20.01.2020, 10:06 Uhr

Thema Klimawandel „Wetterfrosch“ Uwe Wesp beim WIR-Neujahrsempfang


Viele kennen ihn noch als den „Wetterfrosch“ des ZDF: Bis 2007 sagte der Meteorologe Uwe Wesp den TV-Zuschauern das Wetter voraus. Am Sonntag, 19. Januar, referierte er vor 250 Besuchern des Neujahrsempfangs des Werbeinteressenrings (WIR) am Theater an der Rott zum Thema „Klimaveränderungen und die Folgen für die Wirtschaft“.

EGGENFELDEN Das Erdklima, so legte der 77-Jährige zu Beginn dar, werde von vielen Wirkungsfaktoren beeinflusst. Da wären zum einen die natürlichen, unveränderbaren Faktoren wie der Abstand zur Sonne, der sich im Laufe von 100.000 Jahren verändert, oder die Neigung der Erde, die sich im Laufe von 43.000 Jahren ändert. Ein wichtiger Faktor ist der so genannte Treibhauseffekt, der vor allem vom Wasserdampf, aber auch verschiedenen Gasen, wie Kohlendioxid oder Metan beeinflusst wird. Der Treibhauseffekt sei auch wichtig, denn sonst wäre es auf der Erde wesentlich kälter, sie wäre quasi unbewohnbar.

Doch auch der Mensch wirke durch Wassermanagement, Industrie, Bebauung, Verkehr, Verbrennung, Landwirtschaft oder künstliche Bewässerung auf das Erdklima ein. Setzt der Mensch zusätzlich Gase frei, so mahnte Wesp, hätte man ein Problem. Wer aber glaube, man könne den Klimawandel durch völligen Verzicht auf Freisetzung von Gasen von Jetzt auf Gleich stoppen oder gar auf frühere Werte zurücksetzen zu können, den musste Wesp enttäuschen: „Wir können den Klimawandel nicht zurücksetzen, wir können ihn höchstens stoppen.“ Und: „Was wir heute in die Atmosphäre abgeben, wirkt noch in 30 Jahren nach.“

Anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zeigte Uwe Wesp auf, was wir bis Ende des Jahrhunderts zu erwarten haben: So werde es zum Beispiel im Süden Deutschlands 50 Prozent mehr heiße Tage geben, im Sommer werden die Niederschläge im Süden während der Sommerzeit um 20 Prozent ab- und im Winter um 20 Prozent zunehmen. „Wegen der wärmeren Temperaturen wird es aber nicht schneien, sondern eher regnen“, so Wesp. Hochwasserereignisse wie im Süden des Landkreises Rottal-Inn im Jahr 2016, die Wesp mit nur langsam veränderten Luftdruckverhältnissen an jenem Tag im Juni erklärte, werden in den nächsten 80 Jahren zunehmen, ebenso Winde in Orkanstärke oder starke Gewitter.

Forderungen an die Wirtschaft stellte Uwe Wesp nur vage und zurückhaltend auf: „Die Entwicklungen in der Wirtschaft müssen an den Klimawandel angepasst werden, sonst drohen uns Ende des Jahrhunderts chaotische Klimaverhältnisse, so Wesp. Aber natürlich müsse man auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Es müsse eben finanzierbar sein. Eine direkte Folge des Klimawandels formulierte Wesp eher humorvoll an die örtliche Wirtschaft in Eggenfelden: „Sie können ihre Produkte künftig direkt auf dem Stadtplatz verkaufen und nicht mehr im Laden. Es ist ja angenehm warm draußen.“

Eine Gemeinsamkeit zwischen Politikern und Meteorologen stellte Landrat Michael Fahmüller in seinem Grußwort fest: Beiden würde man Voraussagen nicht glauben. Zudem stellte der Landrat die Leistungsstärke der Region heraus. Eggenfeldens Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler betonte, die Stadt könne imposante Zahlen aufweisen, wie den Umsatz von 50 Millionen Euro. „Viele der Gelder werden investiert, was dann vor allem den Unternehmen der Region zugute kommt.“ Die Politik tue sich zuweilen schwer mit dem Reagieren auf schnelle Entwicklungen, daher forderte Grubwinkler: „Wir brauchen den Klimawandel in den Köpfen.“

Imposante Zahlen präsentierte auch WIR-Vorsitzende Claudia Rauschegger für das Jahr 2019, in dem das 50-jährige Bestehen des Werbeinteressenrings gefeiert werden konnte. Man habe inzwischen 135 Mitglieder, die Gutscheinkarte, die im ersten Jahr 2015 noch 23.000 Euro einfuhr, habe 2019 mit 85.700 Euro einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt. Rauschegger widmete sich in ihrer Rede vor allem der Herausforderung Online-Handel für die örtlichen Geschäfte. „Umso wichtiger ist eine starke Gemeinschaft wie WIR nötig, um den Standort Eggenfelden zu stärken“, konstatierte die WIR-Vorsitzende.

Für die schwungvolle musikalische Umrahmung des Neujahrsempfangs, der von WIR-Vorstandsmitglied Stefan Hild moderiert wurde, sorgte die Rock‘n‘Roll-Band „Jimi Duke and the posers“ aus Simbach am Inn mit Klassikern von Elvis Pressley, Buddy Holly oder Roy Orbison.


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