatischen Ausweisdokumenten mittels ED-Behandlungen mehrere bewaffnete Raubüberfälle klären.

Gemäß dem Leitsatz „Verbrechen dürfen sich nicht lohnen“ nutzen die Rosenheimer Schleierfahnder die Neuregelungen des Rechtsbereichs „Vermögensabschöpfung“ und die damit verbesserten Beschlagnahmemöglichkeiten von inkriminierten Bargeldbeträgen. So fanden die Beamten in einem Pkw-Hohlraum versteckt 760.000 € Bargeld sowie in einem anderen Aufgriff 520.000 € in einem Versteck im Dachhimmel. In beiden Fällen machten die Fahrer fadenscheinige Angaben zur Herkunft des Vermögens. Beschlagnahme erfolgte. Baumann: „Solche Aufgriffe sind häufig der Beginn umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen im grenzüberschreitenden Bereich des Rauschgifthandels, der Geldwäsche und organisieren Kriminalität.“


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