02.07.2020, 14:43 Uhr

Details zum Schwandorfer Tötungsdelikt So lief die Fahndung nach Karlheinz R.

Bei seiner Festnahme führte der Beschuldigte ein Fahrrad und einen Rucksack mit. Die mutmaßliche Tatwaffe befand sich nicht in seinem Besitz, hierzu laufen noch die Ermittlungen der Polizei. Foto: Polizeipräsidium OberpllazBei seiner Festnahme führte der Beschuldigte ein Fahrrad und einen Rucksack mit. Die mutmaßliche Tatwaffe befand sich nicht in seinem Besitz, hierzu laufen noch die Ermittlungen der Polizei. Foto: Polizeipräsidium Oberpllaz

Am Samstag wurden in der Kreuzfeldstraße in Büchlkühn zwei Menschen getötet. Am Mittwochnachmittag konnte der dringend Tatverdächtige Karlheinz R. in Tschechien verhaftet werden. Jetzt gibt die Polizei weitere Einzelheiten zu dem Fall bekannt.

Schwandorf. Am Montag, 29. Juni, erschien ein 69-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf nicht an seiner Arbeitsstelle im östlichen Landkreis Schwandorf. Da er als sehr zuverlässig galt, machte man sich Sorgen und informierte die Polizei. Eine Streife überprüfte das Wohnanwesen des Mannes und konnte ihn dort nicht antreffen. Daraufhin wurde eine Streife zum Wohnanwesen der Lebensgefährtin nach Büchelkühn geschickt, in dem sie den 69-Jährigen und seine dort wohnhafte 57-Jährige Lebensgefährtin erstochen auffand.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen betrat der Beschuldigte Karlheinz R., ehemaliger Lebensgefährte der getöteten Frau, am Samstag, 27. Juni, in den frühen Abendstunden unvermittelt die Terrasse der 57-Jährigen. Zu dieser Zeit hielten sich der 69-Jährige und die 57-Jährige dort auf. Es erfolgte ein Angriff mittels eines Messers auf die beiden Personen. Das Geschehen verlagerte sich weiterhin in das Gebäudeinnere. Die Tathandlung wurde teilweise durch eine Videokamera aufgezeichnet, weshalb sich früh der Tatverdacht gegen Karlheinz R. richtete und eine zeitgerechte Öffentlichkeitsfahndung möglich wurde.

Die Kriminalpolizeiinspektion Amberg und die Staatsanwaltschaft Amberg übernahmen sofort die Ermittlungen am Tatort und leiteten gemeinsam mit den Polizeiinspektionen Schwandorf und Furth im Wald eine Großfahndung ein. Umgehend wurde mit einem hohen Kräfteansatz die Ermittlungsgruppe „Kreuzfeld“ gegründet. Hinzu kamen Einsatzzüge der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Polizeihubschrauber, zivile und uniformierte Fahndungseinheiten sowie polizeiliche Mantrailing-Hunde (Personensuchhunde). Es wurden alle verfügbaren Kräfte in die Suche nach dem Flüchtigen eingebunden. Am Tatort unterstützten Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts bei den Spurensicherungsmaßnahmen und ebenso waren Rechtsmediziner bei der Untersuchung vor Ort involviert.

Da eine Flucht in das Ausland nicht auszuschließen war, wurden sofort auch internationale Fahndungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Auch ein über die Staatsanwaltschaft Amberg beantragter europäischer Haftbefehl wurde erlassen. Über das Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Schwandorf wurden sämtliche Informationen in Echtzeit nach Tschechien übermittelt. Gleiches galt für die Weitergabe der Öffentlichkeitsfahndung dorthin. Die gewohnt enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der bayerischen und der tschechischen Polizei waren ein wichtiger Baustein bei der Ergreifung des Verdächtigen. Noch immer stehen die Ermittler in engem Austausch mit den tschechischen Behörden.

Durch die Ermittler konnte der Fluchtweg des Gesuchten bereits in weiten Teilen nachvollzogen werden. So ergaben sich neue Zeugenhinweise auf Aufenthalte am Sonntag in Altenkreith, Bad Kötzting und Grafenwiesen im Landkreis Cham.

Am gestrigen Mittwoch, 1. Juli, sichtete ein aufmerksamer Zeuge den Beschuldigten an einem Fischweiher bei Novy Dvur, nahe der Stadt Domazlice. Er erkannte ihn aufgrund der Medienberichterstattung wieder und verständigte die tschechische Polizei. Gegen 16.25 Uhr wurde Karlheinz R. von den Polizeikräften widerstandslos festgenommen und ist derzeit in Tschechien inhaftiert. Er wird am morgigen Freitag in enger Abstimmung mit der Bezirksstaatsanwaltschaft Pilsen dem zuständigen Richter vorgeführt.

Bei seiner Festnahme führte der Beschuldigte ein Fahrrad und einen Rucksack mit. Die mutmaßliche Tatwaffe befand sich nicht in seinem Besitz, hierzu laufen noch die Ermittlungen der Polizei.

Die Ermittler bedanken sich für die Mithilfe und Unterstützung der Bevölkerung und der Medien. Über 40 Hinweise gingen bei der EG Kreuzfeld ein. Einige davon halfen den Ermittlern wesentlich und führten schließlich auch zum Fahndungserfolg.

Weitere Zeugenhinweise nimmt die Kriminalpolizeiinspektion Amberg ab sofort wieder unter der Telefonnummer 09621/890-0 entgegen.


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