12.02.2019, 14:10 Uhr

Prozess mit vielen Unklarheiten 25-jähriger Iraker soll 36-Jährige vergewaltigt haben – Opfer verstrickt sich in Widersprüche

(Foto: vb)(Foto: vb)

„Die Vorwürfe sind falsch und werden zurückgewiesen“, erklärt der Rechtsanwalt für seinen 25-jährigen Mandanten nach Verlesung der Anklageschrift. Der junge Mann steht seit Dienstag, 12. Februar, vor dem Regensburger Landgericht. Ihm werden unter anderem schwere räuberische Erpressung und Vergewaltigung vorgeworfen.

REGENSBURG/WALDMÜNCHEN Laut Anklageschrift soll der 25-jährige Iraker, der im Herbst 2015 über die Balkan-Route bis nach Regensburg kam, ab Oktober 2017 immer wieder Geld oder Sex von seiner 36-jährigen Zimmernachbarin gefordert haben. Der Angeklagte war damals in einer Asylbewerberunterkunft in Waldmünchen im Landkreis Cham untergebracht. Mehrmals soll er der 36-Jährigen damit gedroht haben, dass er sie oder ihre Kinder umbringen werde, wenn sie nicht bereit ist, zu zahlen oder mit ihm zu schlafen. Einmal soll er ein Butterflymesser auf den Tisch gelegt haben, um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen. Einige Wochen später soll die 36-Jährige aus Angst schließlich doch zugestimmt haben, mit dem Angeklagten zu schlafen. Daraufhin soll der Angeklagte an einem Vormittag Ende November in das Zimmer der 36-Jährigen gekommen sein. Er soll die Geschädigte geküsst und Sex mit ihr gehabt haben.

Vor Gericht weist der 25-Jährige aber alle Vorwürfe von sich. Sein Verteidiger erklärt, dass sein Mandant lediglich Geld von der 36-Jährigen zurückforderte, das er ihr vorher geliehen hatte. Drohungen soll es nie gegeben haben. Außerdem stellt der Verteidiger klar, dass die beiden mehrmals einvernehmlichen Sex hatten. Als erste Zeugin sagte die Geschädigte selbst aus. Sie erzählte, dass sie den 25-Jährigen im Herbst 2015 kennenlernte. Im Jahr darauf gestand er ihr angeblich seine Liebe und soll versucht haben, sie zu küssen. Auch nach einer Entschuldigung des Angeklagten soll sich die Situation nicht entspannt haben. Immer wieder forderte er angeblich Sex oder Geld. „Er sagte: ‚Entweder du schläfst mit mir oder du gibst mir das Geld‘“, erzählte die Angeklagte mithilfe ihrer Dolmetscherin vor Gericht. „Er sagte, wenn ich das nicht mitmache, wird er mich umbringen und meine Kinder auch“, erklärte sie weiter. Schließlich hielt sie dem Druck nicht mehr stand und willigte ein, mit ihm zu schlafen. Was dann geschah, ist allerdings mehr als ungewiss. Die Aussage der 36-Jährigen vor Gericht wich stark von ihrer Aussage ab, die sie damals bei der Polizei getätigt hatte. So konnte während ihrer Befragung vor Gericht nicht geklärt werden, ob es letztlich zum Geschlechtsverkehr zwischen den beiden kam.

Im Dezember 2017 kam es dann schließlich doch zu einer Geldübergabe. Die 36-Jährige lieh sich 300 Euro von einem Freund und bat diesen auch, die Geldübergabe zu filmen. Das Video wurde während der Verhandlung angeschaut und warf weitere Fragen auf.

Nachdem mehrere Monate Ruhe herrschte, sollen die Forderungen im April 2018 wieder angefangen haben. Nach einem weiteren Vorfall im Juni 2018, bei dem der Angeklagte wieder Geld von ihr gefordert haben soll, ging die 36-Jährige schließlich zur Polizei. Der 25-Jährige sitzt seit Ende Juli 2018 in Untersuchungshaft.

Für den Prozess sind insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird voraussichtlich am Freitag, 15. Februar, erwartet.


0 Kommentare